Seuche

Brandenburg wappnet sich gegen Schweinepest

Behörden rechnen jeden Tag mit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest. Züchtern drohen Exportverbot und Milliardenschäden.

Ein Ausbruch der Seuch hätte weitreichende Folgen

Ein Ausbruch der Seuch hätte weitreichende Folgen

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Potsdam. Die Frage ist nicht ob, sondern wann der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest in Brandenburg auftritt. Die hochansteckende und tödlich verlaufende Seuche ist aus Richtung Osteuropa auf dem Vormarsch nach Westen. „Die Seuche kann täglich bei uns ausbrechen“, sagt Brandenburgs leitender Tierarzt, Stephan Nickisch. Unaufhaltsam rücke sie aus Osteuropa Richtung Westen vor. Erste Fälle in Tschechien und Belgien haben die Landesregierung in Potsdam nun bewogen, den Schutz vor der Afrikanischen Schweinepest und das Notfallszenario deutlich auszubauen.

Im Fall des Ausbruchs werden demnach drei Sperrkreise rund um den Fundort gebildet. Die Kernzone im Umkreis von drei bis vier Kilometern darf dann außer von Amtspersonen und Jägern nicht mehr betreten werden. Das Gebiet wird von Zäunen abgeriegelt. Wo das nicht möglich ist, werden sogenannte Duftzäune errichtet. Baumstämme mit in Buttersäure getränktem Bauschaum werden aufgestellt, um Wildschweine am Passieren zu hindern. „Sie mögen den Geruch der Buttersäure überhaupt nicht“, sagt Nickisch. So soll verhindert werden, dass die Tiere die Seuche in andere Gebiete tragen.

Im Umkreis von 15 Kilometern soll dann in einem zweiten Schritt das gesamte Schwarzwild erlegt werden. Die Tiere werden mit Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, aufgespürt. In einem Sperrkreis von 30 Kilometern besteht ein Verbot der Freilandhaltung von Schweinen, alle tot aufgefundenen Tiere werden in Spezialcontainern untersucht und entsorgt. Zudem wird es Erlegungsprämien für Jäger geben, um den Bestand schnell zu reduzieren.

Seuche trat zuerst vor zehn Jahren in Georgien auf

„Wir sind sensibel, Brandenburg ist gut vorbereitet“, sagte Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Linke) am Freitag in Potsdam. „Als Transitland leben wir ständig in der Gefährdung eines Ausbruchs.“ Allein an der deutsch-polnischen Grenze werden jährlich sechs Millionen Ein- und Ausreisen regis­triert. Die tückische, für Menschen ungefährliche Seuche wurde vor zehn Jahren aus Afrika zunächst nach Georgien eingeschleppt. Von dort breitete sie sich seitdem kontinuierlich aus. Derzeit sind vor allem das Baltikum, die polnische Ostgrenze und Rumänien betroffen, wo sie sich festgesetzt hat.

Das Tückische an der Afrikanischen Schweinepest ist, dass sie sich nicht nur regional ausbreitet, sondern neue Fälle oft Hunderte Kilometer entfernt von den betroffenen Regionen auftreten. Veterinäre gehen deshalb davon aus, dass die Seuche auch durch mitgeführte Wurstwaren, infizierte Kleidung oder Jagdtourismus übertragen wird. Das legen einzelne Fälle in Tschechien und zuletzt Belgien nahe. Dort wurden die toten Wildschweine in der Nähe einer Autobahnraststätte gefunden, auf der sie sich womöglich durch weggeworfene Essensreste mit dem tödlichen Virus infiziert hatten.

Ausbruch der Schweinepest mit Folgen für die Landwirtschaft

Ein Ausbruch der Seuche hätte nicht vorhersehbare, aber mit Sicherheit katastrophale Folgen für die Landwirtschaft. Sollte ein Fall in Deutschland auftreten – egal wo –, bestünde sofort ein Exportverbot für deutsches Schweinefleisch in Länder außerhalb der Europäischen Union (EU). Deutsche Schweinehalter haben im vergangenen Jahr rund 2,5 Millionen Tonnen exportiert, rund ein Fünftel der Gesamtproduktion – vor allem nach Osteuropa, Russland und China. Gleichzeitig würde der Preis für Schweinefleisch wegen des plötzlichen Überangebotes stark fallen. Schweinezüchter wären von einem Exportverbot und dem Preisverfall besonders betroffen, manche sogar in der Existenz bedroht.

Innerhalb der EU könnte der Handel eingeschränkt fortgeführt werden. Es würde lediglich eine Region rund um den Fundort bestimmt, aus der kein Handel verboten würde. Nach Berechnungen des Landesbauernverbandes würden Einkommensverluste in Milliardenhöhe entstehen.

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