Trockenheit

So wappnet sich Brandenburg jetzt gegen Waldbrände

Schon im Frühjahr standen Brandenburgs Wälder 84 Mal in Flammen. Und die Waldbrandgefahr bleibt.

Einer von 84 Waldbränden: Mitte April war die Feuerwehr in Groß Kreutz im Einsatz.

Einer von 84 Waldbränden: Mitte April war die Feuerwehr in Groß Kreutz im Einsatz.

Foto: Julian Stähle / dpa

Potsdam -. Nach einem Unfall Ölspuren auf der Fahrbahn entfernen oder verrammelte Türen öffnen – geht es nach Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD), dann sind das keine Aufgaben mehr für die Feuerwehr. Deren Einsatzkräfte sollen sich künftig auf ihre Kernkompetenz konzentrieren: Brände löschen. Denn laut Prognose der Meteorologen steht Brandenburg erneut eine „schwierige Waldbrandsaison“ bevor. Innenminister Schröter stellte am Freitag ein Maßnahmenpaket vor, wie sich die Feuerwehr für das, so der Minister, „komplizierte Waldbrandjahr“ aufstellen soll.

Hochsommerliche Temperaturen im Frühling und kaum Niederschlag begünstigten die Gefahrenlage. In der Mehrheit der märkischen Landkreise gelte aktuell Waldbrandstufe 5. „Das bedeutet absolutes Befahrungsverbot“, mahnt Schröter. Wer nicht unbedingt in den Wald müsse, solle ihm momentan lieber fern bleiben. Seit Jahresanfang hat es bereits 84 Mal in Brandenburgs Wäldern gebrannt, vor allem im Süden des Bundeslandes. In Sachen Brandbekämpfung sieht der Minister das Land allerdings gut aufgestellt, vor allem die Früherkennung funktioniere sehr gut. Trotzdem gelte es, die richtigen Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre zu ziehen.

Im Sommer 2018 brannten die Wälder 512 Mal

Der Feuersommer 2018 hat seine Spuren hinterlassen. 512 Waldbrände wüteten im Vorjahr auf 1674 Hektar Fläche. In vier Fällen wurden jeweils mehr als 100 Hektar Wald vernichtet. Speziell das Großfeuer in Treuenbrietzen und Fichtenwalde habe tausende freiwillige Helfer, die Bundeswehr und die Bundespolizei tagelang in Atem gehalten.

80 Prozent der Kosten für den Einsatz von Hubschraubern und Löschpanzer habe das Land den betroffenen Kreisen und Gemeinden erstattet. Auf fast 1,7 Millionen Euro beläuft sich das Gesamtvolumen der Unterstützung. Knapp 1,3 Millionen Euro gehen an den Landkreis Potsdam-Mittelmark, mehr als 340.000 Euro an den Landkreis Dahme-Spreewald, in dem weite Teile der Lieberoser Heide in Flammen standen.

Um auch in Zukunft auf die hohe Waldbrandgefahr vorbereitet zu sein, soll die Landesfeuerwehrschule neben Eisenhüttenstadt einen zweiten einen zweiten Ausbildungsstandort in Wünsdorf in Betrieb nehmen. „Hier sollen speziell Führungskräfte zum Thema Waldbrandbekämpfung geschult werden.“

Bis 500 Euro Belohnung für Freiwillige

Bundesweit Vorreiter sei Brandenburg bereits mit dem jüngst verabschiedeten Helfergesetz. Gekoppelt an 40 Einsatzstunden, die auch Übungs- und Ausbildungszeiten umfassen, erhalten freiwillige Helfer im Katastrophenschutz eine jährliche pauschale Aufwandsentschädigung von 200 Euro. Belohnt mit bis zu 500 Euro wird zudem, wer langjährig bei der Freiwilligen Feuerwehr dabei ist.

Knapp 39.000 Mitglieder sind bei den Freiwilligen Feuerwehren in Brandenburg aktiv. Allerdings werden es laut Schröter jährlich 900 weniger. Dem will der Innenminister mit einem neuen Bildungsprogramm begegnen. Mit Beginn des Schuljahres 2019/20 soll in der Sekundarstufe 1 das Wahlpflichtfach Brandschutz/Feuerwehr eingeführt werden. „Gerade eher praktisch orientierte Kinder können hier gewonnen werden. Wenn nur 20 Prozent dieser Schüler bei der Feuerwehr bleiben, haben wir viel erreicht“, sagt der Innenminister.

Innenminister: „Kommunen müssen Gefährdung entgegenwirken“

Um die Kommunen im Kampf gegen Waldbrände besser zu unterstützen, hat das Innenministerium rückwirkend zum 1. Januar 2019 eine neue Richtlinie in Kraft gesetzt. Eine finanzielle Unterstützung gibt es zum Beispiel, wenn Kommunen moderne technische Komponenten zur Brandbekämpfung anschaffen. „Dazu gehören Systeme zur Wasserversorgung über lange Strecken oder Drohnen mit Wärmebildsensoren.“ Gefördert werde ebenfalls das geländegängige Einsatzfahrzeug TLF 5000 vom Typ Brandenburg. An die 20 Fahrzeuge dieses Typs seien derzeit in der Mark unterwegs. „Zu wenig“, befindet Schröter. Die Kosten für den TLF können allerdings je nach Ausstattung mit bis zu 500.000 Euro zu Buche schlagen. „Jede Kommune, jedes Amt und jede Stadt hat sich bei einer besonderen Brandlast so aufzustellen, dass sie einer Gefährdung entgegenwirken kann.“ Nicht jede Kommune habe da schon alle Hausaufgaben gemacht.

Zehn-Punkte gegen die Waldbrandgefahr

Als Reaktion auf die extreme Waldbrandsituation 2018 hat auch das Agrar- und Umweltministerium einen Zehn-Punkte-Plan zur Vorsorge erarbeitet. So soll das Früherkennungssystem „Fire Watch“ modernisiert und von zwei Waldbrandzentralen aus gelenkt werden. Der Standort Wünsdorf werde derzeit bezogen, der in Eberswalde soll 2020 folgen. 4,2 Millionen Euro investiert das Ministerium in das Vorhaben. Zusätzlich 36 Stellen sollen in den Oberförstereien geschaffen werden. 18 Jobs sind davon für Waldarbeiter gedacht, die in den zwei Fire-Watch-Zentralen Dienst tun. Für die restlichen 16 werden Förster gesucht. Die Ausschreibungen laufen.

„Diese Kräfte sollen verstärkt die mehr als 100.000 privaten Brandenburger Waldbesitzer in punkto Waldbrandbekämpfung beraten“, sagt Umweltstaatssekretärin Carolin Schilde. Private und kommunale Waldbesitzer, Brandschutzmaßnahmen durchführen, können laut Schilde im Rahmen des angepassten Waldschutzplanes gefördert werden. Geld fließe etwa, wenn Löschwasserentnahmestellen angelegt werden, Wald mit Laubholzbaumarten umgebaut oder Areale nach Waldbrand und Sturm aufgeforstet werden. Fünf Millionen Euro habe ihr Ministerium dafür in diesem Jahr für den Waldumbau in den Haushalt eingestellt, sieben Millionen Euro für die Waldbrandvorsorge.