Müncheberg

Zurück in die Heimat, um etwas zu bewegen

Carolin Schönwald ist für das Studium aus Müncheberg weggezogen. Nun lebt sie wieder in der Provinz und engagiert sich für Rückkehrer.

Carolin Schönwald (M), Vorsitzende des Jugendfördervereins Chance e.V. in Buckow, bastelt mit Müttern und Kindern im Kinder-Kunst-Zentrum.  F

Carolin Schönwald (M), Vorsitzende des Jugendfördervereins Chance e.V. in Buckow, bastelt mit Müttern und Kindern im Kinder-Kunst-Zentrum. F

Foto: Patrick Pleul / dpa

Müncheberg.  Carolin Schönwald ist eine Rückkehrerin. Die gebürtige Münchebergerin (Märkisch-Oderland) zog es nach dem Studium der Sozial- und Theaterpädagogik in Berlin zurück in die brandenburgische Provinz. „Ich bin hier verwurzelt, aufgewachsen, die Familie wohnt noch in der Region“, sagt die 32-Jährige. Was sie zurück in die Heimat zog? „Schwerpunkt meines Studiums war die Unterstützung von Projekten im ländlichen Raum. Das wollte ich nicht nur theoretisch behandeln, sondern auch umsetzen.“

Überregional bekannt wurden Schönwald und etwa 25 Mitstreiter vor einem Jahr, als die Brandenburger Staatskanzlei das Familiencafé „lokal“ in Buckow (Märkisch-Oderland), Träger ist der Jugendförderverein Chance e. V., zum „Demografiebeispiel des Monats“ kürte. In einem leer stehenden Laden war 2016 eine Anlauf- und Begegnungsstätte für Zugezogene, Rückkehrer und Flüchtlinge entstanden, die gut besucht wird. Angebunden ist auch eine „Bürgerbühne“, für die Schönwald mit wechselnden Akteuren jeden Monat aktuelle Themen inszeniert, um mit dem Publikum zu diskutieren. Für das jüngste Projekt des Vereins, die Anlaufstelle „hierzulande(n)“ für Rückkehrer, gab es von der Staatskanzlei knapp 50.000 Euro Fördermittel, weil sie kreativ und lösungsorientiert für die Bevölkerungsentwicklung im ländlichen Raum einstehe. Die Zahl der Rückkehrer lässt sich, so das Innen­ministerium, nicht aus den Daten zur Wanderungsstatistik herausziehen.

Vermittlung von Jobs, Wohnraum und Kitaplätzen

Zu „hierzulande(n)“ gehören ein Café, Co-Working-Arbeitsplätze und ein Kinder-Kunst-Zentrum. Der Jugendförderverein unterstützt eine regionale Initiative, die für die Einrichtung einer weiterführenden Schule in der Märkischen Schweiz kämpft. „Sie denkt gesamtgesellschaftlich und setzt Ideen konkret um und hat die jeweiligen sozialen Strukturen stets im Blick“, sagt Sandra Spletzer, Netzwerkkoordinatorin der Brandenburger Rückkehrerinitiativen „Ankommen in Brandenburg“, über Carolin Schönwald. Diese wiederum berichtet, in den vergangenen Jahren seien immer mehr Freunde zurück in die Region gekommen, die wegen ihrer Ausbildung oder ihres Studiums erst weggezogen seien. Außerdem kämen Familien, die von der Großstadt Berlin aufs Land wollten. Vorbehalte der Alteingesessenen gebe es, sagt Schönwald. Sie wolle aber „ein Zusammenspiel“ aller erreichen. „Wir haben über die Jahre viele Partner gewonnen, sodass wir jetzt problemlos vermitteln können: Jobs, Wohnraum, Kitaplätze.“

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist übrigens auch ein Rückkehrer: Der Lausitzer ging Anfang der 90er-Jahre nach Niederbayern zu einer Mineralfutterfirma. „Bayern ist ein wunderschönes Land, aber es fehlt was“, bekannte er kürzlich beim Neujahrsempfang der SPD-Landtagsfraktion in Potsdam. Und so kehrte er zurück nach Brandenburg. „Man liebt das Land, man liebt die Scholle.“ Schönwald begann noch während des Studiums im Jugendklub Rehfelde (Märkisch-Oderland) mit einer Theaterwerkstatt, die sie 2009 ins Leben rief. Träger ist der Jugendförderverein Chance e. V., dessen Vorstandsvorsitzende sie ist.

„Wir kümmern uns um den gemeinsamen Sozialraum Märkische Schweiz. Dazu gehören neben Rehfelde auch Müncheberg und Buckow.“ 2010 gelang es ihr, Fördermittel in Höhe von 200.000 Euro von der „Aktion Mensch“ zu bekommen. Von dem Geld wurde der Müncheberger Jugendklub reaktiviert, die Kinder- und Jugendbeteiligung in der Kommunalpolitik gefördert und politische Theaterprojekte wurden realisiert. „Für die Kommunalwahlen in diesem Jahr haben wir sogar eine Wählergemeinschaft gegründet“, sagt die Vereinschefin.

Ihre Söhne sind inzwischen zwei, vier und sechs Jahre alt. Da sie und auch ihr Lebenspartner Vollzeit arbeiten, helfe es, dass die Familie in der Region lebe, sagt Schönwald. Ihre Kinder nimmt sie oft zu den Projekten mit. 15 Wochenstunden bekommt Schönwald bei „hierzulande(n)“ bezahlt, 15 weitere für überregionale Jugendarbeit in Märkisch-Oderland. Zudem ist sie Lehrbeauftragte an ihrer früheren Hochschule in Berlin. Mindestens zehn Wochenstunden arbeitet sie ehrenamtlich. „Sie unterteilt nicht in Job und Freizeit, ihr Leben ist die Arbeit“, sagt Felix Brückmann, der mit Schönwald im Vereinsvorstand arbeitet. Manchmal müsse er sie zur Ruhe zwingen, damit sie mal runterkomme.

Kontaktbüro „hierzulande(n)“, Carolin Schönwald, Tel. 0176/63 46 66 06, E-Mail: carolin@hierzulanden.de