Wildtiere

In Brandenburg haben die Otter jetzt einen Laufsteg

In Groß Machnow ist jetzt für 25.000 Euro ein Otterweg errichtet worden. Nicht die einzige Hilfe für Brandenburgs Wildtiere.

Fischotter kehren zunehmend in den Süden Brandenburgs zurück.

Fischotter kehren zunehmend in den Süden Brandenburgs zurück.

Foto: dpa Picture-Alliance / R. Linke / picture alliance / blickwinkel/R

Gross Machnow.  Der Weg ist rund 15 Meter lang und nur 40 Zentimeter breit – aber er rettet Leben. Am Dienstag ist bei Groß Machnow im Süden Berlins ein Laufsteg für Fischotter eröffnet worden. Er soll den geschützten Tieren bei ihren Wanderungen das Unterqueren der B96 erleichtern. Fehlen die Wege, wählen die in der Regel nachtaktiven Tiere oft die Straße, um zum Gewässer auf der anderen Seite der Brücke zu wechseln. Aber dabei lauern Gefahren. „Für Fischotter ist der Straßenverkehr lebensgefährlich“, sagt Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz Deutsche Umwelthilfe (DUH). Aus unbekannten Gründen meiden Fischotter die für andere Amphibien eingerichteten Röhren zur Unterquerung von gefährlichen Wegen, deswegen müssen für sie andere Möglichkeiten geschaffen werden. Der Otterweg in Groß Machnow kostet rund 25.000 Euro.

Mit dem Umbau von Brücken und der Anlage von Stegen lasse sich der Tod vermeiden, heißt es. Tierschützer sehen in der Rückkehr der Fischotter in den südlichen Teil des Landes ein Zeichen dafür, dass die Gewässerqualität steigt und nun auch hier wieder die Lebensbedingungen für Fischotter gegeben sind. Die geschützte Art kommt sonst nur im Norden Brandenburgs, in Mecklenburg-Vorpommern oder im östlichen Sachsen vor. Hinter der Querungshilfe für Fischotter steckt System. Vor allem das südliche Brandenburg ist mit seiner Nähe zu den osteuropäischen Ländern, seinen Großschutzgebieten, naturnahen Gewässern und Waldgebieten ein regelrechter Verkehrs-knotenpunkt für Wildtiere. Diese Gebiete liegen jedoch wie große Inseln in der von Straßen und Bahntrassen zerschnittenen Kulturlandschaft. Wildtiere, die für ihr Überleben auf weiträumige Wanderungen angewiesen sind, stoßen auf der Suche nach Nahrung und Partnern auf unüberwindbare Barrieren wie Straßen, kanalisierte Fließgewässer oder offene Landschaften ohne Versteckmöglichkeiten. Hohe Wildunfallzahlen und ein fehlender genetischer Austausch sind die Folge und können den Fortbestand der Arten gefährden. Auch eine Anpassung an den Klimawandel wird dadurch erschwert.

Die Stiftung Naturlandschaften des Landes hat daher ein Konzept zur Wildwanderung erstellt. Im Idealfall soll der Wildkorridor von Polen bis nach Sachsen-Anhalt reichen und die Naturräume verbinden. „Aber nur Weniges davon ist bislang umgesetzt“, sagt der Geschäftsführer der Stiftung, Andreas Meißner. „Es fehlt an Geld.“ Dabei helfen die Berme genannten Laufstege für Fischotter nicht nur ihnen. „Auch andere Arten nutzen sie gern“, sagt Meißner. Biber würden sich darauf ebenfalls auf ausgiebige Wanderungen machen.

Es bestehen regelrechte Amphibienleitsysteme, um den Tieren die Wanderschaft zu erleichtern. Dabei handelt es sich um dunkelgrüne, kniehohe Metallzäune, die die Tiere zu den sicheren Überquerungshilfen leiten. „Das ist der Idealfall“, sagt Meißner. Aber auch der teuerste Weg des Tierschutzes. Deswegen greift die Stiftung zum Beispiel beim Krötenschutz auch auf weniger kostenintensive mobile Zäune zurück, an denen in bestimmten Abständen Eimer in den Boden eingelassen sind. Die Kröten fallen bei ihren Wanderungen zum Laichplatz dann hinein und werden von Naturschützern über die Straße getragen. „Das ist natürlich sehr personalintensiv“, sagt Meißner. Denn die Eimer müssen täglich überprüft und auf die andere Straßenseite getragen werden.

Für größere Säugetiere werden Brücken errichtet, auf denen Rot- und Damwild gefährliche Straßen und Bahntrassen überqueren können. An der B 101, die von Berlin wie die B 96 nach Süden führt, sind gleich mehrere davon aufgestellt. „Das nützt nicht nur den Tieren, sondern hilft auch, Verkehrsunfälle mit Wildtieren zu vermeiden“, sagt Meißner.

Neue Wald- und Heckenstreifen für Käfer

Neben künstlichen Bauten setzt die Stiftung auch auf natürliche Hilfsmittel. „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Waldkäfer und marschieren zu Fuß los“, erklärt Meißner. Dann stoße man am Ende des Waldes an seine Grenze. „Zu hell und zu trocken ist der Weg ins nächste Waldstück.“ Die Arten kämen dann nicht mehr aus ihrem Waldstück heraus. Deswegen pflanze die Stiftung neue Wald- und Heckenstreifen, um auch den Waldkäfern die Wanderschaft und die Suche nach einem Paarungspartner zu ermöglichen.