Insektensterben

Rettung für Insekten: Volksinitiative in Brandenburg geplant

Naturschützer in Brandenburg planen eine Volksinitiative. Ab Montag werden dafür Unterschriften gesammelt.

Auf Insekten wie den Schwalbenschwanz trifft man im Land immer seltener.

Auf Insekten wie den Schwalbenschwanz trifft man im Land immer seltener.

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / dpa

Auf die Warnung von Naturschützern, dass Wildbienen, Hummeln, Falter und Käfer weitaus seltener als noch vor einigen Jahren anzutreffen sind, haben Brandenburger Spargelbauern schon vor einem Jahr reagiert. 14 Spargelhöfe rund um Beelitz haben sich verpflichtet, insgesamt 100 Hektar Fläche für Blühstreifen zur Verfügung zu stellen. „Bislang ist das eine privat initiierte Maßnahme“, erklärt Jürgen Jakobs, Chef des Beelitzer Spargelvereins. „Wir sehen uns auch als Umweltschützer.“

Spät auf diesen Zug aufgesprungen ist jetzt Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD). Bei einem Krisentreffen zum Thema Insektensterben Ende März mit Vertretern verschiedener Verbände kündigte er an, dass konventionelle Landwirte finanzielle Hilfe für ein- und mehrjährige Blüh- und Ackerstreifen erhalten sollen, die nach der Aussaat bis zur Ernte nicht bewirtschaftet werden.

700 Euro sollen pro Hektar gezahlt werden. Mindestens sechs Millionen Euro Bundes- und Landesgeld stünden für mindestens 8500 Hektar jährlich zur Verfügung. Was Vogelsänger auch einräumte: Dass man das Sterben von Insekten möglicherweise zu lange ignoriert habe. Wolf und Biber hätten eher im Fokus gestanden.

Lebenswichtige Räume durch Versiegelung verloren

Der umweltpolitische Sprecher der CDU, Dieter Dombrowski, ist enttäuscht: Die angekündigte Finanzspritze reiche nicht, die rot-rote Landesregierung habe Jahre verschenkt. „Insektenschutz muss endlich als gemeinsame Aufgabe von uns allen verstanden werden“, sagt er und wehrt damit den Vorwurf ab, die Schuld am Insektensterben liege ausschließlich bei den Landwirten. Die zunehmende Flächenversiegelung und die Lichtverschmutzung seien ebenfalls Ursachen.

Naturschützer in Brandenburg haben nun ihre eigene Strategie entwickelt – nach bayerischem Vorbild. Mehr als 1,7 Millionen Menschen beteiligten sich dort am Volksbegehren für Artenvielfalt und besseren Schutz von Bienen. Der Naturschutzbund (Nabu) und der BUND in Brandenburg planen, eine Volksinitiative auf den Weg zu bringen.

Ab Montag werden Unterschriften gesammelt

Am Montag sollen erste Unterschriften gesammelt werden – 20.000 sind für den ersten Schritt des dreistufigen Verfahrens notwendig. Vorschlag der Verbände zum Gesetzentwurf: natürliche Lebensräume für Insekten festzulegen, den Gewässerschutz zu verbessern, indem mindestens zehn Meter des Uferstreifens als Blühstreifen angelegt werden, den Einsatz von Pestiziden zu beschränken und Überdüngung zu verhindern, die einseitige Pflanzenkulturen befördern.

„500 Millionen Euro Förderung erhalten Brandenburger Landwirte jährlich, drei Viertel davon als Flächenprämie. Pro Hektar 300 Euro – egal, was damit gemacht wird“, kritisiert Brandenburgs Nabu-Chef Friedrich Schmitz-Jersch. Das sei ein „unkontrolliertes Gießkannenprinzip“. Stattdessen wünscht er sich, dass naturschutzliche Leistungen der Bauern stärker unterstützt, Landwirte zudem in Naturschutzfragen beraten werden müssten.