Kriminalität

Polizei will in Potsdam mehr Präsenz zeigen

Vor allem Diebstähle und Gewalttaten haben rund um den Potsdamer Hauptbahnhof und die benachbarte Freundschaftsinsel zugenommen.

Am Potsdamer Hauptbahnhof und der benachbarten Freundschaftsinsel kam es zuletzt verstärkt zu gewalttätigen Vorfällen.

Am Potsdamer Hauptbahnhof und der benachbarten Freundschaftsinsel kam es zuletzt verstärkt zu gewalttätigen Vorfällen.

Foto: Bildagentur-online/Joko / picture alliance

Potsdam. Ein junger Betrunkener, der rechtsradikale Parolen schreit, die ihn kontrollierenden Polizisten bespuckt und beleidigt. Ein Unbekannter, der einen Obdachlosen tritt und ins Gesicht schlägt. Zwei Jugendliche, die einem
16-Jährigen das Handy stehlen. Zwei alkoholisierte Deutsche, die sich prügeln, bis einer bewusstlos zu Boden geht.

Das sind nur einige der Vorfälle, die sich in den vergangenen Wochen im und rund um den Potsdamer Hauptbahnhof abgespielt haben. Das Brandenburger Innenministerium, Polizei und Stadt sind sich einig: Der Hauptbahnhof und die benachbarte Freundschaftsinsel hätten sich zum Kriminalitätsbrennpunkt entwickelt. Das bestätigten die Zahlen des Polizeiauskunftssystems „Polas“. Im Vorjahr registrierte die Polizei im videoüberwachten Bereich des Bahnhofs 367 Straftaten, 2014 waren es noch 127.

Polizei hat 2018 insgesamt 1417 Straftaten aufgenommen. 2014 waren es noch 1146

Speziell Rohheitsdelikte und Diebstähle haben dabei sprunghaft zugenommen. Die gleiche Tendenz spiegele sich auch im angrenzenden Bahnhofsbereich wider, stellt Brandenburgs Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke fest. Insgesamt 1146 Straftaten habe die Polizei 2014 hier aufgenommen, 2018 waren es schon 1417.

Im Vergleich zu Brennpunkten in Großstädten wie Berlin sei die Zahl der Straftaten zwar noch überschaubar. Dennoch wollen Stadt und Sicherheitsbehörden nun verstärkt mobilmachen gegen Dealer, Gewalttäter und Diebe.

Mörke hat die Sicherheitslage vor Ort zur Chefsache erklärt: „Wir dulden es nicht, dass der Potsdamer Hauptbahnhof und sein Umfeld von einigen wenigen als Tummelplatz für ihr kriminelles Treiben missbraucht werden.“ Am Dienstag stellte er gemeinsam mit Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) einen Maßnahmenkatalog vor. Der setzt vor allem auf mehr Präsenz.

Gemischte Streifen aus Polizei und Ordnungsamt sollen verstärkt kontrollieren

Gute Erfahrungen habe man mit diesem Vorgehen bereits in Cottbus gemacht. „Mindestens zwei Doppelstreifen in Uniform als auch in Zivil sollen in den Schwerpunktzeiten von Dienstag bis Sonnabend in den Nachmittags- und Abendstunden am Bahnhof unterwegs sein“, erklärt Mörke. Unterstützend käme hier die Bereitschaftspolizei – ebenfalls in zivil oder uniformiert – hinzu.

Gemischte Streifen aus Polizei und Ordnungsamt sollen zudem primär das Einhalten des Jugendschutzes im Bahnhof wie auch auf der Freundschaftsinsel kontrollieren. Betrunkene Minderjährige hatten hier in jüngster Zeit immer wieder für Aufregung gesorgt. Die Dienstzeiten der Ordnungsamtsmitarbeiter seien entsprechend flexibler gestaltet worden, erklärt Oberbürgermeister Schubert.

Kunst auf der Freundschaftsinsel wurde mehrfach mutwillig beschädigt

Auch auf der Freundschaftsinsel soll der Wachschutz verstärkt werden. Mehrfach sei dort die Kunst im öffentlichen Raum mutwillig beschädigt worden. Nicht nur Vandalen suchen die Insel vermehrt heim. Drogenhändler hätten das Bahnhofareal, das täglich bis zu 70.000 Menschen passierten, und die versteckten Inselecken für sich entdeckt, erklärt Mörke.

Ins Visier der Ermittler sind auch Banden gerückt – aus Süd- und Osteuropa ebenso wie aus Deutschland. Mörke schließt den Einsatz einer Hundertschaft nicht aus, die bei einer Razzia gegen die Dealer die Freundschaftsinsel abriegeln und durchkämmen könnte.

Auch immer mehr Fahrräder werden rund um den Bahnhof gestohlen

Deutlich gestiegen ist auch die Zahl der Fahrraddiebstähle. Im von der Videokamera überwachten Bereich schlugen Raddiebe vor fünf Jahren 88 Mal zu, 2018 schon 226 Mal. Regelmäßig angebotene kostenlose Fahrradcodierungen sollen dem vorbeugen, hofft Mörke.

Rathaus-Chef Schubert ist derweil mit dem Centermanagement der Bahnhofspassagen im Gespräch, um Abstell- und Anschließmöglichkeiten für Fahrräder im Außenbereich zu verbessern. „Das aktuelle Wirrwarr an Rädern lädt zum Klau ein“, sagt Schubert. Besitzern teurer Modelle legt er zudem das kostenpflichtige Fahrrad-Parkhaus ans Herz.

Aufnahmen der Videoüberwachung werden länger gespeichert

Um das Herumlungern – das laut Hausordnung verboten ist – zu unterbinden, wurden im Eingangsbereich des Centers die Sitzgruppen entfernt. Auch die Zeiten, in denen Kunden kostenlos Wlan nutzen können, wurden reduziert. Zwischen 20 und 5 Uhr ist es ausgeschaltet.

Bessere Ermittlungsergebnisse verspricht sich Polizeipräsident Mörke durch das im April geänderte brandenburgische Polizeigesetz. „Statt 48 Stunden werden die Aufnahmen der Videoüberwachung jetzt zwei Wochen gespeichert.“ Die intensiven Kontrollen sollen mindestens ein Jahr lang beibehalten werden. „Auf jeden Fall so lange, bis das Problem entschärft ist“, so Mörke.