Brandenburgs Norden

Brandenburg hat nun auch eine Seenplatte

Der Neubau der Friedenthaler Schleuse bringt bald freie Fahrt nach Norden. Dem Wassertourismus önne das einen weiteren Schub geben.

Freizeitkapitäne mit ihren Booten auf einem Kanal in der Nähe von Templin (Uckermark).

Freizeitkapitäne mit ihren Booten auf einem Kanal in der Nähe von Templin (Uckermark).

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / ZB

Oranienburg.  Die „Mecklenburgische Seenplatte“ ist in ganz Deutschland ein Begriff. Dass sich südlich davon ein Gebiet befindet, das für Bootsurlauber und Paddler ebenso viel Wasser zu bieten hat, ist dagegen zumindest über die Region hinaus noch nicht so bekannt. Doch das soll sich nun ändern. Die Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg (WIN) will das Gebiet nördlich von Berlin bis an die Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern künftig als „Brandenburgische Seenplatte“ vermarkten. Schon bei der bis zum 27. Januar laufenden weltgrößten Wassersportmesse „Boot“ in Düsseldorf wirbt die Initiative mit der neuen Bezeichnung für die wasserreiche Region.

Dem Wassertourismus in Brandenburgs Norden könne das einen weiteren Schub geben, ist der WIN-Vorsitzende und Landrat des Landkreises Barnim Daniel Kurth (SPD) überzeugt. Doch ist es nicht die neue Marke allein, die Kurth optimistisch stimmt. Sondern vielmehr die Tatsache, dass die Finanzierung für den Neubau der Friedenthaler Schleuse endlich steht. Mit dem Wiederaufbau der vor nunmehr sechs Jahrzehnten im Jahre 1959 zugeschütteten Schleuse wird das Zentrum von Oranienburg (Kreis Oberhavel) 8 direkt an die Ruppiner Gewässer angebunden.

Noch ist die Oranienburger Havel eine Sackgasse, für Freizeitkapitäne endet die Fahrt derzeit noch am Schlosshafen der Oberhavel-Kreisstadt. Doch voraussichtlich schon in gut zwei Jahren sollen Bootsfahrer hier freie Fahrt in Richtung Norden haben. Die Wiederherstellung der Schleuse sei nicht nur ein Schlüsselprojekt der Wassertourismus-Initiative, „sondern inzwischen ein Leuchtturm mit überregionaler Strahlkraft und Vorbild für andere wassertouristische Vorhaben“, schwärmt Daniel Kurth.

Schiffbare Wasserstraßen von der Müritz bis Niederfinow

Seit Jahren bereits arbeiten die Landkreise Barnim, Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin sowie die Städte Eberswalde, Neuruppin, Oranienburg, Templin, Liebenwalde sowie die Gemeinden Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin) und Wandlitz (Barnim) in der Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg zusammen. Gemeinsames Ziel: ein Netz von rund 340 Kilometern schiffbaren Wasserstraßen im Brandenburger Norden zu schaffen – vom Südende der Müritz über die Rheinsberger sowie die Ruppiner Gewässer bis hin zum Finowkanal mit dem Schiffshebewerk Niederfinow sowie in den Werbellinsee hinein.

In dem gesamten Gebiet sollen Freizeitkapitäne mit ihren Charterhausbooten umherschippern können. Zwei große Hürden hatte die Initiative bereits genommen, mit dem Ausbau des Werbellinkanals und der Wiederschiffbarmachung des „Langen Trödel“, eines rund zehn Kilometer langen Teilstück des Finowkanals zwischen Liebenwalde und Zerpenschleuse. Als drittes zentrales Puzzlestück bei der Vernetzung der märkischen Wasserstraßen gilt die Friedenthaler Schleuse.

Die ursprünglich 1879 erbaute Schleuse war im Krieg beschädigt, 1959 stillgelegt und zugeschüttet worden, seither war die Verbindung zwischen der Oranienburger Havel und dem Ruppiner Kanal gekappt. Seit 2015 hatte die Stadt Oranienburg mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes über einen Wiederaufbau der Schleuse verhandelt. Im Dezember vorigen Jahres verpflichtete sich der Bund dann, die Hälfte des Schleusenneubaus zu finanzieren – weil er „entscheidend zur Stabilisierung und zum Wachstum der Freizeitschifffahrt in der Region“ beitrage, wie der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt Hans-Heinrich Witte betont.

Mehr als drei Millionen Euro steuert zudem das Land Brandenburg aus dem Förderprogramm „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) bei. Damit sei die Finanzierung des Projekts, dessen Gesamtkosten sich auf rund 7,3 Millionen Euro belaufen, jetzt gesichert, sagt der Oranienburger Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos). Er muss die restlichen zehn Prozent der Baukosten aus dem städtischen Haushalt finanzieren.

Baustart für das kommende Jahr wird angestrebt

Auch die Ufergestaltung muss die Stadt als Eigentümerin der Schleuse bezahlen. „Der Wassertourismus bietet der Stadt aber auch viele Chancen“, sagt Laesicke, „zum Beispiel mit einem Ausbau des Hafens und der Infrastruktur für Wassersportler“. Deswegen hat sich die Stadt mit dem Zeitplan für den Schleusenbau ein sportliches Ziel gesteckt: Zum Beginn der Wassersportsaison 2021 sollen die ersten Boote die Schleuse passieren. Zunächst muss das Areal rund um die Schleuse aber nach Weltkriegsmunition abgesucht werden. „Wir wollen die Kampfmittelfreigabe noch in diesem Jahr erreichen“, sagt Oranienburgs Baudezernent Frank Oltersdorf. Er hoffe, dass nach der öffentlichen Auslegung der Planunterlagen der Planfeststellungsbeschluss nicht mehr lange auf sich warten lasse. „Danach könnten wir sofort mit der Ausschreibung der Bauleistungen beginnen“, so Oltersdorf. Baustart könnte dann 2020 sein. Was auch Brandenburgs Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer freut: „Urlaub auf dem Wasser wird immer beliebter. Und je enger unser märkisches Wassersportrevier vernetzt ist, umso besser kann sich das Reiseland Brandenburg als Wassertourismusregion profilieren.“

Mit einem jährlichen Bruttoumsatz von 200 Millionen Euro habe sich die Wassertourismusbranche in Brandenburg zu einer wichtigen tourismuswirtschaftlichen Säule entwickelt. Brandenburg ist mit 33.000 Kilometern Fließgewässer und 3000 Seen eines der wasserreichsten Bundesländer. „Zusammen mit Mecklenburg-Vorpommern bildet die Mark sogar Europas größtes vernetztes Binnenwassersportrevier – mit 1600 Kilometern mit Motorbooten und 6500 Kilometer mit nicht motorisierten Booten befahrbaren Wasserläufen allein in Brandenburg“, so der Staatssekretär.

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