Start-up

Popcorn nach Falkenseer Rezept für Europa

Nina Quade produziert im Havelland Popcorn mit Kokos, Ingwer oder Rosmarin – und verkauft es im Onlinehandel in ganz Europa.

Nina Quade verkauft in ihrem Falkenseer Laden ungewöhnliche Popcorn-Kreationen.

Nina Quade verkauft in ihrem Falkenseer Laden ungewöhnliche Popcorn-Kreationen.

Foto: Katrin Starke / BM

Falkensee. Ein zarter Duft von Karamell zieht aus der Manufaktur in den Verkaufsraum. Nina Quade schüttet frisches Popcorn aus einem stählernen Kessel in eine Plastikschüssel. Ein paar Schäufelchen ihres Erdnuss-Karamell-Popcorns füllt sie in den Wärmer auf dem Tresen, damit die Kunden ihre neueste Kreation „Peanut Butter Caramel“ probieren können. 16 verschiedene Sorten Popcorn produziert die 46-Jährige in ihrer „Popcorn Bakery“ in Falkensee.

Vor einem Dreivierteljahr hat sie die neuen Räume an der Ecke Freimuthstraße und Bahnhofstraße bezogen, eine Popcorn-Bäckerei mit angeschlossenem Ladengeschäft. Da kommt Nina Quade mit Kunden ins Gespräch, fragt, was ihnen am besten schmeckt – und wie sie sich ein Falkenseer Popcorn vorstellen.

Die Idee: Eine „Falkenseer Mischung“ für ihr Popcorn

Die Idee, eine „Falkenseer Mischung“ auf den Markt zu bringen, spukt Quade seit Monaten im Kopf herum. Aber erst war es der Umzug an den neuen Firmenstandort, dann das Weihnachtsgeschäft, weshalb sie noch keine Zeit fand zum Experimentieren. „Ich würde gern etwas mit getrockneten Äpfeln ausprobieren“, sagt Nina Quade. Der Apfel passe gut zu einer Gartenstadt wie Falkensee mit ihren Gärten und Obstbäumen. „Aber letztlich sollen auch die Falkenseer ein Wörtchen mitreden.“

Sie selbst habe „schon immer“ gern Popcorn gegessen, erzählt Nina Quade. Doch so richtig lieben gelernt habe sie die fluffige Mais-Leckerei in Kanada, wo sie als Teenager ein paar Monate verbrachte. „Dort gab es damals schon Popcornshops, in denen die Flocken mit den wildesten Veredelungen angeboten wurden“, erinnert sie sich noch heute gern an den Schüleraustausch.

Als Teenager entwickelte sie das Familienrezept

Nach ihrer Rückkehr habe sie ihre ersten Versuche unternommen, selbst Popcorn herzustellen. „Unsere Küche sah manchmal aus wie ein Schlachtfeld“, erzählt sie und lacht. „Gemeinsam mit meiner Mutter und mit Tipps von meiner Großmutter habe ich damals unser Familienrezept ersonnen.“ Das verwendet sie für ihre Sorte „Caramel“ bis heute – „und das ist wie alle anderen Rezepte auch natürlich ein Geheimnis“.

In ihrer Manufaktur verwende sie ausschließlich Puffmais. „Der hat eine besonders dicke Schale, die erst bei Temperaturen von fast 250 Grad platzt“, erklärt die Expertin. „Da ist der Druck im Korn dann so groß, dass besonders dicke Flocken entstehen.“ Je dicker die seien, umso besser ließen sie sich in Karamell baden oder mit Schokolade umhüllen.

Vom Kostüm- zum Popcorn-Design

Dass sie sich einmal mit einer Popcorn-Bäckerei selbstständig machen würde, hätte sie sich noch vor wenigen Jahren kaum vorstellen können. Obwohl ihre Liebe zum leichten Maissnack sie stets begleitete – während ihres Industriedesignstudiums ebenso wie während ihrer Arbeit als Kostümdesignerin beim Film und als freie Fotografin.

„Und als Mutter habe ich diese Liebe wohl an meine vier Kinder weitergegeben“, sagt Nina Quade. Die bettelten immer, sie möge doch mal wieder Popcorn machen. Im Freundeskreis war ihr Snack ebenfalls heiß begehrt – und von dort kam schließlich auch die Anregung: „Du musst das Zeug verkaufen.“ Mehr aus Spaß habe sie ein Label entwickelt. Danach nahmen die Dinge ihren Lauf: 2015 mietete sie sich eine kleine Werkstatt in Falkensee, ihr Mann programmierte ihr die Website für ihren Online-Shop, die Kinder mussten als Testesser ihre Kreationen kritisch bewerten.

Nach einem Messeauftritt gingen die Verkaufszahlen durch die Decke

Ursprünglich wollte sie den Web-Shop nebenbei betreiben. Doch nachdem sie ihr Popcorn 2016 bei der Internationalen Süßwarenmesse ISM in Köln vorgestellt hatte, schossen die Verkaufszahlen durch die Decke. Längst ist Nina Quade Vollzeit-Popcorn-Bäckerin. Drei Mitarbeiter beschäftigt sie in ihrem Start-up. Feinkostläden von Oranienburg bis Stuttgart führen die Kreationen. Im Souvenir-Shop am Flughafen Tegel gibt es das Popcorn „made in Falkensee“ ebenso wie im Weinladen am Gendarmenmarkt. Wobei Quade das Gros ihres Popcorns immer noch online verkauft – an Kunden in ganz Europa. Besonders häufig liefere sie nach Österreich. Auch aus Spanien kämen regelmäßig Bestellungen, erzählt die Unternehmerin.

Mehrere tausend Liter Popcorn im Monat

Weshalb ihre Popcornmaschinen an drei Tagen in der Woche über Stunden laufen. Pro Durchgang und Maschine erzeugt sie ein Kilogramm Popcorn. Je nach Sorte entspreche das etwa 20 Ein-Liter-Tüten. Mehrere tausend Liter seien es pro Monat – von Ananas-Kokos-Popcorn über Popcorn mit Ingwer und dunkler Schokolade bis zu einer Mischung aus Karamell und Meersalz.

Mehr und mehr würden auch herzhafte Kreationen nachgefragt. Wie das zuckerfreie Kräuter-Popcorn mit Rosmarin, Petersilie, Knoblauch und Zwiebeln, das sie selbst ihr Wellness-Popcorn nennt. „Das passt zum Glas Wein oder Bier ebenso wie als Deko zum Salat.“