Sanierung

Neues Leben für Schloss Wiepersdorf

Das Anwesen war schon in der Romantik ein kulturelles Zentrum. Jetzt soll das Schloss zu neuem Leben erwachen

Schlüsselübergabe für Schloss Wiepersdorf, in welchem Künstler dank Stipendien eine gewisse Zeit verbringen können. In der Orangerie soll ein Cafe für die Öffentlichkeit entstehen. 

Schlüsselübergabe für Schloss Wiepersdorf, in welchem Künstler dank Stipendien eine gewisse Zeit verbringen können. In der Orangerie soll ein Cafe für die Öffentlichkeit entstehen. 

Foto: Katrin Starke

Wiepersdorf.. Man muss schon genau hinschauen, um am Sehnsuchtsort der deutschen Romantik im Niederen Fläming nicht versehentlich vorbeizufahren. Nur ein unscheinbares Schild verweist im 154-Seelen-Dorf Wiepersdorf auf das geschichtsträchtige Schloss, in welches das Dichterpaar Ludwig Achim und Bettina von Arnim Anfang des 19. Jahrhunderts die Elite aus Kunst und Wissenschaft zum geistigen Austausch einlud.

Künftig will das Hausherrin Annette Rupp übernehmen. Die frühere Chefin der Villa Aurora von Lion Feuchtwanger in Los Angeles, die bis 2012 dort auch das Goethe-Institut leitete, ist Gründungsbeauftragte der neuen Landesstiftung Schloss Wiepersdorf, die das Weiterbestehen des Künstlerhauses sichern soll. In dieser Woche übergab der bisherige Träger, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD), das Schloss offiziell an die öffentlich-rechtliche Kulturstiftung.

Von 2005 bis 2018 hatte die DSD, zeitweise unterstützt vom Land Brandenburg und dem Bund, das Künstlerhaus betrieben. Drei Millionen Euro investierte sie in dieser Zeit allein in die Sanierung. Im Sommer 2018 ging der DSD jedoch das Geld für Pflege und Weiterbetrieb der Einrichtung aus. Bis dato hatte das Schloss samt Orangerie und Park Stipendiaten, darunter Komponisten, Bildhauer und Schriftsteller, als Arbeits- und Erholungsstätte gedient.

Anna Seghers und Christa Wolf kamen zum Schreiben

Wiepersdorf galt schon zu DDR-Zeiten als Künstlertreff. Autoren wie Anna Seghers, Christa Wolf, Sarah Kirsch oder Ulrich Plenzdorf zogen sich zum Schreiben ins Schloss zurück. 1992 wurde die Einrichtung als Künstlerhaus der Stiftung Kulturfonds der neuen Länder wiedereröffnet.

Nach deren Auflösung sprang die DSD als Retter von Wiepersdorf ein. Doch die Idee, den Betrieb aus den Erträgen des mit sieben Millionen Euro ausgestatteten „Land Brandenburg Fonds“ zu finanzieren, erwies sich letztlich als nicht umsetzbar. „Die Fondserträge deckten aufgrund der Zinsentwicklungen am Kapitalmarkt zuletzt weniger als 50 Prozent der realen Kosten“, begründet DSD-Vorstand Steffen Skudelny den Rückzug.

Die neue Kulturstiftung ist nun monetär abgesichert: „Ab 2020 stellt das Land für den Betrieb jährlich 720.000 Euro bereit. Hinzu kommen 90.000 Euro für die Ausstattung der Stipendien“, sagt Kulturministerin Martina Münch (SPD).

Einmalig zahle das Land zudem 100.000 Euro für die anstehende Renovierung der Innenräume, dieselbe Summe steuere auch der Bund bei. Das Hauptdach ließ die DSD mittlerweile komplett neu decken, auch die Fassaden wurden überarbeitet. So erklärt es Skudelny, dessen Stiftung weiterhin mit der neuen Landesstiftung zusammenarbeiten wird.

Auch Geistes- und Sozialwissenschaftler dürfen einziehen

Die will für frischen Wind im Ensemble sorgen. „International und interdisziplinär“ soll es laut Hausherrin Rupp werden. Zwar halte sie weiter an den bisherigen Sparten für Stipendiaten aus dem In- und Ausland fest. „Zum Arbeitsaufenthalt eingeladen werden nun aber auch Forscher aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, die sich mit Fragen der Romantik oder der deutsch-deutschen Geschichte beschäftigen.“

Zimmer für insgesamt 26 Gäste stünden zur Verfügung. Bis zu drei Monate könne ein Einzelstipendiat in Wiepersdorf kreativ wirken. Neben Vollverpflegung und Übernahme der Fahrtkosten gebe es eine monatliche Unterstützung von 1200 Euro – 400 Euro mehr als bislang. Zudem will man künftig auch Gruppenstipendien und so genannte Kooperationsstipendien ermöglichen. „Kunstschaffende und Wissenschaftler agieren immer häufiger lieber im Team“, dem will Rupp Rechnung tragen.

Was Rupp am Herzen liegt: „Wir wollen uns nicht abschotten, in der Region nicht als Ufo wahrgenommen werden, sondern uns nach außen öffnen.“ Mit diesem Ziel weiß sie den Wiepersdorfer Bürgermeister Matthias Wäsche (parteilos) schon auf ihrer Seite. Der spricht von einer „unsichtbaren Mauer“, die Dorf und Künstlerhaus in der Vergangenheit vielfach getrennt habe. Den Plan Rupps, in der Orangerie des Schlosses ein Café für den Wochenendbetrieb zu installieren, begrüßt der 41-Jährige.

Er wisse um die Bedeutung des Künstlerhauses als Wirtschaftsfaktor für die Gemeinde, gerade mit Blick auf den Tourismus. Den möchte Norbert Baas, Vorsitzender des Freundeskreises Schloss Wiepersdorf, noch intensiver ankurbeln. Seit Jahren engagiert sich der Verein für die Belange des Hauses, betreut das Bettina-und-Achim-von-Arnim-Museum. In drei Räumen wird im Erdgeschoss auf das berühmte Schriftstellerpaar, dessen Nachfahren und die Geschichte des Hauses eingegangen.