Beerdigung

Bestatter bietet Überführungen mit Harley an

Ein Bestatter im brandenburgischen Eichwalde bietet für verstorbene Motorradfahrer eine Überführung auf einer Harley Davidson an.

Bestatter Ingo Rauf bietet Überführungen mit einer umgebauten Harley Davidson an.

Bestatter Ingo Rauf bietet Überführungen mit einer umgebauten Harley Davidson an.

Foto: Promo

Eichwalde. Motorradsound im Ohr, Wind im Gesicht, Touren durch grüne Alleen oder gleich bis nach „bella Italia“: Mancher Motorradfahrer ließ zu Lebzeiten solche Träume wahr werden. Nach dem Tod kann eine Motorrad-Bestattung ein würdevoller Abschied sein – in einer speziell umgebauten Harley Davidson.

Bestatter Ingo Rauf aus Eichwalde (Dahme-Spreewald) ist nach eigenen Angaben der Erste, der dies seit kurzem in Berlin und dem näheren Umland anbietet. Verstorbenen, deren Maschine zur eigenen Lebensphilosophie gehörte, erfüllt er so den letzten Wunsch.

Urne oder Sarg sind gut sichtbar

„Von Bikerfreunden und anderen Trauergästen begleitet, kann man für diese letzte Tour beispielsweise die Lieblingsroute des Verstorbenen wählen“, sagt Ingo Rauf. Auf der Fahrt ruhen Sarg oder Urne gut sichtbar unter dem Kunststoffglas des Motorradgespanns.

Ein halbes Jahr musste Rauf warten, bis das amerikanische Fabrikat auf dem eigenen Hof in Eichwalde stand. Überführt wurde es zunächst nach Belgien, von dort kam es nach Deutschland. Die spezielle Umrüstung übernahmen Firmen in Frankfurt/Main und Bremerhaven. In Würzburg wiederum erfolgte die TÜV-Abnahme.

„Zur Spezialanfertigung gehört u.a. der Einbau eines Rückwärtsganges“, erzählt Ingo Rauf. Dieser sei mit seinem schwarz glänzenden Zweirad mit Beiwagen ein echter Hingucker auf Berliner und Brandenburger Straßen. Manche würden zunächst irritiert schauen, „doch die Skepsis am Straßenrand weicht meist schnell Staunen und Interesse“, sagt Rauf.

Auf einer Messe kam ihm die Idee

Die ungewöhnliche Idee mit der Harley Davidson kam ihm und seiner Ehefrau Patricia vor fünf Jahren nach einem Messebesuch in Düsseldorf: „Wir wollten ursprünglich eines unserer Bestattungsfahrzeuge nach zehn Jahren ersetzen und sahen uns entsprechend um. Auf der Messe fanden wir aber nichts Innovatives, was unseren Vorstellungen entsprach“, so Rauf.

Das Angebot, einen Toten auf einer Harley Davidson zu überführen, passe in den Trend individueller Bestattungen, sagt der gebürtige Berliner. Dazu zählt er auch Wald- und Seebestattungen. In diesem Zusammenhang berichtet der 51-Jährige auch von einem verstorbenen Hertha-Fan, dessen Urne mit den Vereinsfarben blau und weiß dekoriert wurde.

Solche ungewöhnlichen Bestattungsformen machen jedoch nur einen kleinen Teil des Angebots von Ingo Rauf aus. Üblich seien vor allem konventionelle Erd- und Feuerbestattungen. Rund 90 Prozent der Beerdigungen seien bei ihm Urnenbeisetzungen. Immer häufiger würden Grabstellen gewählt, die keiner weiteren Pflege bedürfen.

Trauer bei Hinterbliebenen nicht noch verstärken

Auch seine Filialen in Eichwalde, Königs Wusterhausen und Großziethen sind eher ausgefallen und untypisch für die Branche - mit hellen Räumen, statt schwerer Vorhänge und dunkel gehaltenen Wänden. „Wir wollen Trauer und Anspannung der Hinterbliebenen nicht noch verstärken“, erklärt Rauf, der seit 21 Jahren in der Branche arbeitet. Ursprünglich hat er Tischler gelernt, seine ungezwungene Art scheint anzukommen.

Dann erklärt der einzige Motorrad-Bestatter der Region, dass er selbst in den letzten 30 Jahren eher selten auf einer Maschine saß. Aber verstorbenen Zweirad-Fans will er einen letzten Wunsch erfüllen, ganz nach dem Motto: Einmal Biker – immer Biker. Auch auf dem letzten Weg.