Landwirtschaft

So wollen Bio-Aktionäre den Bio-Bauern helfen

Die Regionalwert AG Berlin-Brandenburg will in die brandenburgische Landwirtschaft investieren.

Investition in Gemüse: Aufsichtsratschefin Katharina Reuter und Vorstand Jochen Fritz stellen ihr Unternehmen in Berlin vor.

Investition in Gemüse: Aufsichtsratschefin Katharina Reuter und Vorstand Jochen Fritz stellen ihr Unternehmen in Berlin vor.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin/Potsdam. Schwindende Infrastruktur, Monokulturen, Bienensterben, fehlender Nachwuchs – die Probleme der Landwirtschaft in Brandenburg sind vielfältig. Die Regionalwert AG Berlin-Brandenburg will den Schwierigkeiten etwas entgegensetzen – mit Aktien. Wer gezielt regionale und biologische Landwirtschaft fördern will, kann jetzt Aktien zeichnen. Am 6. Mai fiel der Startschuss für die Aktienausgabe, bei der bis Ende September Anteile im Wert von 1,5 Millionen Euro ausgegeben werden.

Am Dienstag informierten Aufsichtsratschefin Katharina Reuter und Vorstand Jochen Fritz über ihr Konzept: Die Aktionäre tätigen eine Investition in die biologische Landwirtschaft, indem sich die Regionalwert AG mit dem Kapital bei landwirtschaftlichen Betrieben beteiligt – so der Grundgedanke des Unternehmens. Erwerben kann man die Aktien über die Umweltfinanz AG für 1,05 Euro, ab 500 Aktien ist man dabei. Um zu verhindern, dass große Investoren einsteigen, ist die Summe mit 9750 Euro gedeckelt.

Die Idee einer Regionalwert AG ist nicht neu, 2006 gründete sich die erste derartige AG bei Freiburg, inzwischen sind drei weitere in Deutschland entstanden. Jetzt kommt mit der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg die erste in den östlichen Bundesländern hinzu.

Die Rendite steht bei der Anlage nicht im Mittelpunkt

Von einer klassischen Aktiengesellschaft unterscheidet sich die Regionalwert AG: Als Bürgeraktiengesellschaft will sie über die Beteiligung Investitionen in Betriebe der Region realisieren, eine größtmögliche Rendite steht nicht im Mittelpunkt.

„Die Anbindung der Menschen an die Natur und an die Landwirtschaft ist verloren gegangen“, sagte Katharina Reuter, Aufsichtsratsvorsitzende der Regionalwert Aktiengesellschaft Berlin-Brandenburg.

Für sie als gebürtige Berlinerin und Wahlbrandenburgerin mit Wohnsitz in Hohen Neuendorf sei der ökologische Landbau eine Herzensangelegenheit. In der Metropolregion Berlin-Brandenburg sei die Versorgung mit guten Lebensmitteln ein wichtiges Thema, für die Menschen die hier leben, genauso wie für die Gastronomie, die inzwischen verstärkt auf regionale Produkte setze. Viele Menschen seien bereit, für biologisch, regional und transparent produzierte Lebensmittel mehr auszugeben, daran möchte man anknüpfen. Dafür strebe die Regionalwert AG eine enge Zusammenarbeit mit Landwirten, Lebensmittelhandwerk, Handel und Gastronomie an.

Es gelten drei Grundprinzipien bei der Förderung

Jochen Fritz, Vorstand der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg und Landwirt aus Werder, kennt die Probleme junger Bauern in Brandenburg aus eigener Erfahrung. Sie hätten es schwer, an Boden und Kapital zu kommen. Genau hier wolle die Regionalwert AG unter anderem ansetzen: Neben Betrieben möchte die Aktiengesellschaft in die Infrastruktur investieren, zum Beispiel in regionale Schlachthöfe, Bäckereien, Käsereien oder Mühlen.

Drei Grundprinzipien seien bei der Förderung wichtig, die in den Betrieben umgesetzt werden müssen: Ökonomie, Ökologie und Soziales. So verpflichteten sich die Betriebe, Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen, Bildungsarbeit zu leisten und regelmäßig über ihre Arbeit zu berichten. Neben finanziellen Investitionen will die Regionalwert AG landwirtschaftliche Betriebe auch bei Entwicklung und Absatz unterstützen.

Über die Zusammenarbeit mit den Betrieben sagt Fritz: „Am Ende sitzen wir dann im selben Boot, das gilt bei Gewinn wie bei Verlust.“ Die Regionalwert AG hat im vergangenen Jahr bereits gute Erfahrungen gesammelt, bei der ersten, nicht öffentlich beworbenen Aktienausgabe waren nach Angaben des Unternehmens die Aktien im Wert von 100.000 Euro schnell vergriffen.

Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger schätzt den Vorstoß der Regionalwert AG als grundsätzlich unterstützenswert ein, betont aber, dass es sich hier für Anleger nicht um wirtschaftliches Engagement handele. Er sagt: „Diese Aktien kauft man, um Gutes zu tun – was begrüßenswert ist – aber nicht, um gezielt Geld anzulegen.“ Die Aktien würden nicht an der Börse gehandelt, so dass ein schneller Verkauf nicht gesichert sei. Eine Dividende sei gar nicht vorgesehen. Der Experte schätzt die Anlage eher als „Spende für einen guten Zweck“ ein.