Sperrkreis aufgehoben

Die Fliegerbombe in Potsdam ist entschärft

Sprengmeister Mike Schwitzke meldet: "Bombe entschärft!" Auch der Sperrkreis wurde nun aufgehoben. Die S-Bahnen fahren wieder.

Blick auf die Baustelle, auf der die Bombe gefunden wurde

Blick auf die Baustelle, auf der die Bombe gefunden wurde

Foto: Julian Stähle/dpa

Potsdam. Die in der Potsdamer Innenstadt entdeckte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist entschärft. Sprengmeister Mike Schwitzke habe den mechanischen Zünder entfernt, teilte Stadtsprecher Jan Brunzlow am Mittag mit.

Nach dem Fund einer 250 Kilogramm schweren Fliegerbombe am Leipziger Dreieck direkt am Hauptbahnhof gab es seit acht Uhr umfangreiche Sperrungen in der Innenstadt. Betroffen sind neben dem Hauptbahnhof auch das Museum Barberini, das Filmmuseum, die Staatskanzlei des Landes und fast alle Ministerien, die Industrie- und Handelskammer und das Schwimmbad Blu.

Bei der Räumung waren laut Potsdams Sprecher Jan Brunzlow mehr als 300 Mitarbeiter im Einsatz. Allein 250 Mitarbeiter und Helfer der Stadt sichern den 800 Meter großen Sperrkreis und evakuierten die etwa 5900 dort wohnenden Menschen, 50 Polizisten lenkten an 13 Kreuzungen den Verkehr um. Dazu kamen Feuerwehrleute, die die Krankentransporte aus den betroffenen Krankenhäusern und Pflegeheimen organisierten, Bundespolizisten, Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe und der Bahn. Etwa 600 Menschen können nicht an ihre Arbeitsplätze.

Einschränkungen bei S-Bahn und Regionalverkehr

Einschränkungen gibt es auch im Regionalverkehr und bei der S-Bahn. Der Potsdamer Hauptbahnhof war seit acht Uhr komplett gesperrt. Die S-Bahnen aus Berlin endeten am S-Bahnhof Babelsberg. Von dort mussten die Reisenden bis zum Bahnhof Charlottenhof die Straßenbahn oder Busse benutzen. Gegen 12.40 Uhr wurde die Sperrung für die S-Bahn beendet.

Von zehn Uhr an war die Strecke zwischen den Stationen Charlottenhof und Griebnitzsee für den Zugverkehr voll gesperrt. Die Züge der Linie RE1 stoppten aus Richtung Magdeburg in Potsdam Park Sanssouci und aus Richtung Frankfurt (Oder) in Charlottenburg. Zwischen Werder/Havel und Wannsee verkehrten Ersatzbusse ohne Halt in Potsdam.

Seit 1990 wurden 194 Bomben gefunden

Die Bombe liegt auf einer Baustelle gegenüber dem Schwimmbad Blu, auf dem die Vorbereitungen für den Neubau eines Hotels durchgeführt werden.

In Potsdam wurden damit seit Oktober 1990 insgesamt 194 Bomben gefunden. Im gesamten Land liegen dennoch nach Angaben des Innenministeriums noch 240 Tonnen Kampfmittel im Boden – vor allem in Oranienburg, Potsdam und in der Oder-Neiße-Region.

1000 Gebäude durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört

Wie viele Bomben noch in der Erde liegen, weiß niemand. Allein bei der verheerenden Bombennacht vom 14. April 1945 hatten alliierte Flugzeuge 1700 Tonnen Bomben über der Stadt abgeworfen. 1000 Gebäude wurden dabei zerstört, 60.000 Potsdamer obdachlos. Von den Spätfolgen der Bombardierungen betroffen ist vor allem die Region rund um den heutigen Potsdamer Hauptbahnhof, an dem sich früher der Güterbahnhof befunden hat.

Er war vor allem das Ziel alliierter Bombenangriffe, um so die Infrastruktur Nazi-Deutschlands zu zerstören. Bei heutigen Baumaßnahmen, wie dem geplanten Hotelneubau am Leipziger Dreieck, wird deshalb der Boden vier Meter tief umgegraben, um mögliche Blindgänger ausfindig zu machen und zu entschärfen.

Brandenburg gilt als das Bundesland mit der größten Belastung von kriegsbedingten Gefahren. Rund 392.000 Hektar seiner Gesamtfläche gelten noch als belastet. Das gilt vor allem für die ehemaligen Truppenübungsplätze in der Region.

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