Sturmböen

Schwere Schäden durch Unwetter in Brandenburg

Besonders das zu Beelitz gehörende Dorf Klaistow hat das Gewitter mit heftigem Wind getroffen. Viele Häuser wurden beschädigt.

Klaistow. Heftige Unwetter haben am Sonntagabend den Südwesten Brandenburgs getroffen und dort zum Teil große Schäden angerichtet. Besonders betroffen war das Dorf Klaistow bei Beelitz. Dort soll eine Windhose zahlreiche Dächer abgedeckt haben. Schon am frühen Abend war es laut Deutschem Wetterdienst dort extrem stürmisch gewesen.

DWD spricht von Gewitterfallböe statt Windhose

Wie Sebastian Klamt von der Feuerwehrleitstelle Brandenburg an der Havel rbb24 sagte, seien fast alle Häuser in dem Dorf beschädigt. Unter anderem seien auch eine Garage und ein Carport eingestürzt. Fotos zeigen eine entwurzelte Birke, die auf dem Dach eines Hauses liegt. Wie Klamt rbb24 weiter sagte, haben Augenzeugen von einer Windhose berichtet, die durch Klaistow gefegt sei. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach konnte bisher keine Anzeichen für eine solche Windhose finden. „Nach jetzigem Stand und nach Augenzeugenberichten handelte es sich um eine Gewitterfallböe“, sagte DWD-Tornado-Experte Andreas Friedrich.

Diese treten viel häufiger in Deutschland auf als Tornados und reißen kalte Winde und Hagel aus höheren Wolkenschichten nach unten, wie Friedrich erklärte. Sie fegen demnach üblicherweise innerhalb weniger Minuten in Zugrichtung des Gewitters über das Land. Anhand der Schäden habe man sehen können, dass „sich nichts im Kreis gedreht hat“. Die Böen hätten Schätzungen zufolge 120 bis 180 Stundenkilometer erreicht. „Der Sturm war nur etwa eine bis anderthalb Minuten unterwegs. Da kann man sehen, was die Natur anrichten kann“, sagte der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth (Unabhängiges Kommunalbündnis/Bürger Bündnis Beelitz).

Ziegel eines Kirchendachs abgetragen

Im Nachbardorf Kanin stehe die älteste Feldsteinkirche Brandenburgs. Mehrere Dachziegel seien abgedeckt worden. Auf der Landstraße zwischen Klaistow und Kanin seien acht Bäume entwurzelt worden. „Der Sturm hat es da aber gut gemeint, die Bäume sind nicht auf die Fahrbahn, sondern ein Feld gefallen“, sagte Knuth.

Sein eigenes Haus war im Jahr 2007 von Orkan Kyrill beschädigt worden. Er könne die Lage der Betroffenen daher sehr gut nachvollziehen: „Man ist dem hilflos ausgeliefert“. Die Feuerwehr habe aber hervorragende Arbeit geleistet, sagte er. Die Leute seien zudem gut organisiert, helfen sich gegenseitig. Alle Betroffenen konnten schon wieder in ihre Häuser zurückkehren.

Mathias Gedicke, Ortsvorsteher von Klaistow, Kanin und Busendorf, war am Montag selbst vor Ort. „Alle sind gesund, das ist das Wichtigste für uns“, sagte er. „Die Häuser sind sehr in Mitleidenschaft gezogen, aber die kann man reparieren, da sind wir fleißig dabei.“ Er schätzte, dass die Aufräumarbeiten noch zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen.

Mehrere Verletzte durch Unwetter in Südhessen

Unwetter haben am Sonntagabend auch andere Teile Deutschlands getroffen. In Südhessen wurden dabei mehrere Menschen verletzt. Ein 34-Jähriger sei bei Ginsheim-Gustavsburg in seinem Zelt von einem umgefallenen Baum getroffen worden, teilte die Polizei in Darmstadt mit. Lebensgefahr bestehe nicht. Im Kreis Offenbach seien mehrere Menschen verletzt worden, genauere Angaben dazu konnte die Polizei am Montagmorgen zunächst nicht machen. Der Schaden des Unwetters mit Starkregen und Sturm sei immens, hieß es.

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Wegen des Unwetters wurde auch der Bahnverkehr zum Teil gestoppt. Wegen der Windböen waren Bäume ins Gleis der Strecke zwischen München und Frankfurt (Main) gestürzt. Auch die Oberleitung wurde beschädigt. Der Fernverkehr zwischen Frankfurt (Main) und Würzburg werde deshalb in beiden Richtungen über Fulda umgeleitet, sagte eine Bahnsprecherin am Montag. Es komme zu Verspätungen von 60 bis 100 Minuten. Die Sperrung werde voraussichtlich noch bis Dienstagabend dauern.