Bildung

In Brandenburg gibt es weniger Unterrichtsausfall

Ein Lehrer betreut in Brandenburg theoretisch rund 14 Schüler. Zusätzliche Stellen sind laut Bildungsministerium nicht notwendig.

Unterrichtsausfall freut die Schüler und ärgert das Bildungsministerium. Zwei Prozent der Unterrichtsstunden fallen an Brandenburger Schulen aus

Unterrichtsausfall freut die Schüler und ärgert das Bildungsministerium. Zwei Prozent der Unterrichtsstunden fallen an Brandenburger Schulen aus

Foto: Arne Dedert / dpa

Potsdam. Brandenburg will keine zusätzlichen Lehrerstellen schaffen. Der Grund: Im vergangenen Schuljahr ist an Brandenburger Schulen etwas weniger Unterricht als zuvor komplett ausgefallen. Die Relation von einem Lehrer auf 14,4 Schüler sei ausreichend, antwortete das Ministerium auf eine Anfrage der fraktionslosen Landtagsabgeordneten Iris Schülzke.

Laut Bildungsministerium war die Zahl der ersatzlos ausgefallenen Unterrichtsstunden im Schuljahr 2017/2018 trotz eines erhöhten Vertretungsbedarfs im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Punkte auf 2,0 Prozent gesunken. Das zeige, dass die Instrumente gegen Unterrichtsausfall wirken würden. In der vorherigen Legislaturperiode, die 2014 endete, hatte ein Lehrer rechnerisch noch 15,4 Schüler betreut - also mehr als derzeit.

Lehrer melden sich verstärkt krank

Der Vertretungsbedarf lag dem Ministerium zufolge im vergangenen Schuljahr bei 11,2 Prozent und damit um 0,3 Punkte höher als im Schuljahr 2016/2017. Wichtigster Grund dafür seien Erkrankungen von Lehrern. Die in den vergangenen Jahren gestiegene Krankenstandsquote sei auch darauf zurückzuführen, dass mehr junge Lehrerinnen eingestellt worden seien, die in Mutterschutz gegangen wären.

Allerdings wachse auch in Brandenburg die Notwendigkeit, Seiteneinsteiger für den Schuldienst zu rekrutieren, räumte das Ministerium ein. Für sie gebe es aber ein Qualifizierungsprogramm. Elternvertreter und Lehrerverbände hatten in der Vergangenheit wiederholt die Befürchtung geäußert, dass das Unterrichtsniveau leiden würde, weil mehr Quereinsteiger als Lehrer arbeiten.

Viele Lehrer gehen in Rente

Während es nach Ansicht des Bildungsministeriums keinen Bedarf an zusätzlichen Lehrerstellen gibt, ist der Bedarf an Nachwuchslehrern auch in Brandenburg hoch. Viele Lehrer scheiden in den kommenden Jahren aus dem Dienst aus. Laut Lehrermodellrechnung ergibt sich allein für das Schuljahr 2019/20 ein Einstellungsbedarf von etwa 1000 Vollzeitstellen, in den Schuljahren 2020/21 und 2022/23 liegt dieser bei 1100 bis 1250 Vollzeitstellen.

Brandenburg sucht deshalb nach Möglichkeiten, um die Lehrerbildung deutlich zu stärken. In einem ersten Schritt soll die Zahl der Lehramtsstudienplätze für Studienanfänger an der Universität Potsdam von aktuell 650 auf künftig 1000 jährlich ausgebaut werden, haben das Bildungs- und das Wissenschaftsministerium zusammen mit der Universität Potsdam beschlossen.

20.000 Studenten an der Universität Potsdam

Zunächst wird die Studienplatzzahl um 150 auf 800, im kommenden Jahr dann um weitere 200 Plätze erweitert. Insgesamt 16,5 Millionen Euro stellt das Land dafür bereit.

Von den derzeit mehr als 20.000 Studenten an der Universität Potsdam belegen 4200 einen Bachelor- oder Master-Lehramtsstudiengang. Insbesondere in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern, in Sport und in Fremdsprachen sei „der Bedarf an zusätzlichen Lehrkräften für eine hochwertige Unterrichtsversorgung groß“, betonte Bildungsministerin Ernst zuletzt.

Bedarf an Sonderpädagogen steigt

Erweitert werden soll auch die Vielfalt an Studiengängen. An 184 Schulen im Land findet bereits inklusiver Unterricht statt. Deswegen steigt die Nachfrage an Sonderpädagogen. Ab dem Jahr 2020 können Abiturienten den zusätzlichen Studiengang Förderpädagogik mit Schwerpunkten zur emotionalen und sozialen Entwicklung belegen. 60 Teilstudienplätze sind hier vorgesehen.

Änderungen gibt es auch bei der Kunstlehrer-Ausbildung. Wegen der geringen Nachfrage in der Vergangenheit hat Brandenburg den Studiengang vor Jahren abgewickelt. Die Berliner Universität der Künste (UdK) sollte die Aufgabe übernehmen. Weil die Kooperation mit der UdK aber gescheitert ist, werden Kunstlehrer ab 2020 wieder in Potsdam ausgebildet. Insgesamt sind hier 55 Studienplätze geplant.

Mathe- und Physikstudenten werden besonders gefördert

Problematisch ist die Situation in den naturwissenschaftlichen Fächern. Nur wenige Schulabgänger entscheiden sich für ein Mathematik- oder Physikstudium, während es für die geisteswissenschaftlichen Fächer wie Deutsch und Geschichte zu viele Bewerber gebe.

Um für die Fächer Mathematik und Physik besonders Interessierte und Begabte – auch aus anderen Bundesländern – anzulocken, richtet die Uni Potsdam ab dem kommenden Jahr einen speziell auf diese jungen Leute zugeschnittenen Kombistudiengang ein.

Jeder Dritte bricht das Studium ab

Wer sich für den sogenannten Innovationsstudiengang Mathematik/Physik entscheide, werde von Anfang an intensiv mit zusätzlichen Kursen und Angeboten gefördert, kündigt die Uni an.

Ein Ärgernis ist für die Brandenburger Bildungspolitiker, dass 35 Prozent der Lehramtsstudierenden vor dem Abschluss das Studienfach wechseln oder ihr Studium ganz abbrechen. Das soll sich ändern. In den kommenden Jahren werden deshalb

20 zusätzliche Professuren für die Lehrerbildung, mehr als 100 wissenschaftliche und rund 20 nicht wissenschaftliche neue Mitarbeiterstellen eingerichtet.