Park Sanssouci

Das Orangerieschloss wird zum Dauerpatienten

Das Orangerieschloss im Park Sanssouci ist eine Dauerbaustelle. Nun kommt Bewegung in die Arbeiten.

Mittelbau des Orangerieschlosses im Potsdamer Park Sanssouci.

Mittelbau des Orangerieschlosses im Potsdamer Park Sanssouci.

Foto: SPSG / Elvira Kühn

Potsdam.. Das Orangerieschloss im Park Sanssouci kennt Volker Thiele nur als einen „Dauerpatienten“. Schon 2003, als der heutige Referatsleiter Hochbau bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) mit seiner Arbeit begann, habe das zwischen 1851 und 1864 auf dem Bornstedter Höhenzug im Stil der italienischen Renaissance errichtete Gebäude „tief in der Sanierung gesteckt.“ Und das hat sich bis heute nicht geändert. Immerhin: Bis 2030 sollen nun Dach und Fassade des gesamten Baus umfassend saniert werden. „Auch um die seit 2014 eingelagerten Schmuckamphoren endlich wieder auf der Dachbalustrade platzieren zu können“, sagt Thiele.

22 Millionen Euro stehen für Arbeiten bereit

Mehr als 22 Millionen Euro stehen für die Arbeiten zur Verfügung – Mittel aus dem vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg mit insgesamt 400 Millionen Euro ausgestatteten Sonderinvestitionsprogramm. Drei Bauabschnitte sind geplant. „Noch stehen wir ganz am Anfang, sind in diesem und dem nächsten Jahr ausschließlich mit den Planungen und europaweiten Ausschreibungen beschäftigt“, erläutert Stiftungsprojektleiterin Jana Giesa. Heißt: Diverse Gutachter – ob für den Holzschutz oder die Statik des Dachstuhls – werden in den nächsten Monaten die vorhandene Substanz prüfen und dafür Wände, Decken und Böden in Teilen öffnen. „Alles Schritt für Schritt, damit wir nicht plötzlich auf einem riesigen Schlachtfeld sitzen“, beschreibt Thiele das systematische Vorgehen.

Das Konzept – speziell für die Fassadenerneuerung – sehe allerdings nicht vor, den imposanten Prachtbau exakt wie zu Zeiten von Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) wiederherzustellen. Als der Italien-Liebhaber seine „Neue Orangerie“ skizzierte, hatte er konkrete Vorstellungen von seinem Sehnsuchtsort. Umsetzen ließ er seine Ideen von preußischen Baumeistern wie August Stüler und Ludwig Ferdinand Hesse. „Wir streben eher einen Zustand an, der sich dem Original annähert“, sagt Thiele.

Schon neun Million Euro in Sanierung geflossen

Statt der ursprünglich gelb leuchtenden Fassade bleibe beispielsweise die aktuelle Patinierung der Ziegelflächen durchaus sichtbar. Der Grund dafür habe bislang auch am mangelnden Geld gelegen. „Wir konnten in den vergangenen Jahren immer nur Abschnitt für Abschnitt in Schuss bringen und wollten daher keine extremen optischen Kontraste erzeugen“, sagt Thiele.

Erneuert wurde bereits einiges: Zwischen 2008 und 2018 flossen schon neun Millionen Euro im Rahmen des ersten Sonderinvestitionsprogramms. „Der Mittelbau mit den beiden Türmen und die Turmgalerien wurden saniert. Der Südost-Pavillon wurde instandgesetzt, die Dachstuhl-Konstruktionen des großen Hauptdachs und beide Zeltdach-Konstruktionen der Türme ertüchtigt, der Mittelbau mit Kupferblech, die Türme mit Zinkblech eingedeckt, die Dachbalustrade auf der Nordseite restauriert“, zählt Thiele auf. Auch eine moderne Blitzschutzanlage habe man installiert und „wegen des häufiger auftretenden Starkregens die Traufbereiche mit doppelt abgedichteten innenliegenden Regenrinnen versehen“.

Schimmel und Schwamm: Witterung setzte Schloss schwer zu

Die Witterung habe dem Orangerieschloss in der Vergangenheit reichlich zugesetzt, Türen und Fenster faulen, den Putz bröckeln lassen, für Schwamm im Haus gesorgt. Der, so hofft allerdings Thiele, sei bei der letzten Sanierung gestoppt worden. „Aber wir rechnen trotzdem mit dem Schlimmsten.“ Weswegen er auf die langjährigen Nutzer der östlichen Pflanzenhalle und des Nordost-Pavillons besonders gut zu sprechen ist: Zwischen 1949 und 2010 hatte das Brandenburgische Landeshauptarchiv zahlreiche seiner Akten hier gelagert. „Das war eine schöne trockene Nutzung und kam dem Gebäude sehr zu pass“, schwärmt Thiele.

Wo sich einst die Ordner und Papiere der Archivare türmten, reihen sich mittlerweile meterhohe Originalskulpturen vom Neuen Palais. Die müssen wegen der geplanten Bauarbeiten an Decke, Boden und der Reparatur der originalen Luftkanalheizung und der in den 1930er-Jahren eingebauten Schwerkraftheizung bis spätestens 2025 weichen und ins noch zu bauende Skulpturendepot nahe des Potsdamer Hauptbahnhofs umziehen.

Nicht nur deshalb: Westliche wie östliche Pflanzenhalle, die im Winter knapp 1000 exotische kälteempfindliche Kübelpflanzen beherbergen, sollen künftig weitaus häufiger für Veranstaltungen genutzt werden. Moderne Technik werde daher denkmalgerecht integriert, kündigt Giesa an. „Im Erdgeschoss des Nordost-Pavillons wird zudem ein Servicezentrum für die Besucher entstehen.“

In der ehemaligen Schlossküche werde ein Cateringbereich eingerichtet, die leerstehenden Büroräume würden zu Toiletten umgebaut, Garderobe und Info-Tresen aufgestellt. „Der derzeitige Aufwand bei Veranstaltungen ist groß, Toilettencontainer müssen im Garten aufgebaut, Rettungswege aufgeschlossen, barrierefreie Rampen aufgestellt und für mobile Beleuchtung gesorgt werden“, sagt Giesa. Das sei bisher ein nicht unwesentlicher Hemmschuh bei der Vermietung dieses außergewöhnlichen Veranstaltungsortes.