Zur Gefahrenabwehr

Schulverbot für Kinder ohne Impfung in Kleinmachnow

Die Schülerin einer Waldorfschule in Kleinmachnow ist an Windpocken erkrankt. Kinder ohne Impfung dürfen die Schule nicht betreten.

Wer an einer Waldorfschule in Kleinmachnow keinen Impfschutz vorweisen kann, muss nun zuhause bleibne.

Wer an einer Waldorfschule in Kleinmachnow keinen Impfschutz vorweisen kann, muss nun zuhause bleibne.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Kleinmachnow. Alle nicht-geimpften Schüler mussten am Donnerstag eine Waldorfschule in Kleinmachnow verlassen. Das hat das Gesundheitsamt des Landkreises Potsdam-Mittelmark verfügt. Der Grund für die „Maßnahme zur Abwendung einer drohenden Gefahr“: Eine Schülerin war zuvor an Windpocken erkrankt.

Kinder, die weder eine Impfung noch Immunität durch eine frühere Erkrankung an den hochansteckenden Viren nachweisen können, dürfen die Schule nun bis Ende des Monats nicht mehr betreten.

„Wir haben erhebliche Zweifel, dass diese Maßnahme erforderlich ist“, sagte die Geschäftsführerin der Freien Waldorfschule Kleinmachnow, Katrin Falbe. Man stelle sich die Frage, ob die Behörde nicht überreagiert habe.

Wie viele der insgesamt 410 Schülerinnen und Schüler vom Schulverbot betroffen sind, konnte weder Falbe noch der Landkreis mitteilen. Allerdings sei der Schulbetrieb am Donnerstag laut der Geschäftsführerin erheblich eingeschränkt gewesen.

Überprüft wurden lediglich Schüler einschließlich der achten Jahrgangsstufe. Laut Schulleitung sei keine dieser Klassen vollständig zum Unterricht erschienen. „Wir behalten uns vor, die Anordnung rechtlich überprüfen zu lassen“, sagt Falbe.

Von der Schulleitung ebenso wie von Eltern hieß es, man habe von der Impfprüfung erst am Vorabend erfahren. Eine entsprechende Anordnung des Gesundheitsamtes ist auf Mittwoch datiert. Eine Mutter äußerte Unverständnis, viele Eltern könnten nun nicht zur Arbeit gehen. Andere hätten angesichts der kurzen Frist keinen Nachweis für die Immunität ihrer Kinder beschaffen können.

Schüler, die an Windpocken erkrankt sind, können ausgeschlossen werden

In einem Schreiben an die Schulleitung beruft sich das Gesundheitsamt auf das Infektionsschutzgesetz. Das ermöglicht es den zuständigen Behörden, „notwendige Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung übertragbarer Krankheiten“ zu treffen.

Schüler, die an Windpocken „erkrankt oder dessen verdächtig“ sind, können laut Gesetz vom Unterricht ausgeschlossen werden. Jene Schüler, die am Donnerstag nicht überprüft wurden, müssen der Anordnung zufolge einen Nachweis beim Gesundheitsamt vorlegen - ansonsten sind auch sie bis Monatsende vom Schulbesuch ausgeschlossen.

Erst in der vergangen Woche hat ein Gesundheitsamt nach einem Ausbruch von Masern in einer Waldorfschule im niedersächsischen Hildesheim mehr als 100 Schülern den Zutritt zur Schule verweigert. Am Mittwoch griffen Kinderärzte in Hannover zu einer ähnlichen Maßnahme. Eine derartiges Vorgehen bei einer Windpocken-Erkrankung ist bislang nicht bekannt geworden.

WHO zählt mangelnde Impfbereitschaft zu den größten Gesundheitsrisiken der Welt

In Deutschland gibt es keine Impfpflicht. Gesundheitsexperten warnen allerdings immer wieder vor der Gefahr sinkender Impfraten. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO zählt mangelnde Impfbereitschaft zu den größten Gesundheitsrisiken der Welt.

Welche Folgen das haben könne, zeige das Beispiel Masern: Weltweit sei die Zahl der Fälle im Jahr 2017 um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. In Deutschland schwanken die Zahlen in den letzten Jahren. 2018 hat das Robert-Koch-Institut 543 Masernfälle registriert. Im Vorjahr waren es noch 929.

2018 wurden 20.452 Fälle von Windpocken gemeldet. Bis Anfang März diesen Jahres sind alleine in Brandenburg 341 Windpocken-Infektionen bekannt.

Masern werden vor allem wegen der Gefahr eine Hirnhautentzündung als gefährlich eingestuft. In einem von 10.000 Fällen sterben laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Erkrankten an den Folgen der Krankheit.

Windpocken sind zwar extrem ansteckend und können lange nach Ausbruch über die Luft übertragen werden - daher auch der Wind im Namen. Allerdings ist die Krankheit ungefährlicher. Bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft sie schwerer als bei Kindern - und kann im Alter zur sogenannten Gürtelrose führen. Die ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung gegen Windpocken im Alter von 11 bis 14 Monaten.