Verfassungsschutz

Cottbus ist "Hotspot" der rechtsextremen Szene

Der Verfassungsschutz sieht in Cottbus ein "toxisches Gebilde". Die rechtsextreme Szene habe Bezüge zu Rockern und Türstehern.

Anhänger des Fußball-Drittligist FC Energie Cottbus bei einem Heimspiel in Januar.

Anhänger des Fußball-Drittligist FC Energie Cottbus bei einem Heimspiel in Januar.

Foto: pa

Cottbus ist aus Sicht des Verfassungsschutzes der „Hotspot“ des Rechtsextremismus in Brandenburg. „Es ist für uns als Verfassungsschutz ein toxisches Gebilde“ sagte der Referatsleiter Öffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Brandenburg, Heiko Homburg, dem Sender RBB.

Es handele sich um eine vielschichtige Szene mit Bezügen ins Rockermilieu, zur Türsteher-Szene und auch ins Security-Gewerbe. „Die wollen raus aus der Subkultur.“ Mitglieder der Szene arbeiteten daran, sich „wie eine Krake“ in der Stadt festzusaugen und immer mehr zu bestimmen. Das Milieu verdichte sich immer mehr.

Im Zentrum der Rechtsextremisten stehen nach Recherchen des Senders „führende Köpfe der rechtsextremen Fangruppierung Inferno Cottbus“, dies erklärten verschiedene Experten übereinstimmend. Demnach soll es zu Einschüchterungsmaßnahmen und Gewaltandrohungen der Rechtsextremisten gegenüber anderen Fangruppen gekommen sein.

Auch auf verschiedenen Fanseiten im Internet sollen die Rechtsextremen mittlerweile vollen Zugriff haben und darüber unter anderem ihre T-Shirts verkaufen und ihre Ideologie verbreiten. Im Mai 2017 hatte sich die Gruppe "Inferno Cottbus" wegen eines drohenden Vereinsverbots durch das brandenburgische Innenministerium offiziell aufgelöst.

"Die Netzwerke und die Personen verschwinden nicht. Statt einer Auflösung geht es vielmehr darum, der Strafverfolgung zu entgehen oder zuvorzukommen, die Netzwerke informeller zu gestalten und eigentlich dasselbe weiter zu tun", sagte Fanforscher Robert Claus.

"Inferno Cottbus übt massiven Druck auf den Rest der Fanszene aus. Das heißt, Fans, die sich gegen Rechtsextremismus und gegen Gewalt engagieren, werden massiv eingeschüchtert. Das passiert teilweise durch Hausbesuche, durch Kneipengespräche, wo Gewalt angedroht wird, aber auch durch ganz reale Angriffe auf andere Fangruppen."

Der Fußball-Drittligist FC Energie Cottbus hatte am Mittwoch für Anfang März einen Runden Tisch mit Vertretern der Polizei und des Verfassungsschutzes angekündigt, um das Problem bezogen auf den Verein zu thematisieren. „Im Moment haben wir wegen der noch laufenden Transferperiode keine Zeit, um uns damit aktuell zu beschäftigen“, sagte ein Vereinssprecher.

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