Weltkulturerbe der Unseco

Musterhafte Baukultur in Bernau

Die Gewerkschaftsschule ist eine der bedeutenden Bauhaus-Stätten. Sie gehört seit 2017 zum Weltkulturerbe der Unseco.

Glasgang mit Spiegelung: die ehemalige Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau.

Glasgang mit Spiegelung: die ehemalige Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau.

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul

Bernau.  Seminarräume mit speziellem Lichtkonzept, Speisesaal mit Glasdach, Aula mit Filmanlage: Die 1930 eröffnete Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) bei Bernau gilt als eines der bedeutendsten Werke der Bauhaus-Schule und Inbegriff des „rationalen Funktionalismus“ der modernen Architektur. Seit 1977 steht das von Hannes Meyer und Hans Wittwer entworfene Gebäudeensemble unter Denkmalschutz, seit 2017 gehört es zum Unesco-Weltkulturerbe der Bauhaus-Stätten.

Moderne Bildungsstätte der Arbeiterbewegung

Ein „Musterbeispiel moderner Baukultur“ wollte der Gewerkschaftsbund Ende der 20er-Jahre auf dem zwischen Kiefernwäldern gelegenen Gelände errichten. Der Auftrag ging an den Schweizer Architekten und zweiten Bauhaus-Direktor Hannes Meyer. „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ war einer der Leitsätze des gelernten Maurers und Bauzeichners, der der Genossenschaftsbewegung und linken Sozialdemokratie verbunden war. Und im Wald vor den Toren Bernaus entstand eine moderne Bildungsstätte der Arbeiterbewegung.

Mehr als 4000 Gewerkschafter konnten die ADGB-Bundesschule in den ersten Jahren nach der Eröffnung zur Weiterbildung nutzen. Doch 1933 kam das Aus: Die Gewerkschaften wurden von den Nationalsozialisten zerschlagen, die Schule in eine NS-Einrichtung umgewandelt. Im Sommer 1939 übte die SS dort für angebliche polnische Angriffe auf deutsche Einrichtungen, die als Vorwand für den Überfall der deutschen Wehrmacht auf das Nachbarland und den Beginn des Zweiten Weltkriegs dienen sollten.

Architekt Hannes Meyer war als Bauhaus-Chef bereits 1930 aus politischen Gründen entlassen worden. Er ging in die Sowjetunion, verließ sie während der stalinistischen Säuberungen 1936 wieder, arbeitete danach in der Schweiz und in Mexiko.

Mit kleinen Hinweisschildern hilft die Stadt Bernau, den Weg zum „Hannes-Meyer-Campus“ zu finden. Neben dem historischen Bau-Ensemble gehören auch ein Oberstufenzentrum und ein Gymnasium in zusätzlich errichteten Gebäuden dazu. Der Weg von der Bushaltestelle „Bauhausdenkmal“ führt an einem Kiefernwald und Häusern der Wohnungsbaugenossenschaft „Aufbau“ vorbei zum Eingangsgebäude der einstigen Gewerkschaftsschule. Doch das Portal hat mit dem ursprünglichen markanten Gebäude mit seinen drei hohen Schornsteinen nichts mehr gemein.

In der DDR wurden Gebäude und Gelände verändert. Der DDR-Gewerkschaftsbund FDGB nutzte das Ensemble wieder als Gewerkschaftsschule, ab 1952 als Gewerkschaftshochschule. Ein Gedenkstein für Hermann Duncker steht bis heute vor einem der einstigen mit ockerfarbenen Ziegeln und grauen Bauelementen gestalteten Bauhaus-Lehrerhäuser. „Hier war die letzte Wirkungsstätte des Mitbegründers der KPD“, steht auf dem Stein. Und: „Jeder kann alles lernen.“ Nach der Wiedervereinigung wurde die Gewerkschaftsschule 1990 geschlossen. Seit 2001 gehört das Hauptgebäude der Berliner Handwerkskammer. Der „Meyer-Wittwer-Bau“ gelte als „einer der bedeutendsten Bauten der Bauhaus-Schule in Europa“, hieß es zum Abschluss der Sanierung ein paar Jahre später bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Die von Glas und verklinkerten Stahlbetonkonstruktionen geprägte Anlage verbinde „auf ideale Weise modernes Wohnen, das Lernen und die Erholung in der Natur“ und sei ein wichtiges Beispiel der verwirklichten sozial-pädagogischen Intentionen des Bauhauses.

„Schatz vor den Toren der Hauptstadt“

Als „Schatz vor den Toren der Hauptstadt“, hat der Bernauer Bürgermeister André Stahl (Linke) das Denkmal 2017 bei der Aufnahme in die Unesco-Welterbeliste gewürdigt. Fünf Jahre lang lag der Aufnahmeantrag bei der Unesco, bis im Juli 2017 die Entscheidung fiel. Das Bauhaus habe das künstlerische und architektonische Denken und Arbeiten weltweit revolutioniert, heißt es dazu bei der Kulturorganisation der Vereinten Nationen. Auch die ADGB-Bundesschule stehe für diese „Blüte der Moderne“ und sei eine „Pionierleistung in der Geschichte“. Die Berliner Handwerkskammer nutzt das Denkmal nun als „Bildungs- und Innovationszentrum Waldfrieden“.