Tourismus

Filmtouristen sind in Brandenburg willkommen

Das Land Brandenburg will verstärkt mit Reisen an Originaldrehorte um Besucher werben. Filmtourismus wird zum Wirtschaftsfaktor.

US-Schauspieler Tom Hanks drehte schon 2014 in Eisenhüttenstadt. Filmsets werden immer häufiger zu Anziehungspunkten für Urlauber.

US-Schauspieler Tom Hanks drehte schon 2014 in Eisenhüttenstadt. Filmsets werden immer häufiger zu Anziehungspunkten für Urlauber.

Foto: dpa Picture-Alliance / Moz /Gerd Markert / dpa/ PA/ Moz /Gerd Markert

Potsdam.  US-Schauspieler Tom Hanks war von dieser „Iron Hut City“ so begeistert, dass er gleich zwei Mal kam. Zuerst während der Dreharbeiten zum Film „Cloud Atlas“, drei Jahre später rund um die Aufnahmen zum Film „Ein Hologramm für den König“. Hanks war begeistert von der Architektur in Eisenhüttenstadt im Südosten Brandenburgs und erzählte später davon auch im US-Fernsehen bei Kult-Talkmeister David Letterman.

Brandenburg wird als Drehort für die Filmindustrie immer beliebter. Im vergangenen Jahr wurden 70 Produktionen in Brandenburg gedreht – „und zwar nicht nur im Berliner Umland, sondern in der ganzen Fläche“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer am Freitag. Zum Beispiel auch in Eisenhüttenstadt, das durch die unverhoffte Werbung des US-amerikanischen Starschauspielers in das Blickfeld der Filmschaffenden geraten ist.

Bis zum vergangenen Donnerstag war Schauspielerin Alexandra Maria Lara für zehn Tage für Dreharbeiten zum Film „Warum?“ zu Gast. Die am Reißbrett geplante, einstige sozialistische Vorzeigestadt bietet eine ideale Kulisse für historische Aufnahmen. Auch der im vergangenen Jahr in den Kinos gezeigte Film „Das schweigende Klassenzimmer“ wurde deswegen in Eisenhüttenstadt gedreht.

Vorbilder sind Dubrovnik und das Hobbit-Dorf

Brandenburg will sich das steigende Interesse der Filmindustrie zu eigen machen und damit in Deutschland und der ganzen Welt werben. Denn nicht nur Filmemacher suchen ständig gute Drehorte, sondern auch „Normalbürger“ lassen sich durch Filme zunehmend für ihre Reiseziele inspirieren. „Bevor die 3. Klappe fällt – Konzepte für die filmtouristische Vermarktung“ hieß deshalb am Freitag die Veranstaltung Brandenburgs in der Vertretung des Landes beim Bund in den Ministergärten in Mitte, die am Rande der Berlinale nach Möglichkeiten für das Landesmarketing suchte.

Längst ist der Filmtourismus zum Wirtschaftsfaktor geworden. Die Bloggerin und bekennende Filmtouristin Andrea David zeigte bemerkenswerte Beispiele, wie Filme die Attraktivität von Städten und Regionen beeinflussen können. So wird die kroatische Küstenstadt Dubrovnik derzeit von Heerscharen an Menschen aufgesucht, die die Originalschauplätze der Serie „Game of Thrones“ besuchen. Das Hobbit-Dorf in Neuseeland, bekannt aus dem Film „Herr der Ringe“, gehört seit Jahren zu den Top-Sehenswürdigkeiten des Landes. „Neuseeland ist Mittelerde geworden“, sagte David mit Blick auf den Filmnamen des Dorfes.

Eine Internetplattform wird aufgebaut

Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich nun auch Brandenburg. Erstmals wurde dafür Geld in den Landeshaushalt eingestellt – wenn auch mit zunächst 100.000 Euro pro Jahr eine bescheidene Summe. Mit dem Geld soll die Internetplattform „Filmland Brandenburg“ ausgebaut werden, auf der sich Interessierte über Drehorte im Land informieren können.

Erste Erfolge zeigen sich schon. So wirbt der Spreewald erfolgreich mit Reisen zu Originaldrehorten der ZDF-Krimiserie „Spreewaldkrimi“, die seit 2006 mit bislang elf Folgen ausgestrahlt wird. Und der morbide Charme des ehemaligen Sanatoriums Beelitz-Heilstätten in Potsdam-Mittelmark ist spätestens nach dem Film „Men & Chicken“ mit dem dänischen Schauspieler Mads Mikkelsen bei Filmtouristen aus der ganzen Welt ein Kultort.

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