Mit 81 Jahren

CDU-Politiker Jörg Schönbohm ist tot

Der ehemalige Brandenburger Innenminister Jörg Schönbohm ist im Alter von 81 Jahren gestorben.

Jörg Schönbohm (1937 - 2019)

Jörg Schönbohm (1937 - 2019)

Foto: Reto Klar

Potsdam. Der CDU-Politiker und frühere Innenminister von Brandenburg, Jörg Schönbohm, ist tot. Er sei in der vergangenen Nacht im Alter von 81 Jahren gestorben, teilte die Brandenburger CDU mit. Sie bestätigte einen Bericht von radio B2.

1996 wurde Schönbohm Innensenator in Berlin. Erst zwei Jahre zuvor war er in die CDU eingetreten. 1999 wechselte Schönbohm nach Brandenburg, wo er die zuvor zerstrittene Landes-CDU zur Geschlossenheit führte und wenig später in einer rot-schwarzen Koalition Innenminister und Vize-Regierungschef wurde.

Der Politiker lebte in Kleinmachnow (Kreis Posdam-Mittelmark) nahe Berlin. Im Jahr 2012 hatte Schönbohm einen Schlaganfall und litt später an den Folgen. Schönbohm wurde 1937 in Neu Golm im Landkreis Oder-Spree geboren, kam aber noch als Kind in den Westen. Nach dem Abitur in Kassel schlug er eine Bundeswehrlaufbahn ein. Zeitweise war er Kommandeur einer Panzerdivision, zudem arbeitete er im Verteidigungsministerium.

Als sein Meisterstück gilt die Auflösung und teilweise Integration der Nationalen Volksarmee in die Bundeswehr nach der Wiedervereinigung. Damals war er Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost in Strausberg östlich von Berlin. Außerdem war Schönbohm nach der Wende für den Abzug der russischen Streitkräfte zuständig.

Woidke würdigt Schönbohm als "Patrioten im besten Sinne"

Zu seinen Erfolgen in Brandenburg zählen eine Gemeinde- und Polizeireform. Vor allem die Polizei stärkte er - was Beamte noch Jahre später wohlwollend bemerken. Die CDU in Brandenburg würdigte Schönbohm mit dem Ehrenvorsitz der Partei. Verheiratet war Schönbohm seit 1959, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat den gestorbenen früheren Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) als „großen Patrioten im besten Sinne“ gewürdigt. „Er hat sich große Verdienste um die Deutsche Einheit erworben“, erklärte Woidke am Freitag in einem Kondolenzschreiben nach Mitteilung der Staatskanzlei in Potsdam. „Für notwendige Veränderungen hat er stets mit starkem Willen und Standhaftigkeit geworben und gekämpft.“

Schönbohm habe seine Ansichten aufrecht und deutlich vertreten, sei aber anderen Meinungen immer aufgeschlossen gewesen. Mit Sensibilität, sachlicher Kenntnis und Sicht auf militärische Notwendigkeiten habe er die westdeutsche Bundeswehr und die ostdeutsche Nationale Volksarmee zusammengeführt. Schönbohm sei stets ein guter Botschafter für Brandenburg gewesen. „Dafür werde ich ihm immer dankbar sein.“

CDU Brandenburg: Schönbohm war „großer Brandenburger“

Die CDU Brandenburg zeigte sich bestürzt über den Tod Schönbohms. Der amtierende Landeschef Ingo Senftleben würdigte Schönbohm am Freitag als „großen Brandenburger“. „Seine Verdienste als Bundeswehrgeneral um die deutsche Einheit und als Politiker um das Land Brandenburg machen ihn als einen der großen Deutschen der Nachkriegsgeschichte unvergessen“, teilte Senftleben mit. „Wir gedenken seiner in tiefer Trauer.“

Ein Kondolenzbuch soll nach Angaben der CDU in der nächste Woche im Landtag ausliegen.

Brandenburgs früherer Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) teilte mit: „Jörg Schönbohm war ein knorriger, aber klarer Konservativer, in der Zusammenarbeit bei allen politischen Unterschieden immer fair“. Schönbohm sei „vor allem ein überzeugter Brandenburger“ gewesen.

Wichtige Stationen der Laufbahn von Jörg Schönbohm:

1968-1970: Generalstabsausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg
1970: Leiter der Generalstabsabteilung Personal und Innere Führung bei einer Panzergrenadierdivision in Oldenburg (Niedersachsen)
1973: Generalstabsoffizier für Gefechtsübungen im NATO-Hauptquartier AFCENT (Alliierte Streitkräfte Europa-Mitte) im niederländischen Brunssum
1976: Kommandeur eines Panzerartilleriebataillons in Lüneburg (Niedersachsen)
1979: Referatsleiter im Führungsstab der Streitkräfte im Bundesverteidigungsministerium in Bonn
80er-Jahre: Unter anderem Leiter des Planungsstabes im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn
3. Oktober 1990: Nach der Wiedervereinigung Befehlshaber des Bundeswehrkommandos Ost September
1991: Inspekteur des Heeres im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn
März 1992: Staatssekretär für Sicherheitspolitik, Bundeswehrplanung und Rüstung im Bundesministerium der Verteidigung in Bonn
1994: Eintritt in die CDU
1996-1998: Innensenator von Berlin unter dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU)
1999: CDU-Landesvorsitzender in Brandenburg; Mitglied des Landtags
Oktober 1999: Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident von Brandenburg
April 2000: Mitglied des CDU-Präsidiums
Oktober 2004: Erneute Ernennung zum Innenminister und stellvertretenden Ministerpräsidenten von Brandenburg
2009: Abschied in den Ruhestand nach zehn Jahren als Innenminister