Gesperrtes Freibad

Munitionssuche: Ordnungsamt räumt Badesee bei 39 Grad

Ausflügler mussten Wiese neben dem Strandbad Wandlitzsee verlassen. Das Bad ist in den Ferien wegen einer Bombensuche geschlossen.

Ein Sommer ohne Badespaß: Das Strandbad Wandlitzsee eröffnet frühestens im August.

Ein Sommer ohne Badespaß: Das Strandbad Wandlitzsee eröffnet frühestens im August.

Foto: Caro / Teschner

andlitz. WSchon die Anreise in überfüllten Zügen gestaltete sich beschwerlich. Schwitzende Menschenmassen zwängten sich am Sonntag in die Züge der Heidekrautbahn, um der Rekordhitze in Berlin zu entkommen. Längst nicht jedem gelang es, Fahrräder, Kinderwagen und schwer bepackte Rucksäcke im überfüllten Zugabteil unterzubringen. Das Ziel der Ausflügler: Abkühlung finden in den Badeseen des Barnim am wohl heißesten Junitag in der Region seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Besonders beliebt und aus dem Norden Berlins schnell erreichbar: das Freibad am Wandlitzsee.

Bad ist bis August geschlossen - trotz 3000 Gästen am TAg

Dort angelangt, machte sich bei den mehreren Hundert Ausflüglern aber Enttäuschung breit. Denn das Bad ist bis August geschlossen, obwohl man in dieser Zeit des Jahres 3000 Gäste am Tag erwartet. Mitten in der Hochsaison haben hier Kampfmittel-Experten des Landes Brandenburg die Suche nach Kriegsmunition anberaumt. Fast 100 Kilogramm Hand- und Gewehrgranaten, Patronen und Munitionsteile hat der Räumdienst in diesem Frühjahr bereits im See geborgen. Ein 2600 Quadratmeter großer Abschnitt des Gewässers wurde dafür monatelang systematisch abgesucht. Es sei angesichts der Munitionsbelastung ein Wunder, dass Badenden noch nichts Schlimmes passiert sei, sagt die Bürgermeister von Wandlitz, Jana Radant (parteilos). 20 alte Granaten wurden vom Räumdienst bereits direkt im Wasser gesprengt. Ihre Zünder waren so marode, dass den Experten eine Räumung zu gefährlich schien.

Inzwischen sind weite Teile des Ufers bereinigt – nur das Stück am Strandbad nicht. Dort hatte ein Hobbytaucher im August 2018 Munition am Grund des Sees entdeckt. Seit März wird dieses Stück nun ebenfalls beräumt – eher habe man aus Wettergründen nicht beginnen können, heißt es von der Gemeinde Wandlitz. Auch in den Sommerferien können die Spezialisten keine Entwarnung geben – zum Leidwesen der Badegäste. Sie stehen auch an den heißesten Tagen des Jahres vor geschlossenen Kassen. Dass die Badeanstalt verweist ist, hat sich in Berlin noch kaum herumgesprochen.

Da sich das Thermometer am Sonntagnachmittag der 39-Grad-Marke näherte, wollte am Sonntag keiner der Ausflügler die Heimreise antreten. Stattdessen besetzen die ausgesperrten Badegäste eine schmale Wiese direkt neben dem Freibadgelände, die von einem einfachen Bauzaun geschützt wird, und kühlten sich dort im Wasser ab. Aber laut Ilka Paulikat, der Leiterin des Ordnungsamts Wandlitz, ist auch dieser Teil des Ufers südlich vom Strandbad von der Munitionssuche betroffen. „Dort besteht Lebensgefahr“, warnt sie vor dem Betreten der Wiese. „Der Worst Chase wäre, dass ein Kind mit einer Granate in Berührung kommt.“

Bei der Gemeinde sieht man ein Risiko, das die Seebesucher am Sonntag unterschätzten. Von den kleinen Warnschildern ließ sich jedenfalls niemand schrecken. Schließlich wurde es am Ufer so voll, dass einige Jugendliche auswichen und um die Absperrung herum ins geschlossene Freibad schwammen.

Ordnungsamt lässt gesamtes Ufer räumen

Kurz darauf war der Badespaß dann zu Ende. Eine Streife des Ordnungsamts Wandlitz, offenbar alarmiert durch Passanten, ließ das gesamte Ufer gegen 17.30 Uhr räumen. Baden sei weder im Strandbad noch auf der umzäunten Wiese gestattet, hieß es. Auf Überredungsversuche ließ sich das Ordnungsamt nicht ein – auch angesichts der extremen Wetterverhältnisse wollte man keine Ausnahme machen. Bei 39 Grad im Schatten setzte sich der Tross mit quengelnden Kindern wieder in Bewegung Richtung Bahnhof. Ein Vater ließ seinem Ärger freien Lauf und rief: „Jahrelang haben Menschen hier gebadet. Und die Munition liegt hier seit dem Ende Kriegs.“ Es sei unsinnig, das Freibad ausgerechnet in diesem Hitzesommer zu sperren – „und man kann doch gar nicht kontrollieren, ob jemand an diesem See in den falschen Abschnitten ins Wasser steigt.“

"Ihr spielt mit dem Leben eurer Kinder"

Ein Passant hielt dagegen und warf den Ausflüglern Leichtsinn vor. „Ihr spielt mit dem Leben eurer Kinder“, sagte der Mann mit Blick auf die Gefahr durch Granaten im See. Wie ernst die Gemeinde Wandlitz die Gefahr nimmt, zeigt sich am Restaurant „Alla Fontana“ neben dem Strandbad. Hier wird die gesamte Front zu See von einem Berg aus Strohballen verdeckt. Wenn eine Granate detoniert, sollen die Tischgäste auf der Terrasse und im Lokal vor umherfliegenden Teilen sicher sein. „Wir haben deswegen weniger Gäste als in normalen Sommern“, beklagt einer der Restaurantmitarbeiter. „Es ist leider vorgeschrieben, dass wir die Strohballen vor den Fenstern stehen lassen müssen. Das macht uns das Geschäft kaputt.“ Und so ruhen die Hoffnungen von Gastronomen und Badegästen in Wandlitz auf einem Altweibersommer, der für die „Bombenstimmung“ in diesen Ferien entschädigt.