Brandenburg

Dietmar Woidke: „Es gibt eine Sehnsucht nach Heimat“

Brandenburg wirbt um die Rückkehr einst Weggezogener und fördert Initiativen mit Beratung und Geld.

Brandenburg ist wirtschaftlich attraktiver geworden, sagt Ministerpräsident Dietmar Woidke (hier bei Rolls-Royce).

Brandenburg ist wirtschaftlich attraktiver geworden, sagt Ministerpräsident Dietmar Woidke (hier bei Rolls-Royce).

Foto: Settnik/dpa

Potsdam.  Abgewanderte Brandenburger werden von ihrer alten Heimat stark umworben. Inzwischen gibt es in der Mark 13 Rückkehrinitiativen, die sich im Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“ zusammengeschlossen haben. An diesem Montag treffen sie sich zu einer Fachveranstaltung in Guben. Der Evangelische Pressedienst sprach mit Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) über den Versuch, einst Weggezogene wieder zurückzulocken.

Frage: Brandenburg wirbt – meist kurz vor Weihnachten – mit launigen Slogans wie „Mach Mutti glücklich. Komm zurück“ oder mit Postkarten-Aktionen für „entlaufene Brandenburger“ für die Rückkehr in die alte Heimat. Wie erfolgreich ist die Charmeoffensive?

Dietmar Woidke: Brandenburg wirbt bereits seit einiger Zeit um potenzielle Rückkehrer. Dabei unterstützen wir kommunale und regionale Initiativen, die sich als Ansprechpartner vor Ort kümmern, etwa bei der Arbeits- und Wohnungssuche oder zur Kinderbetreuung beraten. Das ist engagierte und heimatverbundene Arbeit. Sie hilft, die demografische Entwicklung in Brandenburg zu stabilisieren. Das unterstützen wir mit Beratung und mit Geld: Die Rückkehrinitiativen wollen wir in den Jahren 2019 und 2020 mit jeweils bis zu 230.000 Euro fördern.

Mit Erfolg?

Dieses Engagement trägt Früchte. Zwar gibt es keine ‚Rückkehrer-Statistik‘, aber aus der Beratungspraxis wissen wir, dass immer mehr einst ‚Ausgewanderte‘ wieder in der alten Heimat sind oder mit einer Rückkehr liebäugeln. Dabei spielt die fundamental verbesserte Wirtschaftslage bei uns in Brandenburg eine wichtige Rolle. Das liegt aber natürlich auch an der Sehnsucht nach Familien, Freunden und Heimat. Gerade zu den Feiertagen sind viele ehemaligen Brandenburger bei ihren Lieben zu Hause zu Besuch. Das wissen auch die Rückkehrer-Initiativen, die in dieser Zeit etwa in der Lausitz oder in Eberswalde auf speziellen Messen – auch in diesem Jahr wieder – gezielt Interessierte ansprechen.

Was lockt die Ex-Brandenburger denn wieder zurück?

Am kommenden Montag gibt es darauf Antworten. Ich bin selbst sehr gespannt. Das Netzwerk in Guben wird dann die ersten Ergebnisse einer Befragung zur Motivation bei Rückkehr und Zuzug in den drei Brandenburger Städten Wittstock/Dosse, Guben und Finsterwalde vorstellen. Ich bin dabei und freue mich auf das Gespräch mit den Initiativen. Sicherlich sind familiäre Gründe und vielleicht auch unserer hiesiger Lebensstil, aber auch die altbekannte schöne Landschaft ausschlaggebend. Und es zeichnet sich ab, dass neun von zehn Rückkehrern ihre Entscheidung nicht bereut haben. Das ist gut und lässt auf viele weitere Rückkehrer hoffen.

Seit den 1990er-Jahren haben rund 800.000 Brandenburger ihre alte Heimat verlassen. Werbeaktionen allein reichen nicht aus, um das zu kompensieren. Was braucht Brandenburg noch, damit die Bevölkerung nicht weiter schrumpft?

In den vergangenen Jahren hat sich erfreulicherweise die Zahl der Geburten in Brandenburg wieder positiv entwickelt. Kinderfreundliche Politik zahlt sich aus und das wird auch so bleiben. Fakt ist aber auch: Den aktuell etwa 20.000 Geburten stehen jährlich etwa 30.000 Sterbefälle gegenüber. Also würden wir per Saldo schon jetzt einen jährlichen Überschuss aus Zugezogenen und Rückkehrern von 10.000 Menschen benötigen, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. Das Statistikamt sagt, dass uns das vermutlich nicht gelingen wird und wir uns bis 2030 auf rund 2,45 Millionen Brandenburgerinnen und Brandenburger einstellen müssen, also einen Rückgang von etwa 44.000 Menschen gegenüber 2016. Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand, sondern wir wissen um unsere Stärken. Ein attraktives Brandenburg für alle wird weiter Anziehungskraft entfalten, auf ehemals Weggezogene oder auf andere Menschen, die ihr Glück in der Mark machen wollen.