Kriminalitätsstatistik

Straftaten sinken in Brandenburg auf Rekordtief

Die neue Statistik zeigt: In Brandenburg gibt es weniger Diebstähle, aber mehr Körperverletzungen, Drogen- und Sexualdelikte.

Die Zahl der Einbrüche in Brandenburg ist gesunken (Symbolbild).

Die Zahl der Einbrüche in Brandenburg ist gesunken (Symbolbild).

Foto: pa

Potsdam. Die Kriminalität in Brandenburg ist auf ein Rekordtief seit der deutschen Einheit gesunken – doch Sorgen machen der Polizei mehr Körperverletzungen und Drogendelikte. Die Zahl der registrierten Straftaten ging im vergangenen Jahr auf knapp 173.000 zurück, das sind 1,2 Prozent weniger als 2017, wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Freitag in Potsdam sagte. „Das ist der Beweis dafür, dass es in Brandenburg wieder ein bisschen sicherer geworden ist.“

Es gab weniger Diebstähle und Gewaltfälle, aber mehr Körperverletzungen, Drogenkriminalität, Cybercrime und Sexualstraftaten. 69 Menschen starben infolge von Straftaten. Die Polizei klärte 56 Prozent aller Fälle auf, etwas mehr als zuvor. Ein Viertel der Tatverdächtigen waren Frauen.

Die Zahl der Diebstähle ging um 6,8 Prozent auf knapp 62.356 zurück. Vor allem gab es weniger Wohnungseinbrüche mit Diebstahl – fast 2600 Fälle, was einem Minus von 18,1 Prozent entspricht. Die Ermittler schließen daraus, dass sich die Brandenburger besser gegen Einbrüche schützen. Auch der Autoklau ging zurück – um 6,5 Prozent auf 2350 gestohlene Fahrzeuge. Fahrraddiebstähle nahmen allerdings zu – um 1,4 Prozent auf 12.415.

Mehr Drogendelikte als im Vorjahr

Die Polizei zählte deutlich mehr Fälle von Rauschgiftkriminalität als im Jahr zuvor: Die Zahl stieg um 13,2 Prozent auf rund 8645. „Wir kontrollieren verstärkt“, sagte Schröter. Die Zahl der Drogentoten kletterte um sieben auf 37. Polizei-Vizepräsident Roger Höppner kündigte an, die Präventionsarbeit an Schulen künftig zu verstärken.

Die Beamten registrierten weniger Gewaltkriminalität. Die Zahl der Fälle sank um 4,5 Prozent auf rund 4900. Die Polizei listete zwölf Fälle von Mord auf, im Jahr zuvor waren es noch 19. In 77 Polizeieinsätzen kam es zum Einsatz von Schusswaffen.

Sexueller Missbrauch von Kindern nahm um 22 Prozent auf 518 Fälle zu. Es wurden 272 Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung oder Übergriffen im besonders schweren Fall gezählt, 13 Prozent mehr als zuvor. Die Zahl sexueller Belästigungen wuchs um mehr als das Doppelte auf 403. Die Jahre sind aber nicht direkt vergleichbar, sagte ein Polizeisprecher. Durch neue Gesetze gibt es mehr Straftatbestände, die sexuelle Übergriffe leichter zur Anzeige bringen lassen.

Zahl der Fälle von Körperverletzung steigt

Eine Zunahme registrierte die Polizei im vergangenen Jahr auch bei Körperverletzungen – insgesamt 15.797 Fälle. „Das ist natürlich eine Entwicklung, die ich mit Sorge sehe“, sagte Schröter. Der Präsident des Landeskriminalamtes, Dirk Volkland, sagte, vor allem die einfache Körperverletzung sei gestiegen. Dabei spielten zum Beispiel Auseinandersetzungen in Flüchtlingsunterkünften eine Rolle, aber auch das Aufeinandertreffen verschiedener Gruppen.

Die Zahl der Straftaten, an denen Zuwanderer beteiligt sind, ging leicht nach oben. Fast 11.700 solcher Fälle erfasste die Polizei, 1,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Meistens ging es um Körperverletzung. Die Hälfte dieser Taten spielte sich in Flüchtlingsunterkünften ab, in denen Asylbewerber – zumeist junge Männer – oft monatelang unter beengten Verhältnissen zusammenleben und sich die Stimmung schnell aufheizt.

Erstmals seit 2013 stieg auch wieder die Zahl der Straftaten in den Gemeinden entlang der Grenze zu Polen – hier wurden rund 18.600 Fälle registriert, 4,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Auch hier nahmen die Fälle von Körperverletzung zu.

Nach den Erkenntnissen der Polizei hat das Aufschlitzen von Planen an Lastwagen und der anschließende Diebstahl der Ladung stark zugenommen. Vor zehn Jahren wurden noch 190 Fälle erfasst, 2018 waren es bereits 911 – meist auf Autobahnrastplätzen. Der Schaden betrug mehr als zwei Millionen Euro.

Technische Unterstützung für die Polizei gefordert

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) in Brandenburg sieht keine nennenswerte Entspannung der Lage. „Ermittlungsintensive Delikte und auch der Anstieg bei der Betäubungskriminalität bereiten uns Kopfzerbrechen“, sagte der Landesvorsitzende Riccardo Nemitz.

Die CDU forderte ein verstärktes Vorgehen gegen die Organisierte Kriminalität. Beunruhigend seien dabei insbesondere die sinkenden Aufklärungsraten, so der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Björn Lakenmacher. Er forderte bessere technische und rechtliche Unterstützung für die Polizei. „Wohnungseinbrüche und Kfz-Diebstähle werden von organisierten Banden durchgeführt“, sagte Lakenmacher. „Es ist ernüchternd, dass weniger als jede fünfte Tat aufgeklärt werden kann.“

Aus Sicht der Grünen bestätigen die Zahlen die Anstrengungen bei der Kriminalitätsvorbeugung. „Die Zahlen sind ein Beleg dafür, dass sich mit präventiver Polizeiarbeit, wie wir sie seit Jahren unterstützen, große Wirkung erzielen lässt – gerade bei Diebstahlskriminalität“, sagte die Fraktionsvorsitzende Ursula Nonnenmacher.