Festspiele

Brandenburg bekommt eigenes Kultur-Festival

Dieses Jahr finden erstmals die „Festspiele Mark Brandenburg“ statt – der Initiator des ganzjährigen Festivals ist ein Hamburger.

Saxofon-Quartet Vela: Das Repertoire reicht von der Alten Musik bis zum Jazz.

Saxofon-Quartet Vela: Das Repertoire reicht von der Alten Musik bis zum Jazz.

Foto: Krasi Caban

Potsdam. Der Rheingau, Schleswig-Holstein, Bayreuth, Salzburg, Passau, auch Mecklenburg-Vorpommern haben es längst – ein Landesfestival. Nur Brandenburg konnte bisher damit nicht aufwarten, ärgerte sich Cord Schwartau. „Diese Marktlücke wollte ich füllen.“ Der gebürtige Hamburger, der sich seit Jahrzehnten in der brandenburgischen Kulturlandschaft finanziell und ideenreich engagiert, hat nun die „Festspiele Mark Brandenburg“ initiiert.

Der Träger, die Kulturstiftung Mark Brandenburg, sowie Unterstützer aus der lokalen Kunst- und Kulturszene sind bereits gefunden. Auch das Programm für 2019 steht. Unter dem Motto „So klingt Brandenburg!“ sollen in diesem Jahr schwerpunktmäßig zwischen Juni und November mehr als 30 Veranstaltungen in ganz Brandenburg verschiedene Zielgruppen ansprechen.

„Wir konzentrieren uns nicht ausschließlich auf den klassischen Konzertgänger“, betont der neue Festspiel­intendant Manuel Dengler. Folklore, Filmmusik, bildende Kunst und Gesprächsabende sollen ebenso eine Rolle spielen.

Interaktive Konzertwanderung durch die Mark Brandenburg

Persönlicher Höhepunkt für den Intendanten, der als Dirigent des Residenzorchesters Mark Brandenburg dabei selbst zum Taktstock greifen wird, ist das im Juni in Frankfurt (Oder), Wittenberge, Berlin und Mühlberg stattfindende Tripelkonzert „Bartok, Beethoven, Brahms“. Der Klangkünstler Jonas Urbat geht dafür dem spezifischen Sound der jeweiligen Veranstaltungsorte auf den Grund. Seine Fundstücke, aufgenommen mit seinem mobilen Tonstudio, verarbeitet er an den einzelnen Aufführungsstätten zu Klang- und Lichtinstallationen.

Im September lädt das Saxofon-Quartett Vela seine Zuhörer auf eine musikalische Zugreise ein – durch fremde Stilistiken, Länder und Epochen, vom Flamenco bis zum Jazz, von Argentinien bis Ungarn. Der November steht ganz im Zeichen des Films. Komponist Johnny Klimek macht gemeinsam mit dem Duo Eckart Runge (Violoncello) und Jacques Ammon (Klavier) seine Filmmusik zum Kinofilm „Cloud Atlas“, für die Netflix-Serien „Sense8“ und „The Perfume“ zum Ausgangspunkt für eine Suite für Violoncello, Klavier, Live-Elektronik und Kammerorchester.

„Fontane.reloaded“ ist eine interaktive Konzertwanderung durch die Mark Brandenburg überschrieben. Vor einer digitalen Landkarte im Kavalierhaus Königs Wusterhausen gehen der Bariton Burkhard von Puttkamer und die Pianistin Alina Pronina auf eine musikalische Wanderung zu Schlössern, Gutshäusern und markanten Orten. Romantisches Liederrepertoire des 19. Jahrhunderts soll mit Texten von Theodor Fontane in Beziehung gesetzt werden.

Themen und Künstler von Uckermark bis Elbe-Elster

Was Dengler bei der Programmgestaltung besonders wichtig ist: „Wir gehen in die verschiedenen Regionen von der Uckermark bis nach Elbe-Elster, sprechen mit den Leuten, um ihre Themen aufzugreifen.“ Internationale Solisten und Ensembles will er in die Mark holen, aber ebenso Künstler präsentieren, die in der Region verwurzelt sind. Eng arbeiten die Festspielmacher beispielsweise mit dem Kulturbund Königs Wusterhausen zusammen.

Der Kulturbund der DDR als große Massenorganisation sei zwar nach der Wende zerfallen, einige lokale Netzwerke hätten sich aber erhalten oder neu gebildet. „Sie wissen, was die Menschen beschäftigt.“ Dengler und Mitstreiter wollen gemeinsam Projekte für die kommenden Festspiele entwickeln. „Wir freuen uns über jede Idee“, sagt auch die Cellistin und Künstlerische Leiterin der Festspiele, Elisabet Iserte-López.

Nicht zuletzt in den außergewöhnlichen Spielstätten des Landes sieht Dengler ein Potenzial. „Brandenburg besitzt über 400 Schlösser und Herrenhäuser, zahlreiche Kirchen, sanierte Altstadtkerne, malerische Landschaften. Die wollen wir beleben, hervorheben, deutlicher ins Bewusstsein rücken.“ Auch der öffentliche Raum soll dabei nicht zu kurz kommen.

Initiator Cord Schwartau will in den nächsten Monaten zunächst „Klinken putzen“. Denn noch ist die Gesamt­finanzierung nicht bis ins Detail geklärt. 500.000 Euro betrage der Etat für die Festspiele. Bislang sei der Topf nicht komplett gefüllt. „Wir hoffen auf die finanzielle Unterstützung privater Geldgeber, auch der Landkreise und Städte und auf Fördermittel des Landes.“ Entsprechende Anträge seien gestellt.

Mehr Infos finden Sie unter www.festspiele-mb.de.