Landwirtschaft

Trockenheit bereitet Brandenburgs Bauern Probleme

Fehlt weiterhin der Regen, könnte das wie im vergangenen Jahr gravierende Folgen für die Ernte haben.

Staubwolken: Den Böden in Brandenburg sind derzeit noch trockener als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Im Winter fiel zu wenig Niederschlag.

Staubwolken: Den Böden in Brandenburg sind derzeit noch trockener als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Im Winter fiel zu wenig Niederschlag.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Potsdam. Die einen freuen sich über die jetzt schon sommerlichen Temperaturen, doch die Landwirte in Brandenburg machen sich angesichts der anhaltenden Trockenheit Sorgen um die diesjährige Ernte. „Wir haben seit vier Wochen keinen Regen, bei uns sieht es wie in einer Wüste aus“, sagte ein Sprecher der Agrofarm in Hammer-Liebenthal (Oberhavel).

„Wir hoffen sehnlichst auf Regen, der entscheidende Monat ist für uns der Mai“, meinte der Sprecher des Landesbauernverbandes, Tino Erstling.

Wenn es weiter so trocken bleibe, werde das Getreide kaum Ähren ausbilden. Zudem sei der Boden noch vom vergangenen Jahr ausgetrocknet. Durch einen Winter mit mangelndem Schnee habe er kaum Feuchtigkeit speichern können. Das vergangene Erntejahr sei für viele Landwirte existenzbedrohend gewesen, sagte Erstling. Nicht wenige hätten Dürrehilfe beantragt. Die Ernteverluste betrugen zwischen 30 und 80 Prozent, je nach Kultur und Standort.

Äpfel mit Trockenschäden sind unverkäuflich

Auch den Obstbauern fehlt der Regen. Etwa 90 Prozent der Obstanlagen in Brandenburg seien zwar zu bewässern, die Kosten dafür kletterten aber in die Höhe, sagte der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, Andreas Jende. Vor allem die etwa 50 Brandenburger Apfelbetriebe mit insgesamt 900 Hektar Anbaufläche brauchen Regen. Hohe Sonneneinstrahlung und Trockenheit könnten zu Brandschäden an den Äpfeln führen, erklärte Jende. Geschmacklich gebe es zwar keine Abstriche, die Früchte würden aber so nicht vom Einzelhandel abgenommen.

Die Spargelbauern sind dagegen momentan zufrieden mit dem Wetter. Bei Temperaturen um die 20 Grad habe der Spargel optimale Wachstumsbedingungen, sagte Jürgen Jakobs, Vorsitzender des Vereins Beelitzer Spargel. Ganz ohne Regen gehe es allerdings auch nicht. Wenn der Spargel zu wenig Feuchtigkeit bekomme, werde er zu dünn und lasse sich schlechter verkaufen, sagte Jakobs.

Dünne Spargelstangen sind Folge des Wetters im Vorjahr

Harald Heinrich vom Spargelhof am Storchennest im Beelitzer Ortsteil Rieben kann für dieses Jahr noch gar keine Aussage treffen. Das Problem der dünneren Spargelstangen in diesem Jahr sei nämlich das Ergebnis des Hitzesommers 2018. Denn je mehr Kohlenhydrate die grünen oberirdischen Pflanzenteile im Sommer mithilfe der Photosynthese produzieren und einlagern können, umso kräftiger werden die Stangen im kommenden Jahr. Bei zu hohen Temperaturen würden die Pflanzen aber einen Selbstschutz aktivieren. Auch sei eine künstliche Bewässerung nicht mit einem ordentlichen Regen gleichzusetzen. „Da ist die Luftfeuchtigkeit ganz anders“, weiß Heinrich.

Für die Gurken im Spreewald, deren Anpflanzung gerade begonnen hat, ist das wiederum unproblematisch: Die warmen Bedingungen seien für die Gurke gut, die Trockenheit mache ihr nichts aus, denn sie werde tröpfchengenau bewässert, sagte Christoph Knösels von Knösels Gemüse-Erzeugung GmbH in Kasel-Golzig (Dahme-Spreewald).

Höchste Waldbrand-Warnstufe in fünf Landkreisen

Unterdessen hat die Gefahr von Waldbränden im Südosten Brandenburgs wieder zugenommen, wie eine Auflistung des Umweltministeriums zeigt: In den Landkreisen Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Oder-Spree und Spree-Neiße sowie in Cottbus und Frankfurt (Oder) galt am Donnerstag die höchste Stufe fünf. In allen anderen Kreisen sowie in Potsdam und Brandenburg/Havel war die zweithöchste Stufe aktiv.

Deshalb fordert der Landesfeuerwehrverband, dass es einfacher werden sollte, Löschhubschrauber einzusetzen. Bei den Bränden im vergangenen Jahr habe man Hilfe von der Bundeswehr und vom Bundesgrenzschutz bekommen, sagte der Verbandspräsident Werner-Siegwart Schippel. „Es gibt aber noch zu viele Verwaltungswege, wir wollen einfachere Verfahren für schnelle Hilfe mit Löschhubschraubern.“

Die Brandenburger Feuerwehren haben keine eigenen Hubschrauber. In der Lausitz gibt es laut Schippel Bemühungen, Löschflugzeuge zu bekommen. Die Wasserflächen dafür seien durch die Bergbauseen vorhanden. Für diese Überlegungen gebe es aber noch keine abschließende Meinung des Deutschen Feuerwehrverbandes.

Mehr Geld für Berliner Grünanlagen gefordert

Die anhaltende Trockenheit bleibt auch nicht ohne Folgen für Berliner Grünanlagen. Konkrete Maßnahmen zum Schutz fordert Turgut Altug, Sprecher für Naturschutz der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus zum „Tag des Baumes“ am 25. April: Es solle mehr Gelder für die Sanierung von Grünanlagen in den Bezirken und für die Einstellung von Parkmanagern und Naturrangern bereitstehen. „Bei den anstehenden Haushaltsberatungen setzen wir uns für die Stärkung der bezirklichen Grünflächenämter ein und wollen das Pflegebudget pro Berliner Baum verdoppeln: von 40 auf 80 Euro. Außerdem haben wir bereits im letzten Jahr in der Fraktion beschlossen, dass Berlin einen Sommerdienst bekommen soll, der notleidende Bäume, Sträucher und Pflanzen vor der Hitze rettet“, so Altug.

Der entscheidende Monat ist für uns der Mai
Tino Ernstling, Sprecher des Landesbauernverbandes