Wildschweinplage

Frankfurt (Oder) macht Jagd auf Wildschweine im Stadtgebiet

Wildschweine sind in Frankfurt (Oder) unterwegs. Nach Beschwerden geht die Verwaltung jetzt gegen sie vor.

Wildschweine dringen in die Städte vor und richten dort große Schäden an.

Wildschweine dringen in die Städte vor und richten dort große Schäden an.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Frankfurt (Oder).  Sie kommen in der Abenddämmerung. Dann sind Wildschweine auf Ziegenwerder unterwegs. Die Insel zwischen Alter und Neuer Oder gehört zum Stadtgebiet von Frankfurt (Oder). Die Tiere tauchen auch auf dem Spielplatz neben dem Inselbiergarten auf, den Michael Katzke betreibt. „Wildschweine sind ein Problem, schon seit geraumer Zeit“, sagt der Gastronom. Wenn er abends seinen Hund ausführt, bleibt schon mal ein Schwarzkittel stehen und schaut herüber. Auch Radfahrer und Fußgänger im Park auf Ziegenwerder begegnen den Tieren.

„Sie wühlen die Wiesen um, das sieht man deutlich“, sagt Michael Katzke. Weil sich die Beschwerden und Hinweise aus der Bevölkerung häuften, hat die Stadtverwaltung entschieden, dass die Wildschweine auf Ziegenwerder gejagt werden sollen.

Beauftragter Jäger benötigt eine Ausnahmegenehmigung

Auftraggeber ist das Amt für Ordnung und Sicherheit. Die Verwaltung hat am Dienstag offiziell darüber informiert. Der beauftragte Jäger sei im Besitz einer Ausnahmegenehmigung, heißt es in der Mitteilung, „und er informiert die Polizei über den beabsichtigten Einsatz“. Die Jagd im Stadtgebiet bleibe eine Ausnahme, so die Behörde. Der Jäger achte dabei besonders auf die Sicherheit von Anwohnern und Passanten. „Natürlich steht dabei die Gesundheit und Unversehrtheit der Menschen an erster Stelle.“

Die Stadtverwaltung habe diese Mitteilung herausgegeben, „nachdem es vor einigen Tagen zu Irritationen wegen eines hörbaren Schusses auf der Insel Ziegenwerder kam“, sagte Pressesprecher Uwe Meier. Auch auf den Oderwiesen, in der Nähe von Kleingärten, seien Wildschweine gesichtet worden, berichtete Meier. Es gebe in Frankfurt/Oder mehrere beauftragte Jäger, „die mit permanenter Genehmigung in begründeten Ausnahmefällen Wildschweine abschießen dürfen.“ Dies geschehe in enger Abstimmung mit der Polizei und mit betroffenen Grundstücksbesitzern.

Getötete Tiere Jagdbeute des Jägers

Die geschossenen Tiere seien reguläre „Jagdbeute“ des beauftragten Jägers. Informationen, dass die Zahl der Wildschweine zugenommen hat, liegen der Stadtverwaltung Frankfurt an der Oder nicht vor. Das Problem sei vielmehr, so der Pressesprecher, dass bei einigen Tieren die natürliche Scheu vor dem Menschen offenkundig abgenommen habe, „verbunden mit den Verlockungen durch Obst- und Gemüseanbau, insbesondere in Kleingartenanlagen“. Das städtische Ordnungsamt hat mehrere Meldungen über Schäden bekommen, die die Tiere angerichtet haben.

Potsdam hat auch Probleme mit Wildschweinen

Auch in Potsdam gibt es Probleme mit dem Borstenvieh. Aber bislang ist keine Ausnahmegenehmigung für die Jagd auf Wildschweine in der Stadt erteilt worden. Die Situation sei auch nicht so schlimm, dass dies erforderlich sei, sagte Pressesprecher Jan Brunzlow auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Es gibt immer wieder Probleme mit Wildschweinen in Gebieten am Stadtrand oder dort, wo viel Grün ist. Die Anwohner ärgert das sehr.“ Doch im Stadtgebiet dürfte nicht geschossen werden. „Wir müssen uns andere Möglichkeiten überlegen, wie wir die Tiere verjagen.“

Bogenjagd in Kleinmachnow und Stahnsdorf gescheitert

Andere Gemeinden im Land Brandenburg wollen Wildschweine ebenfalls bekämpfen. In Stahnsdorf und Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) sollte die Jagd mit Pfeil und Bogen erprobt werden, doch das Pilotprojekt scheiterte im ersten Halbjahr 2019. Weil die Bogenjagd in Deutschland nicht erlaubt ist, war eine Ausnahmegenehmigung beantragt worden. Die Oberste Jagdbehörde im Agrar- und Umweltministerium lehnte jedoch ab. Der Grund: Das Projekt sollte von einer wissenschaftlichen Einrichtung begleitet werden, die Fragen des Tierschutzes und der Gefährdung untersucht, und feststellt, ob die Bogenjagd eine öffentliche Akzeptanz erfährt. Diese wissenschaftliche Begleitung wurde ausgeschrieben. Doch es habe kein Zuschlag erteilt werden können, teilte das Ministerium Anfang Juni mit.

Hintergrund des Pilotprojekts war die Wildschweinplage in Stahnsdorf und Kleinmachnow, „die bereits zu Sachschäden und immer wieder zu Ängsten bei Bewohnern in beiden Gemeinden geführt hat.“ „Fachleute der Wildökologischen Forschungsstelle Eberswalde würden mit örtlichen Jägern und Kommunalpolitikern prüfen, wie die seit Jahren wachsende Wildschweinpopulation in Siedlungsbereichen wirksamer reduziert werden kann, so ein Sprecher des Ministeriums.

Einsatz von Jagdwaffen mit Schalldämpfer im Gespräch

Diskutiert werden sollen Vorschläge, Jagdwaffen mit modifizierter Munition und Schalldämpfer einzusetzen. Es gebe ein Schwarzwildproblem im Umland von Berlin, sagt Matthias Schannwell, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes. „Mit der Jagd allein wird man dieses Problem nicht in den Griff bekommen.“ Wichtig sei der Umgang mit Lebensmittelabfällen und mit Komposthaufen und die Umzäunung von Grundstücken und Sportanlagen. „Da muss man umdenken.“ Er selbst wohne in einem Ort, der auch betroffen sei, so Schannwell, und habe sein Grundstück „schweinedicht“ einzäunen müssen. „Anders wäre ich des Problems nicht Herr geworden.“ Er habe so genannte Doppelstabmatten verwendet und die Zaunpfeiler einbetoniert. Es gebe auch die Möglichkeit, Wildschweine zu vergrämen, etwa mit Hundehaaren, die an exponierten Stellen abgebunden werden. „Das funktioniert aber nur wenige Tage, dann gewöhnen sich die Schweine daran.“ Im urbanen Raum seien sie Gerüche gewohnt. „Sie bekommen schnell mit, dass ihnen in den Ortschaften keine Gefahr droht.“