Übernachtungen

Hotels und private Anbieter buhlen um Touristen

Internetportale bieten Touristen immer mehr privaten Wohnraum an. In ländlichen Gebieten profitiert der Fremdenverkehr davon.

Besucherziel Spreewald: Im vergangenen Jahr gab es in Brandenburg 1,3 Prozent mehr Gäste und 1,8 Prozent mehr Übernachtungen als 2017.

Besucherziel Spreewald: Im vergangenen Jahr gab es in Brandenburg 1,3 Prozent mehr Gäste und 1,8 Prozent mehr Übernachtungen als 2017.

Foto: dpa Picture-Alliance / Lisa Ducret / picture alliance/dpa

Potsdam. Immer mehr Internetportale bieten Touristen die kurzfristige Vermietung von Wohnraum an. Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg e.V. (Dehoga Brandenburg) blickt mit Argwohn auf die Konkurrenz zur klassischen Hotellerie, die immer stärker auf den Markt drängt. Die Vermittlung von privaten Zimmern und Ferienwohnungen an Touristen hat laut dem Wirtschaftsministerium der Brandenburger Hotellerie aber finanziell nicht geschadet.

Zwar werde vermutet, dass einige Angebote vor allem den preiswerten Hotels und Pensionen Konkurrenz machten, teilte das Ministerium auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion mit. Konkrete Verdrängungseffekte für Brandenburg ließen sich aber nicht feststellen. In strukturschwachen Regionen des Landes könne die Vermittlung von privaten Ferienunterkünften Lücken im Beherbergungsangebot schließen.

Mehr für Gastronomie und Kultur ausgegeben

Laut Ministerium nahm die Zahl der Hotelleriebetriebe Ende 2018 im Vergleich zum Vorjahresstand um 1,2 Prozent zu. Im vergangenen Jahr gab es 1,3 Prozent mehr Gäste und 1,8 Prozent mehr Übernachtungen als 2017.

In der Antwort wird auf eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung verwiesen, nach der Gäste in Deutschland, die Privatunterkünfte über das Internetportal Airbnb buchten, 2016 im Schnitt täglich 50 Euro mehr für Gastronomie, Lebensmittel, Kultur, Transport und weitere Güter und Dienstleistungen ausgaben als andere Übernachtungsreisende. Das nütze der Wirtschaft des Landes.

Olaf Lücke, Geschäftsführer des Dehoga Brandenburg, sieht die Situation nicht ganz so positiv. Die Lage in Brandenburg sei zwar noch lange nicht vergleichbar mit der in Berlin, doch gerade deswegen müsse man jetzt handeln, bevor es zu spät sei, so Lücke.

Dehoga Brandenburg verlangt strenge Regeln für Anbieter

Vor allem in Potsdam könne man bereits eine deutliche Zunahme von Angeboten der privaten Wohnraumvermietung, wie der Plattform Airbnb, feststellen. „Es muss Gleichberechtigung geben zwischen diesen Anbietern und den Hotels, Pensionen und der Gastronomie“, sagt Lücke. „Auch die müssen sich an die gleichen Regeln halten wie wir. Das bedeutet konkret, die gleichen Steuern zahlen und die gleichen Auflagen erfüllen, was zum Beispiel die Themen Brandschutz und Hygiene angeht.“ Gemeint seien die Anbieter, die gewerblich tätig sind und mehrere Wohnungen anbieten.

Außerdem spricht sich Lücke für eine Registrierungspflicht von Anbietern aus, wie sie bereits in Berlin besteht. Durch diese Registrierung soll wegen des Mangels an Wohnraum sichergestellt werden, dass Wohnungen nicht durch Dauervermietung an Geschäftsleute oder Urlauber zweckentfremdet werden. Anfang 2017 wurden in Brandenburg nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 1300 Unterkünfte auf Airbnb angeboten, darunter 900 Wohnungen.

Zweckentfremdungsverbot soll Abhilfe schaffen

Zumindest, was Potsdam betrifft, kommt auch eine Umfrage des Brandenburger Verkehrsministeriums, die unter allen Gemeinden des Landes mit angespanntem Wohnungsmarkt durchgeführt wurde, zu einer ähnlichen Einschätzung wie der Dehoga: In der Landeshauptstadt gebe es ein Problem mit der Zweckentfremdung von Wohnraum. Mitte 2018 hatte die Stadt die Zahl der als Ferienwohnungen zweckentfremdeten Mietwohnungen auf 130 bis 200 geschätzt.

Wegen der angespannten Wohnungsmärkte in etlichen Gemeinden sehe die Landesregierung die private Vermittlung von Wohnraum zur Fremdenbeherbergung allerdings kritisch, heißt es weiter in der Antwort des Wirtschaftsministeriums an die CDU. Daher sei im Januar ein Zweckentfremdungsverbotsgesetz auf den Weg gebracht worden, mit dem die Gemeinden entscheiden könnten, ob sie die ungenehmigte Nutzung von Wohnungen für Feriengäste verbieten wollen.

In Berlin halten sich viele Anbieter nicht an die Registrierpflicht

Bauministerin Kathrin Schneider sagte: „Wir wollen erreichen, dass Wohnungen auch zum Wohnen zur Verfügung stehen und nicht anderweitig genutzt werden. Wichtig ist das insbesondere in Kommunen mit einer angespannten Marktlage. Mit dem Erlass einer entsprechenden Satzung können die Kommunen Wohnraum sichern und der Verknappung des Angebots vorbeugen.“ Das Gesetz, das noch vom Landtag beschlossen werden muss, sehe aber kein landesweites Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum vor.

In Berlin müssen seit Mai 2018 Einwohner, die Wohnungen oder Zimmer zeitweise an Feriengäste vermieten, bei ihrem Bezirksamt eine individuelle Registriernummer einholen. Wer die gesamte Wohnung anbietet, braucht zudem eine behördliche Genehmigung. Da sich viele Anbieter jedoch nicht an die Regeln halten, haben Senat und mehrere Bezirke das Internetportal Airbnb aufgefordert, Daten über private Anbieter solcher Unterkünfte herauszugeben, die sich nicht bei den Behörden registrieren lassen. (mit dpa)