Umstrittenes Bauprojekt

Turm der Garnisonkirche wird deutlich teurer

Für das umstrittene Wiederaufbauprojekt werden nun 40 Millionen Euro benötigt. Die Finanzierungslücke beträgt zwölf Millionen Euro.

Der Turm, wie er vor der Beschädigung im Zweiten Weltkrieg und Sprengung im Jahr 1968 ausgesehen hat.

Der Turm, wie er vor der Beschädigung im Zweiten Weltkrieg und Sprengung im Jahr 1968 ausgesehen hat.

Foto: Fotoarchiv Thomas Gade / akg

Potsdam. Der Wiederaufbau des Potsdamer Garnisonkirchturms wird erheblich mehr kosten als bislang erwartet. Die Deckungslücke bei der Finanzierung sei trotz einer neuen Großspende von 500.000 Euro von zehn auf zwölf Millionen Euro gestiegen, sagte Peter Leinemann vom Vorstand der Garnisonkirchenstiftung dem Evangelischen Pressedienst. Damit bestätigte er einen Bericht der „Potsdamer Neuesten Nachrichten“. Grund dafür sei unter anderem die bundesweit gute Wirtschaftslage, die wiederum steigende Baukosten nach sich ziehe. Die Gesamtkosten lägen nun voraussichtlich bei 40 Millionen Euro. Zuletzt war von mehr als zehn Millionen Euro weniger die Rede.

Mit der Fertigstellung des fast 90 Meter hohen Turms werde dennoch Mitte 2022 gerechnet, so Leinemann weiter. Zwar läuft die 2013 erteilte Baugenehmigung Ende dieses Monats ab, weshalb der Turm nach brandenburgischem Baurecht bis Mitte 2021 hätte fertiggestellt werden müssen. Allerdings war im Frühjahr 2018 eine zweite Baugenehmigung beantragt worden. Diese liegt laut Leinemann seit Januar vor.

Spender von 500.000 Euro will anonym bleiben

Für den Garnisonkirchturm werden zwölf Millionen Euro Bundesmittel zur Verfügung gestellt. Davon seien inzwischen vier Millionen Euro ausgegeben worden, sagte Leinemann. Fünf Millionen Euro kommen aus Krediten der evangelischen Kirche. Für die Planungen wurden rund zwei Millionen Euro aus früherem DDR-Parteivermögen eingesetzt. Weitere Mittel stammen aus Spenden und von Sponsoren. Wer die Garnisonkirchenstiftung zuletzt mit einer halben Million Euro bedachte, wird nicht verraten. Der neue Großspender wolle anonym bleiben, sagte Leinemann. Er komme aus der Region Berlin-Brandenburg, jedoch nicht aus Potsdam.

Der Grundstein für den Kirchturm wurde 2005 gelegt. Da zunächst kein Geld vorhanden war, verzögerten sich die weiteren Bauarbeiten. Erst dank mehrerer Großspenden, unter anderem von Fernsehmoderator Günther Jauch, konnte es ab Herbst 2017 weitergehen. Um die Standfestigkeit des alleinstehenden Turms zu sichern, mussten 38 Pfähle 38 Meter tief in den Boden gerammt werden. Seit Februar wird tatsächlich auch der Turm wieder aufgebaut. In Höhe von 57 Metern ist eine Aussichtsplattform geplant. Wie beim Original sollen 2,3 Millionen Ziegel verwendet werden.

Die historische Garnisonkirche war zwischen 1730 und 1735 nach Plänen des Architekten Philipp Gerlach errichtet worden und gilt noch heute als sein Hauptwerk. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gotteshaus durch englische Bomben schwer beschädigt. Im Frühjahr 1968 ließ die DDR-Führung die Ruine sprengen.

Kontroverse Diskussionen über Wiederaufbau

Seit Jahren wird kontrovers über den Wiederaufbau diskutiert. Die Pläne sind wegen der Rolle der Barockkirche als preußische Militärkirche, insbesondere aber wegen ihrer Bedeutung im Nationalsozialismus umstritten. Die Garnisonkirche wurde am 21. März 1933, dem sogenannten „Tag von Potsdam“, zur Inszenierung der Reichstagseröffnung benutzt. Dort sei mit dem Handschlag zwischen Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg „das verheerende Bündnis zwischen konservativem Bürgertum, preußischem Militär und Nazi-Führung mit kirchlichem Zeremoniell besiegelt“ worden, wie es in einer Erklärung der Initiative „Christen brauchen keine Garnisonkirche“ heißt.

Mehrere Gruppen wenden sich seit Jahren gegen die Pläne. Zuletzt hatte die Martin-Niemöller-Stiftung auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund eine Resolution gegen den Wiederaufbau des Kirchturms eingebracht. Angesichts des erstarkenden Rechtspopulismus sei die erneute Errichtung „genau das falsche Zeichen“, hieß es dort. Die Resolution bekam jedoch nicht genügend Stimmen für eine Verabschiedung.

Turm soll Begegnungszentrum werden

Die evangelische Kirche will den neuen Turm für Friedens- und Versöhnungsarbeit nutzen. Die inhaltliche Ausrichtung wird von einem wissenschaftlichen Beirat bestimmt. Zum Beiratsvorsitzenden wurde im vergangenen Jahr der renommierte Berliner Historiker Paul Nolte gewählt. Er wolle die Widersprüchlichkeit des Ortes in die Arbeit des künftigen Begegnungszentrums aufnehmen, sagte er bei Amtsantritt. Der Kirchturm soll nach seiner Fertigstellung nicht nur für christliche Veranstaltungen genutzt werden, sondern nach dem Willen des Stiftungskuratoriums zu einem „Erinnerungs- und Lernort“ werden.

Auf dem Gelände des ehemaligen Kirchenschiffs befindet sich das zu DDR-Zeiten gebaute ehemalige Rechenzentrum. Es wird derzeit von Künstlern genutzt. Die Stiftung sagte ihnen zuletzt zu, bis 2023 bleiben zu können. Für den Wiederaufbau des Kirchenschiffs gibt es jedoch keine Pläne.