Wirtschaft

Brandenburg will mit Breitband in eine bessere Zukunft

Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) fordern von neuer Landesregierung Investitionen in Technik, Infrastruktur und Bildung.

Die Verbände fordern speziell rund um den Flughafen BER ein höheres Tempo beim Breitbandausbau.

Die Verbände fordern speziell rund um den Flughafen BER ein höheres Tempo beim Breitbandausbau.

Foto: Jochen Eckel / picture alliance

Potsdam. In Brandenburger Regionen, die fern von Berlin liegen, fehlt es an jungen, qualifizierten Menschen; die Infrastruktur ist nicht auf der Höhe der Zeit, und es mangelt an einer flächendeckenden guten Breitbandversorgung. Zu diesen Schlüssen kommt Michael Hüther, Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). In einer neuen Studie hat das IW die Entwicklung in Brandenburg untersucht.

Besonderen Handlungsbedarf sieht Hüther mit Blick auf die demographische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung in den Landkreisen Spree-Neiße und Elbe-Elster, aber auch in der Stadt Brandenburg an der Havel.

Die Ergebnisse der Studie bilden die Grundlage für die Forderungen der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) an die künftige brandenburgische Landesregierung.

Breitbandnetz muss vor allem in der Lausitz und am BER ausgebaut werden

Die Versorgung mit Breitband-Internet sei das wichtigste Thema, erklärte UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck in Potsdam. Der Ausbau könne billiger und besser werden, wenn Glasfaserkabel auf Masten statt wie bislang unterirdisch verlegt würden. „Das könnte die Kosten um 80 Prozent drücken, und schneller ginge es obendrein“, schlägt Amsinck vor.

Zugleich könnten – wie bundesweit bereits überlegt werde – Glasfaserkabel entlang von Bahnstrecken installiert werden. Das habe den Vorteil, dass sich die dafür benötigten Grundstücke in der Hand der Deutschen Bahn und damit des Bundes befänden. Speziell rund um den Flughafen BER und in der Lausitz müsste beim Breitbandausbau ein höheres Tempo vorgelegt werden.

Zugleich erneuerte der UVB seinen Wunsch nach einem Digitalminister, der die Projekte aller Ressorts koordiniere und vorantreibe. Hessen und Bayern hätten das bereits vorgemacht. Eine Digitalagentur, wie sie auf Initiative der Landesregierung vor kurzem gegründet worden sei, reiche allein nicht aus, um die Aufgaben zu bewältigen.

„Stillgelegte Bahnstrecken müssen auf den Prüfstand“

Besonderes Augenmerk richtet der UVB-Chef auch auf die Entwicklung im ländlichen Raum. Die hält er für „problematisch, wenn auch nicht ohne Chancen“. Anders als der Speckgürtel, der von der Ausstrahlung der Bundeshauptstadt profitiere, fühlten sich Menschen in Berlin-fernen Regionen häufig abgehängt.

„Viele verbinden diesen Eindruck vor allem mit dem Wegfall von Bahnverbindungen“, betont Amsinck. Seit 1993 seien 539 Schienenkilometer in Brandenburg stillgelegt worden. Vorschnell sei hier auf die sich abzeichnende demographische Entwicklung reagiert worden.

Um ländlichen Regionen eine Perspektive zu ermöglichen, müssten Menschen mobil bleiben und auch zwischen Wohnort und Arbeitsplatz problemlos pendeln können. „Stillgelegte Bahnstrecken müssen auf den Prüfstand“, fordert Amsinck einen beschleunigten Ausbau von Verkehrsverbindungen.

4700 Ausbildungsplätze noch unbesetzt

Außerdem müsse Brandenburg attraktiver werden, um Fachkräfte im Land zu halten. Der UVB-Chef verweist auf die Statistik: „Von 850.000 Beschäftigten in Brandenburg sind rund 200.000 zwischen 55 und 64 Jahren alt und gehen in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand.“

Das Dilemma: Die Jahrgänge der heute 15- bis 24-Jährigen seien zahlenmäßig nicht einmal halb so stark. „Hier droht eine große Lücke.“ Umso schmerzlicher sei es, dass aktuell noch 4.700 betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt seien. Nicht nur den Mangel an Mobilitätsangeboten sieht Amsinck als Ursache des Problems.

„Es gilt, junge Menschen in den Schulen besser aufs Berufsleben vorzubereiten“, außerdem müsse die Politik die mit einer dualen Ausbildung verbundenen Berufsperspektiven stärker hervorheben. Oberstufenzentren sollten sich in ihrem Ausbildungsangebot ergänzen, für eine ausreichende Zahl an Lehrern müsse gesorgt werden.

Kritik am Vergabegesetz

„Gerade an Berufsschulen könnte sich das Konzept der Quereinsteiger als praktikabel erweisen“, glaubt Amsinck. Investiert werden müsse zudem stärker in die digitale Bildung. Bestimmte Lehrinhalte könnten in digitaler Form vermittelt werden, wenn zu große Entfernungen zwischen Lehrbetrieb und Schule zur Hürde würden, regt der UVB-Chef an. „Die Mittel aus dem Digitalpakt stehen dafür bereit. Jetzt geht es darum, sie sinnvoll zu nutzen, sie vor allem auch abzurufen.“

Bessere Strukturen fordert Amsinck auch bei Planung, Ausschreibung und Vergabe öffentlicher Vorhaben. Mehr qualifiziertes Personal sei nötig, zugleich müsse der Staat spürbar Bürokratie abbauen.

„Wir sehen mit Sorge, dass die möglichen Koalitionspartner das Vergabegesetz noch komplizierter machen und zusätzliche Vergabekriterien einführen wollen“, kritisiert Amsinck. „Als Folge werden sich immer weniger Unternehmen um öffentliche Aufträge bewerben.“