Landtagswahlen

Wahlergebnis in Brandenburg: Müller präferiert Rot-Rot-Grün

Die SPD verliert, bleibt aber stärkste Partei vor der AfD. CDU und Linke verlieren deutlich. Das sind die ersten Reaktionen.

Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin

Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB): „Brandenburg braucht jetzt eine stabile und handlungsfähige Regierung mit einer klaren Agenda für Marktwirtschaft und mehr Wachstum. Nötig ist ein Koalitionsvertrag mit Substanz, der für attraktivere Investitionsbedingungen sorgt – nicht nur im Speckgürtel rund um Berlin, sondern auch in der Fläche.

Wichtig für die Wirtschaft sind ein schnellerer Ausbau der digitalen Infrastruktur, bessere Schulbildung und bessere Verkehrsverbindungen. Das Strukturstärkungsgesetz für die Lausitz muss zudem rasch eins zu eins umgesetzt werden, damit die Menschen spüren, dass sich die Politik um Lösungen und Arbeitsplätze für die Zukunft kümmert.

Für die Firmen sind Weltoffenheit und Toleranz unverzichtbar, gerade mit Blick auf den Fachkräfte-Bedarf in der Zukunft. Offenbar ist bei einigen Bürgern die Unzufriedenheit groß. Die gute wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre ist nicht überall im Land angekommen. Hier muss die Politik gegensteuern.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD): „Mir war es wichtig, dass Brandenburg in guten Händen bleibt. Ich bin erstmal froh, dass das Gesicht Brandenburgs auch in Zukunft ein freundliches bleiben wird.“

AfD-Spitzenkandiat Andreas Kalbitz: „Die Marke 20 plus x war ausgegeben. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass wir als Sahnehäubchen auch stärkste Kraft werden.“

CDU-Spitzenkandidat Ingo Senftleben: „Ich hätte heute gern ein besseres Ergebnis präsentiert. Ihr seid nicht verantwortlich. Ich fühle mich als Spitzenkandidat dafür verantwortlich.“ Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass Rot-Rot krachend eingebrochen sei. „Es werden nun Gespräche mit Parteien geführt, die mit uns Gespräche führen wollen“, sagte Senftleben.

Kathrin Dannenberg, Spitzenkandidatin der Brandenburgischen Linken: „Wir haben Politik von oben gemacht, wir waren zu wenig in den Regionen, haben zu wenig mit den Menschen geredet. Das ist ein Thema, das wir verpasst haben und das wir zu spät begonnen haben“, räumte sie in der ARD ein. Was die soziale Frage und die soziale Spaltung betreffe, seien die Menschen nicht erreicht worden.

Grünen-Bundesvorsitzender Robert Habeck: „Wenn man es einordnet in den größeren Rahmen, ist es ein fantastisches Ergebnis. Das stärkste Ergebnis in beiden Ländern, das wir je hatten“, sagte Habeck am Sonntagabend im ZDF. Das Ergebnis liege nun etwas unter den Umfragen der vergangenen Wochen, dies sei aber verständlich. In beiden Ländern seien potenzielle Grünen-Wähler zu den Regierungsparteien CDU beziehungsweise SPD gewechselt, um zu verhindern, dass die AfD stärkte Kraft wird. „Das ist nachvollziehbar“, sagte er.

Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin: Die Berliner Grünen würden ein rot-rot-grünes Bündnis begrüßen. „Ich würde mich freuen, wenn wir noch enger mit Brandenburg zusammenarbeiten können“, sagte Fraktionschefin Silke Gebel. Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) präferiert ein solches Bündnis. „Es ist viel Arbeit, aber wir sehen in Berlin, das es geht“, sagte Müller.

Berlins CDU-Chef Burkard Dregger: "Rot-Rot ist in Brandenburg abgewählt. Es gibt eine klare Mehrheit für die Mitte jenseits von Linke und AfD. Wir können den Brandenburgern nur wünschen, dass ihnen ein rot-rot-grünes Regierungschaos wie bei uns in Berlin erspart bleibt."

Raed Saleh, Vorsitzender der Berliner SPD-Fraktion: "Dietmar Woidke hat den Nazis nicht nach dem Maul geredet. Er hat klar eine demokratische, tolerante und versöhnliche Linie für Brandenburg vorgelebt. Sein politisches Rückgrat, diese Haltung wurde belohnt. Brandenburg bleibt anständig. Das freut mich als direkter Nachbar sehr und macht Mut. Ich war mehrmals in den letzten Wochen am Stand mit den Freunden in Brandenburg. Dort habe ich eine Partei erlebt, die kämpft und einen beliebten Ministerpräsident hat, der rackert und seine Partei durch unermüdlichen Einsatz nach vorne gebracht hat. Das hat zum Glück Wirkung gezeigt."