Potsdam/Wustermark

Regionalbahn 21 hält auch künftig in Wustermark

Die Züge sollten ab 2022 an der Havelland-Gemeinde vorbeifahren. Doch nun ändert das Land die Planung.

Eine Regionalbahn auf dem Bahnhof Griebnitzsee in Potsdam.

Eine Regionalbahn auf dem Bahnhof Griebnitzsee in Potsdam.

Foto: dpa Picture-Alliance / Ralf Hirschberger / picture alliance / ZB

Potsdam/Wustermark.  Proteste der Bürger hatten Erfolg: Die Regionalzüge der Linie RB21 werden auch künftig in Wustermark (Landkreis Havelland) halten. Wie das Infrastrukturministerium in Potsdam mitteilte, wird die Speckgürtel-Gemeinde auch nach dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 von der RB21 angefahren. Das ist das Ergebnis eines sogenannten Moderationsverfahrens, dessen Ergebnisse von Infra­strukturminsterin Kathrin Schneider (SPD) am Montag vorgestellt wurden. „In intensiven Gesprächen mit allen Beteiligten ist es gelungen, eine akzeptable Lösung zu finden. Das ist eine gute Nachricht für Pendlerinnen und Pendler“, sagte Schneider.

Aktuell fahren die Regionalzüge auf der RB21 von Berlin-Friedrichstraße kommend über Potsdam Hauptbahnhof und den Universitätsstandort Golm bis nach Wustermark. Die RB13 wiederum verkehrt von Wustermark über Dallgow-Döberitz nach Berlin-Jungfernheide. Der im Vorjahr von der Landesregierung beschlossene neue Landesnahverkehrsplan sah vor, beide Linien zu einer schnellen Direktverbindung von Potsdam über Berlin-Spandau nach Berlin-Gesundbrunnen zu verknüpfen. Wustermark blieb bei der neuen RB21-Streckenführung jedoch links liegen. Der prosperierende Ort hätte damit seine direkte Bahnverbindung nach Potsdam verloren.

Gegen diese Pläne war unter anderem die Bürgerinitiative „Nicht ohne Wustermark“ Sturm gelaufen. Die Ministerin beauftragte daraufhin die vom einstigen Bahnmanager Hans Leister geführte Innoverse GmbH mit einem Moderationsverfahren, an dem sich neben der DB Netz AG auch Vertreter der Gemeinde und der Bürgerinitiative aktiv beteiligt haben.

Innoverse-Chef Leister schlägt nun eine Variante vor, die laut Ministeriumssprecher Steffen Streu von allen Seiten als „fairer Kompromiss“ bewertet wurde. Kern des Vorschlags: Die RB21 fährt auch nach dem Inkrafttreten der neuen Verkehrsverträge mit der Bahntochter DB Regio Nordost im Dezember 2022 weiter nach Wustermark. Dort muss der Lokführer dann von einem zum anderen Ende des Zuges wechseln – und fährt dann weiter Richtung Spandau und Gesundbrunnen. Der Vorteil: Die Wustermarker behalten ihre Direktverbindung nach Potsdam und bekommen eine Verbindung zum Berliner Bahnknoten Gesundbrunnen mit den guten Umsteigemöglichkeiten in S-und U-Bahn dazu.

Längere Fahrzeit für gleich mehrere Regionalbahnlinien

Der Nachteil: Der Seitenwechsel des Lokführers kostet wertvolle Zeit – nach den heutigen Berechnungen rund fünf Minuten. Dadurch verlängert sich nun nicht nur die Gesamtfahrzeit der RB21 von Potsdam nach Berlin. Auch andere Linien sind davon betroffen. Laut In­frastrukturministerium wird sich die Fahrzeit der Linien RE1, RE8b, RB10 und RB20 „geringfügig“ verlängern. Die Rede ist von ein bis zwei Minuten.

Der RE4, der bei seiner Fahrt zwischen Berlin und Rathenow im Stundentakt auch in Wustermark hält, wird wie die RB21 am Ende sieben Minuten mehr Zeit benötigen. Insgesamt werde das Fahrzeitkonzept im Bereich Spandau enger, Verspätungen könnten nur noch schwer ausgeglichen werden, heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. „Ich freue mich aber dennoch sehr über den Erfolg des Moderationsverfahrens“, sagte Infrastrukturministerin Schneider.

Der RB21-Kompromiss hat weitere Folgen: So werden die für die neue Linienführung (ohne Halt in Wustermark) erforderlichen Umbaumaßnahmen am Bahnhof Elstal unter Erhalt des bestehenden, elektromechanischen Stellwerks nicht weiter verfolgt. Die DB Netz AG habe dafür im Moderationsverfahren einen Investitionsaufwand von rund 13 Millionen Euro benannt und damit ihre Aussage aus dem Verfahren zum Landesnahverkehrsplan (niedriger einstelliger Millionenbetrag) revidiert. „Damit ist eine derartige Zwischenlösung nicht wirtschaftlich“, heißt es in der Mitteilung aus dem Ministerium in Potsdam.

Der Abschlussbericht des Moderationsverfahrens zur RB21 ist im Internet zu finden unter https://mil.brandenburg.de.