Polen

Kulturzug Berlin-Breslau wird im vierten Jahr fortgesetzt

Die Landesregierung stellt jetzt 60.000 Euro aus Lottomitteln für die Fortführung des erfolgreichen Projekts bereit.

Musiker aus Sorau (Zary) begrüßen den Kulturzug aus Berlin auf dem Weg nach Breslau.

Musiker aus Sorau (Zary) begrüßen den Kulturzug aus Berlin auf dem Weg nach Breslau.

Foto: Thomas Fülling

Potsdam. Eigentlich sollte der Kulturzug zwischen Berlin und Breslau (Wrocław) nur ein paar Monate fahren. Doch nun geht das Gemeinschaftsprojekt der Länder Berlin und Brandenburg sowie der Deutschen Bahn bereits in das vierte Arbeitsjahr. Für gerade einmal 19 Euro pro Einzelticket (ermäßigt 9,50 Euro) können Deutsche oder Polen sich an den Wochenenden sowie an Feiertagen auf den Weg machen, die Nachbarn am jeweils anderen Ufer der Oder besser kennenzulernen. Das Besondere: Bereits während der rund viereinhalbstündigen Fahrt können die Reisenden Kunst und Kultur ganz unmittelbar erleben.

Die brandenburgische Landesregierung fördert das mehrfach ausgezeichnete Projekt jetzt mit weiteren 60.000 Euro aus Lottomitteln. Die Mittel für das Programm „Kulturzug Vernetzt Europa Erfahrbar“ werden über die Deutsch-Polnische Gesellschaft Berlin zur Verfügung gestellt, teilte das Infrastrukturministerium am Mittwoch in Potsdam mit. Mit dem Geld sollen unter anderem mehrsprachige Kulturassistenten und Auftritte von Künstlern und Wissenschaftlern in dem Zug finanziert werden.

Es sei erfreulich, dass die Fortführung des Kulturprogramms auch in diesem Jahr gesichert werden könne, erklärte Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD). Der Kulturzug ist seit April 2016 zwischen Berlin, Cottbus und Wrocław, dem früheren deutschen Breslau, unterwegs. Das Projekt, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, begeistere die Menschen, betonte Ministerin Schneider.

Wroclaw wird 2016 eine von zwei EU-Kulturhauptstädten

Die Idee vom Kulturzug entstand bereits 2015. Damals überlegten die Vertreter von Berlin und Brandenburg, mit welchem Beitrag sie die Stadtväter von Wrocław unterstützen können. Die 640.000 Einwohner zählende Stadt in Niederschlesien war von der EU neben dem spanischen San Sebastián zu einer der beiden Kulturhauptstädte im Jahr 2016 ausgewählt worden. Wrocław bereitete aus diesem Anlass ein umfangreiches Kulturprogramm vor, zu dem die Verantwortlichen Menschen aus ganz Europa einluden.

Das Problem: Ausgerechnet für die Bewohner des Nachbarlandes Deutschland schien eine Nutzung der vielfältigen Angebote in Wrocław nicht gerade einfach zu sein. So hatte die Deutsche Bahn 2014 mit dem Eurocity „Wawel“ die letzte Direktzugverbindung nach Wrocław wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.

Politiker aus Berlin und Brandenburg setzten sich damals dafür ein, zumindest für die Kulturhauptstadt-Zeit Deutschen und Polen wieder eine direkte Bahnverbindung zwischen Berlin und Wroclaw anzubieten. Und es sollte dann nicht einfach irgendein Zug fahren, sondern es sollte ein ganz besonderes Angebot sein. Die Idee vom Kulturzug war geboren. Die Deutsche Bahn organisiert seither das Zugangebot gemeinsam mit der Niederschlesischen Eisenbahn Koleje Dolnośląskie.

Die Resonanz war bereits überwältigend. Teilweise musste die Bahn zusätzlich Busse einsetzen, weil die aus bis zu drei Diesel-Triebwagen bestehenden Züge nicht alle wartenden Fahrgäste mitnehmen konnten. Das große Interesse der Menschen in Deutschland und Polen sorgte dafür, dass das Projekt inzwischen bereits mehrfach verlängert wurde.

Der Kulturzug verkehrt jeweils an den Wochenenden, an ausgewählten Feiertagen und seit Ende 2018 auch freitags zwischen Berlin, Cottbus und Wrocław mit weiteren Halten in Forst, Zary, Zagan und Legnica. Im Zug wird ein Kulturprogramm mit Auftritten von Künstlern und Wissenschaftlern angeboten, es gibt dort auch eine mobile Bibliothek. Das Programm wird von mehrsprachigen Kulturassistenten begleitet.

Auf 60 Kilometern fehlt die Elektrifizierung

Zwei Probleme stehen einem dauerhaften Betrieb der Bahnstrecke nach Breslau bislang im Wege. Zum einen gibt es einen 60 Kilometer langen Abschnitt, der noch immer nicht elektrifiziert ist. Zum anderen ist ein wichtiger Abschnitt nur eingleisig befahrbar. Beides verhindert eine Verkürzung der relativ langen Reisezeit von fast fünf Stunden.

Ab kommenden Jahr sollen auch ganz regulär wieder Fernzüge zwischen Berlin und Wrocław geben. Das ist eines der Ergebnisse eines Anfang Mai veranstalteten deutsch-polnischen Bahngipfels. Die Züge werden allerdings nicht über Cottbus, sondern über Frankfurt (Oder) Reppen (Rzepin) und Grünberg (Zielona Gora) nach Breslau fahren. Polen hat diese Strecke in den letzten Jahren aufwändig saniert. Seit Ende 2018 gibt es zudem einen Nachtzug Berlin–Breslau–Krakau–Przemysl, gemeinsam organisiert von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der polnischen Staatsbahn PKP.

Der „Kulturzug“ soll bis Ende 2020 weiterfahren. „Er hat dann seine Mission erfüllt – nachzuweisen, dass es ein großes Interesse an dieser Verbindung gibt“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD).