Trockenheit

Trockenheit führt zu Sandwüste rund 30 Kilometer vor Berlin

Trockenheit sorgt für hohe Waldbrandgefahr und schwächt schon jetzt die Natur. 30 Kilometer vor Berlin gibt es eine Sandwüste.

Ein Feld in Hammer bei Liebenwalde (Kreis Oberhavel). Sandsturm behindert die Sicht auf der Landstraße 167 bei Liebenwalde.

Ein Feld in Hammer bei Liebenwalde (Kreis Oberhavel). Sandsturm behindert die Sicht auf der Landstraße 167 bei Liebenwalde.

Foto: Uta Keseling

Berlin. In Hammer bei Liebenwalde, rund 30 Kilometer nördlich von Berlin, sind infolge der Trockenheit einige brachliegende Felder mittlerweile völlig verödet, ähneln einer Sandwüste. Das wird auch für Autofahrer potenziell zur Gefahr. Der Wind wirbelt den Sand auf und trägt ihn durch die Luft über die Landstraße 167. Sand kann eine erhebliche Sichtbehinderung darstellen. Im Jahr 2011 kam es auf der Autobahn A19 zwischen Rostock und Güstrow sogar zu einer Massenkarambolage mit acht Toten und 131 Verletzten, nachdem Autofahrer geradezu in eine in der Luft liegende Sandwand gefahren waren und ihnen jegliche Sicht fehlte. Ein schwerer Sturm hatte Sand von angrenzenden Feldern auf die Autobahn geweht.

Video: Trockenheit in Brandenburg: Sandwüste bei Liebenwalde

Nach Ansicht des Naturexperten der Berliner Umweltverwaltung, Derk Ehlert, liegt die Sandsturmgefahr vor allem an der land- und waldwirtschaftlichen Monokultur im Land. Durch den hohen Anteil an Kiefernwäldern trockne der Boden leichter aus. Auch die herabfallenden Nadeln vertrockneten. Laub dagegen halte die Feuchtigkeit länger im Boden und führe zu weniger Verwehungen. Brandenburg bemüht sich deshalb seit Jahren, die Wälder im Land aufzuforsten. In den kommenden Jahren will es 500 Millionen Euro aufwenden, um aus den Kiefernwäldern, die es vor allem in Brandenburg gibt, robuste Mischwälder zu machen.

Landwirte beantragen Dürrehilfen

In Brandenburg haben im vergangenen Jahr 675 von etwa 5000 Landwirten Dürrehilfen beantragt. Dabei machten sie einen dürrebedingten Schaden in Höhe von 86 Millionen Euro geltend. Das Land hat aber nur 48 Millionen in Aussicht gestellt. In diesem Jahr könnte es noch schlimmer kommen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt unterdessen vor den Folgen eines neuerlichen Dürresommers. Besonders betroffen davon wären voraussichtlich die östlichen Bundesländer und Berlin. Schon jetzt ist es nach Angaben der Meteorologen in vielen Regionen Deutschlands eindeutig zu trocken.

In Berlin besteht wegen des anhaltend trockenen Wetters ein erhebliches Waldbrandrisiko. Die Umweltverwaltung appelliert deshalb an alle Berliner, das Rauch- und Grillverbot im Wald und in dessen Nähe unbedingt zu beachten.

In der Nacht zu Mittwoch ist in einem Waldstück in Köpenick wegen der Trockenheit ein Feuer ausgebrochen. Auf einer Fläche von rund 300 Quadratmetern ging Unterholz in Flammen auf, wie ein Sprecher der Feuerwehr sagte. Am Tag zuvor war trockenes Gestrüpp auf dem ehemaligen Güterbahnhof in Schöneberg in Brand geraten. Davor waren bereits 200 Quadratmeter Wald ebenfalls in Köpenick und in der Nähe des Strandbads Wannsee 600 Quadratmeter Wald Flammen zum Opfer gefallen.

Hohe Bußgelder drohen

Ein größerer Waldbrand in Brandenburg ereignete sich in der Nacht zu Dienstag. 4,5 Hektar Fläche seien bei Spremberg (Landkreis Spree-Neiße) betroffen gewesen, sagte der Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel. Das Feuer sei kurz vor Mitternacht gemeldet worden und in den frühen Morgenstunden gelöscht gewesen. Wegen der extremen Trockenheit gelte nun in allen Landkreisen die höchste Waldbrandstufe 5.

Da der Wind im Lauf des Mittwochs abschwächte, senkte die Waldbrandschutzzentrale des Landes die Waldbrandgefahr allerdings vorübergehend ab. Jedoch kam es in einem Waldstück zwischen Premnitz und Mögelin (Havelland) in der Nacht zu Mittwoch zu einem Brand auf zehn Hektar Fläche. Die Brandursache sei derzeit noch unbekannt, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Seit Gründonnerstag haben die Brandenburger Feuerwehren nach Angaben der Waldbrandschutzzentrale drei große und 40 kleinere Brände gelöscht. Brandenburg gilt als das am stärksten durch Waldbrand gefährdete Bundesland in Deutschland.

Wer in diesen Tagen im Wald raucht, muss mit einem Bußgeld von mindestens 100 Euro rechnen. Das Landeswaldgesetz sieht für Verstöße gegen das Rauch- und Feuerverbot sogar Bußgelder bis zu einer Höhe von 50.000 Euro vor.

Berliner Wald „in kritischer Situation“

Nach Angaben des Baumexperten der Berliner Umweltverwaltung, Derk Ehlert, führt die Trockenheit dazu, dass die Pflanzen in der Stadt derzeit in ihrem Zustand verharren und die Blätter erst halb ausgefaltet sind. „Sollte es am Wochenende, wie vorhergesagt, regnen, wird die Stadt explosionsartig grün werden“, prophezeite Ehlert am Mittwoch. Die Natur leide derzeit unter dem Wetter wie im vergangenen Jahr erst Ende Mai. Derzeit befinde sich der Berliner Wald in einer kritischen Situation. „Die Lage ist aber nicht so brenzlig wie in den Kiefernwäldern Brandenburgs“, sagte Ehlert. Da Berlin über einen höheren Anteil an Mischwald verfüge, sei der Boden noch nicht so ausgetrocknet wie im Nachbarland. „Regnen muss es trotzdem“, so Ehlert, damit die Böden nachhaltig gewässert werden. Auch an den Flüssen Havel und Spree verzeichnen demnach die Experten noch angemessene Wasserstände.

Auf eine mögliche Trockenperiode in diesem Jahr seien die Berliner Wasserbetriebe gut vorbereitet, sagte der Vorstandschef Jörg Simon am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz. Nach dem Winter seien die Grundwasserspeicher gut gefüllt. Für die Versorgung spielen die unterirdischen Wasserreserven aber ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. 70 Prozent des Trinkwassers gewinnen die Wasserbetriebe aus der Havel und der Spree. Mit dem Land Brandenburg gebe es ein Abkommen, dass pro Sekunde acht Kubikmeter Wasser über die Spree geliefert werden. „Dadurch können die notwendigen Staumengen für Berlin erreicht werden“, so Simon.

Bürger sollen gießen helfen

Wegen der anhaltenden Trockenheit hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg seine Bürger aufgerufen, beim Gießen von Straßenbäumen und jungem Grün mitzuhelfen. Junge Bäume benötigten etwa zwei mal in der Woche 30 Liter Wasser, rät Baum-Experte Ehlert.

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes wäre ein weiterer Dürresommer höchst problematisch. Zu Beginn der Vegetationsperiode seien die Böden in vielen Regionen deutlich trockener als im vieljährigen Durchschnitt – und sogar trockener als im April des vergangenen Jahres. Diese Wasserspeicher seien in diesem Jahr wegen des vorigen Dürrejahres „weit weniger gut gefüllt“, sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch.

Das Jahr 2018 hatte Wetterrekorde gebrochen: Es war das wärmste je gemessene Jahr in Deutschland. Im Schnitt lag die Temperatur bei 10,4 Grad – mehr wurden seit Beginn der Aufzeichnungen nicht gemessen. Zudem war es das sonnigste Jahr der bekannten Wetter-Geschichte.

Im August 2018 hatte sich südwestlich von Berlin bei Treuenbrietzen ein riesiger Waldbrand ereignet. Die Rauchschwaden zogen auch in die Hauptstadt und verrauchten ganze Straßenzüge. Viele Berliner riefen damals die Feuerwehr, weil sie von einem schweren Brand in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ausgingen. Die Feuerwehr riet damals Berlinern, Türen und Fenster geschlossen zu halten.