Brandenburg

Nah an den Elch heran in der Uckermark

Eigentlich sind die 800 Kilo schweren Tiere scheu. Wer dennoch nah an sie heran möchte, ist in Kleptow in der Uckermark richtig.

Züchter Thomas Golz mit Elchbulle Juri. Auf der Farm in Kleptow leben 120 Elche, Bisons und Wapitis.

Züchter Thomas Golz mit Elchbulle Juri. Auf der Farm in Kleptow leben 120 Elche, Bisons und Wapitis.

Foto: Patrick Pleul / ZB

Schenkenberg. Thomas Golz zuckelt im offenen Wagen über das 40 Hektar große Gelände seines Wildgeheges im Schenkenberger Ortsteil Kleptow (Uckermark). „Juri!, Jette!“, ruft er mehrfach mit lauter Stimme durch die weitläufigen Gehege. Und tatsächlich nähert sich kurz darauf ein ein Jahr altes Elchmädchen gemächlichen Schrittes. Doch statt zum Wagen steuert es lieber einen Wassergraben an, um zu baden. Anders als der gleichaltrige Juri, der mit unverhohlener Neugier die Menschen im Auto beschnuppert und sich streicheln lässt.

„Die beiden haben wir mit der Flasche aufgezogen, deshalb haben die keine Scheu“, erklärt Golz, während er mit dem jungen Elchbullen schmust. Der 52-jährige Landwirt kennt sich aus mit der weltweit größten Hirschart. Er züchtet sie seit Jahren. „Ich bin ein Schwedenfan, wäre nach dem Mauerfall gern dorthin gezogen, aber meine Frau spielte nicht mit. Also musste ich Schweden zu uns holen“, erzählt er. Zunächst hatte er eine Wildfleischproduktion mit einer Dammwildherde aufbauen wollen. Später holte er Rentiere dazu. Zudem spezialisierte Golz sich auf Tiertransporte.

Golz zog zwei verwaiste Elche mit der Flasche auf

Dann kamen die Elche. Vor 16 Jahren hatten belgische Interessenten ein Elch-Pärchen bei Freunden von Golz in Lappland bestellt. „Die Auftraggeber konnten letztlich nicht zahlen, also blieben die Tiere bei mir“ erinnert sich der Uckermärker, der zwei Jahre später zwei Elch-Waisenkinder aus dem Rostocker Zoo mit der Flasche aufzog. Er begann zu züchten und ließ die Wildfleischproduktion sein. „Die rentiert sich nur bei Massentierhaltung und das wollte ich nicht.“

120 Tiere leben in seiner Elch- und Rentierfarm, daneben auch amerikanische Wapitis und Bisons sowie europäisches Rotwild. Thomas Golz züchtet und beliefert Tierparks, Zoos sowie Wildgehege in ganz Europa und übernimmt für diese auch Transporte, wie er erzählt.

„Golz ist tatsächlich ein Fachmann in Sachen Elchzucht. Er macht das mit Herz und seine Elche sind den Umgang mit Menschen gewöhnt“, bestätigt Imke Heyter, Chefin des Wildparkes Schorfheide (Barnim). Auch bei ihr leben Elche in weiträumigen Gehegen. Die bekommen Besucher allerdings nur mit etwas Glück zu sehen, meist in gehörigem Abstand, versteckt hinter Bäumen oder Gebüsch. In Kleptow hingegen dürfen Gäste der Elch- und Rentierfarm ganz nah ran an die imposanten Tiere, zumindest drei Monate im Jahr. „Wir sind ein Landwirtschaftsbetrieb und kein Zoo“, stellt Golz klar. Bisons vermehrten sich „quasi von allein“, die Zucht bei Elchen und Rentieren sei hingegen nicht so einfach. Zuchtbücher müssen geführt, Tiere nach strengen Kriterien ausgewählt werden, um Inzuchten zu vermeiden.

In Brandenburg werden immer wieder wilde Elche gesichtet

Rund 3000 Besucher kommen jedes Jahr zwischen Juni und Anfang September zur Elch- und Rentierfarm nach Kleptow. Nicht alle sieben Elche der Herde sind so zutraulich wie Jette und Juri. Der sieben Jahre alte Zuchtbulle Fabian hält sich lieber im Hintergrund. Mit seinen 800 Kilogramm schwer und seinem mächtigen Schaufelgeweih macht das Tier auch so mächtig Eindruck. Golz würde es begrüßen, wenn die einst in Deutschland ausgerottete Tierart hier wieder heimisch würde. Doch der Elch-Fan bleibt realistisch. „Die sanften Riesen haben durch die dichte Besiedlung und die vielen Straßen bei uns kaum eine Chance.“

Tatsächlich wurden in Brandenburg in den vergangenen fünf Jahren immer mehr Elche gesichtet. Allein in diesem Jahr seien schon vier gesehen worden, sagt Kornelia Dobiás, Leiterin der Forschungsstelle Wildökologie im Landesbetrieb Forst. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass mehr Tiere aus Polen zu uns wandern und dass jeder gesichtete Elch ein großes Medienecho erzeugt“, sagt die Wissenschaftlerin. Nach ihren Angaben leben Elche wieder in der Mark. Es gebe bisher aber keinen Nachweis, dass die imposanten Tiere in Brandenburg eine eigene Population aufgebaut hätten oder sich vermehren würden. „Wir gehen davon aus, dass drei bis fünf Tiere durchs Land streifen, sich hier eine gewisse Zeit aufhalten und dann weiter wandern“, sagt Dobiás. Drei Tiere starben nach ihren Angaben seit 2012 bei Unfällen auf Brandenburger Straßen.