Bevölkerungsentwicklung

Brandenburg wächst nur im Berliner Speckgürtel

Die Zahl der Einwohner sinkt wegen des Geburtenrückgangs weiter. Das Berliner Umland bleibt aber attraktiv.

Die Brandenburger Straße in Potsdam ist eine beliebte Einkaufsmeile.

Die Brandenburger Straße in Potsdam ist eine beliebte Einkaufsmeile.

Foto: picture alliance

Potsdam.  Trotz des anhaltenden Zuzugs aus Berlin wird die Zahl der Brandenburger in den kommenden Jahren abnehmen. Das geht aus der Schätzung der Bevölkerungsentwicklung des Statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg und des Brandenburger Landesamtes für Bauen und Verkehr hervor, die am Donnerstag vorgestellt wurde.

Nach der Prognose der beiden Behörden wird sich die Zahl der Brandenburger in den kommenden beiden Jahren leicht auf 2,52 Millionen Einwohner erhöhen, danach aber bis zum Jahr 2030 kontinuierlich auf rund 2,45 Millionen sinken.

Das Umland wächst weiter, die Provinz verliert Einwohner

„Verantwortlich dafür ist vor allem der Rückgang der Geburten“, sagte Martin Axnick vom Statistischen Landesamt. Der Prognose zufolge wird die Zahl der Geburten von derzeit fast 21.000 pro Jahr auf 16.000 zurückgehen. Die erwartete Zuwanderung aus Berlin, dem Bundesgebiet oder dem Ausland kann dieses Minus nicht kompensieren.

Dabei verläuft die Entwicklung in Brandenburg sehr unterschiedlich. Während die Bevölkerung der Schätzung zufolge bis zum Jahr 2030 im Umland um fast neun Prozent ansteigen wird, sinkt sie in den berlinferneren Regionen um acht Prozent.

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Brandenburg ist das erste Bundesland, das seine Bevölkerungsprognose den aktuellen Trends anpasst. Dazu gehören vor allem die hohe Einwanderung aus den Jahren 2015 und 2016 einerseits und auch die Wanderungsbewegungen aus Berlin ins Umland andererseits, die in den vergangenen drei Jahren stark zugenommen haben, wie die Statistiker feststellten. Dass Brandenburg dennoch schrumpft, ist auch ein Signal an die Landesregierung. Vor einem Jahr wurde eine Verwaltungs- und Gebietsreform auch deshalb abgesagt, weil frühere Vorhersagen zum Bevölkerungsrückgang nicht eingetreten waren und betroffene Gemeinden einen Bevölkerungszuwachs verzeichneten.

Vorhersagen werden immer komplizierter

Das ist nach den Prognosen der Statistiker jedoch ein Trugschluss. Das Bevölkerungsplus ging demnach vor allem auf die im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 erfolgte Flüchtlingsmigration zurück. Am kommenden Dienstag wird sich die Landesregierung auf ihrer Kabinettssitzung mit den Schlussfolgerungen aus der neuen Bevölkerungsentwicklung auseinandersetzen.

Insgesamt mache die unklare internationale Krisen- und Migrationssituation und die Veränderung der Lebens- und Arbeitswelt durch die Digitalisierung Vorhersagen immer schwerer, hieß es. „Es besteht eine zunehmende Unsicherheit über die Zuwanderung aus dem Ausland oder Berlin“, sagte der Vorsitzende des Statistischen Landesamtes, Jörg Fidorra. „Das Wanderungsverhalten ist schwer einschätzbar.“

Dabei lohnt sich ein Umzug nach Brandenburg durchaus. Denn die Bewohner des Landes sind mit ihrem Leben überdurchschnittlich zufrieden. Das geht aus einer Studie der Universität Potsdam im Auftrag der Mittelbrandenburgischen Sparkasse hervor, die ebenfalls am Donnerstag vorgestellt wurde. Den Aussagen „Ich fühle mich in Brandenburg wohl“ und „Ich bin in Brandenburg zufrieden“ stimmen die meisten Bewohner zu. Beklagt wird lediglich das schlechte Image des Bundeslandes.

Das hat auch die Landesregierung erkannt und eine neue Imagekampagne mit dem Slogan „Brandenburg – es kann so einfach sein“ auf den Weg gebracht. Sie soll in einem ersten Schritt das Image vor allem im Land selbst verbessern. Brandenburger schätzen vor allem die Nähe zu Berlin und die viele Natur rund um die Metropolenregion.

Drei von vier Zuzüglern ziehen ins Umland

Nach der Auswertung des Statistischen Landesamtes ziehen vor allem Familien nach Brandenburg, während vor allem 18- bis 30-Jährige – wohl aufgrund der beruflichen Ausbildung nach dem Schulabschluss – das Land verlassen. Als junge Familien kehren sie oft wieder
zurück und ziehen dann vor allem ins Umland von Berlin. Drei von vier Neu-Brandenburgern ziehen in den Speckgürtel.

Obwohl sich der Bevölkerungsrückgang in den ländlichen Räumen weiter fortsetzt, haben die Statistiker aber auch eine gute Nachricht in den Zahlen gefunden: Das Schrumpfen geschieht langsamer, als sie es noch vor drei Jahren vorhergesagt haben. Offenbar ziehen die Menschen nicht nur von dort weg, sondern auch einige wieder hin.

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