Jubiläumsprogramm

200. Geburtstag: Das bietet das Theodor-Fontane-Jahr

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Katrin Starke
Als rastender Wanderer mit Stock und Hut wird der Dichter Theodor Fontane als Denkmal im Stadtzentrum von Neuruppin dargestellt.

Als rastender Wanderer mit Stock und Hut wird der Dichter Theodor Fontane als Denkmal im Stadtzentrum von Neuruppin dargestellt.

Foto: Jens Kalaene

Theodor Fontane war mehr als als ein Roman-Autor. Die Vielfalt des Fontane-Jahrs zeigt, wie er bis heute generationsübergreifend nachwirkt.

Berlin/Potsdam.  Ihre Tochter habe sich den Roman „Effi Briest“ als Abiturstoff gewünscht, ihr 17-jähriger Sohn in der Schule „Irrungen und Wirrungen“ gelesen. Beide Kinder hätten sich vom Schaffen des märkischen Schriftstellers Theodor Fontane (1819-1898) begeistert gezeigt. Sie selbst habe kürzlich zum zweiten Mal zum „Stechlin“ gegriffen. „Offenbar hat dieser zeitlose Vielschreiber uns auch heute noch etwas zu sagen, über alle Generationen hinweg.“

Die Verwunderung in der Stimme von Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) war unüberhörbar, als sie am Mittwoch das Jubiläumsprogramm zum 200. Geburtstag Fontanes vorstellte. Schon vor drei Jahren starteten die Planungen unter dem Motto „fontane.200“ zum Gedenkjahr des gebürtigen Neuruppiners, welches das Land mit 1,87 Millionen Euro fördert. Damals sei sie skeptisch gewesen, ob sich genügend aus dem Thema Fontane herausholen lasse.

Veranstaltungen von März bis Oktober

Ihre Zweifel sind längst verschwunden. Mehr als 450 Veranstaltungen in ganz Brandenburg aus den Bereichen bildende und darstellende Kunst, Literatur, Musik, Film, Wissenschaft, Kulturelle Bildung, Tourismus und Infrastruktur sollen zwischen März und Dezember Besucher locken. Zur Eröffnung des Fontane-Jahres am 30. März in der Kulturkirche Neuruppin wird neben der Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach, Sandra Richter, auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erwartet.

Koordiniert wurde das Jahresprogramm vom „Büro Fontane 200“, getragen von der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur in Geschichte in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam. „Wir wollten weg von dem Bild Fontanes als älterem Herrn am Schreibtisch“, sagt Fontanebüro-Chef Hajo Cornel.

Lebenslanges Recherchieren und Sammeln

„Fontane war eben nicht nur der Autor zahlreicher Romane, sondern auch Journalist, Theaterkritiker, Kriegsberichterstatter und Briefeschreiber.“ Man habe die Arbeitsweisen, sein lebenslanges Recherchieren, seine Wiederverwertung gesammelter Stoffe verdeutlichen wollen.

In Jugendprojekten wie dem „#GameCamps“ in Neuruppin können 13- bis 18-Jährige in den Sommerferien ein eigenes Fontane-Computerspiel entwickeln. Als Geburtsstadt des Apothekersohns steht Neuruppin im Zentrum der Festivitäten. Woher hat Fontane seine Ideen, wie erfindet er Figuren? Nur einige der Fragen, mit denen sich die Leitausstellung „fontane.200/Autor“ im Museum Neuruppin auseinandersetzt und dabei eine „begehbare Erkundung“ möglich machen will. Erstmals schreiben die Stadt Neuruppin und das Land Brandenburg zudem einen mit 40.000 Euro dotierten Fontane-Literaturpreis aus, mit dem zeitgenössische Autoren gefördert werden sollen.

Die „Fontane-Festspiele 2019“ (31. Mai bis 10. Juni), das Kinderjugendfestival „Querfelddrei“ (12. bis 18. Juni), das Fontane-Open-Air-Theater „Effi in der Unterwelt“ (23. bis 25. August) oder die Aktion „Hereinspaziert“, bei der Neuruppiner in ihre Gärten einladen, sind nur einige Mosaiksteine.

Beiträge auch im Havelland, im Spreewald und im Oderbruch

Interessante Projektbeiträge gebe es auch im Havelland, im Spreewald, in Cottbus und im Oderbruch, betont Brigitte Faber-Schmidt, Chefin von Kulturland Brandenburg, das rund 40 Projekte fördert. „Es werden unter anderem Neuwerder mit einer Kunst-Biennale, Ribbeck, Nennhausen und Kleßen im Havelland mit Installationen im Park oder Schiffmühle, der letzte Wohnort des Vaters von Fontane, mit eher unbekannten Aspekten zu Leben und Werk aufwarten.“

Die Vielfalt an Ideen der Kooperationspartner habe sie positiv überrascht, sagt Faber-Schmidt und verweist auf Aktionen des Filmmuseums Potsdam. Dessen Reihe ermöglicht es, Drehorte der filmischen Adaptionen von Fontanes Romanen zwischen 1939 und 2008 in Brandenburg zu besichtigen.

Programminfos unter www.fontane-200.de