Luft- und Raumfahrt

"Green Aviation" - Wie Brandenburg ökologisch abhebt

Auf dem Tag der Luft- und Raumfahrt diskutieren Experten. In der Branche arbeiten in Brandenburg rund 170.000 Menschen.

Auf dem Prüfstand: Bei Rolls-Royce Deutschland in Blankenfelde-Mahlow wird ein Triebwerk des Typs V 2500 getestet

Auf dem Prüfstand: Bei Rolls-Royce Deutschland in Blankenfelde-Mahlow wird ein Triebwerk des Typs V 2500 getestet

Foto: dpa Picture-Alliance / Jochen Zick / picture alliance / Keystone

Wildau.  Als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) versuchte, den Wahlkampf mit einer eigenen bayerischen Raumfahrtmission zu retten, half das nichts – die CSU schnitt so schlecht ab wie seit 70 Jahren nicht. Berlin und Brandenburg sind da weiter. Auf dem 14. Luft- und Raumfahrttag in Wildau am heutigen Donnerstag diskutieren Experten der Luft- und Raumfahrt nicht nur, ob man abhebt, sondern auch, wie das auch möglichst umweltschonend geschehen kann.

„Green Aviation – Zukunftschance für die Region?!“ lautet das Motto des diesjährigen Treffens. Ginge es allein nach den Zahlen, so bedarf es keines Fragezeichens: In Berlin und Brandenburg sind insgesamt 170.000 Menschen in etwa 100 Unternehmen der Luft- und Raumfahrt beschäftigt. „Wir sind ordentlich aufgestellt“, sagt Gerhard Janßen, Geschäftsführer des Zentrums für Luft- und Raumfahrt Schönefelder Kreuz. „Vor allem am südlichen Berliner Ring sammelt sich einiges von Rang und Namen.“

Mit den Turbinenherstellern Rolls-Royce und MTU haben sich zwei Flaggschiffe der Luftfahrt im Süden angesiedelt. Nicht ausgeschlossen ist, dass Rolls-Royce weitere Produktionsstätten nach Ludwigsfelde verlagert, sollte es zu einem harten Brexit kommen. Dazu kommt mit der Technischen Hochschule Wildau ein Hochschul- und Wissenschaftsstandort. „Rund um den Hochschulcampus sind derzeit Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro absehbar“, verweist Janßen auf die Dynamik des Wirtschaftsstandortes. „Hier ist ein international weit entwickeltes Cluster entstanden.“

Region setzt auf ansässige Luftfahrtunternehmen

Anders als die Bayern mit ihrem angekündigten kühnen Raumfahrtprogramm setzt die Region Berlin-Brandenburg dabei auf realistische Ziele. „Auch wenn hier in der Mark sowohl die Luftfahrt- als auch die Raumfahrtindustrie zu Hause ist, agieren wir nicht ,völlig losgelöst von der Erde‘“, zitiert Brandenburgs Wirtschaftsstaatssekretär Hendrik Fischer eine Zeile aus Peter Schillings Hit „Major Tom“. „Wir bauen stattdessen auf die hier ansässige große Kompetenz in Luftfahrttechnik, und wir sehen unsere Chancen vornehmlich im Bereich der Technologien für den unmittelbareren Luftraum – also nicht der Raum, in dem Major Tom unterwegs ist“, sagt Fischer .

Bei dem Tag der Luft- und Raumfahrt in Wildau geht es an diesem Donnerstag deshalb vor allem um die aktuellen Trends beim Hybridantrieb für Flugzeuge. Die Fachvorträge behandeln Themen zu den Fragestellungen: Wie funktioniert Elektromobilität in der Luft, welche alternativen Kraftstoffe könnte es geben, und wie leistungsstark sind Hybridtriebwerke für Flugzeuge?

Zwar existieren schon einige elek­trisch unterstützte Triebwerke für Flugzeuge, die allerdings nur bei kleinen Fliegern zum Einsatz kommen. Bis ein Urlaubsflieger durch elektrisch erzeugte Triebkraft abhebt, werden noch Jahre vergehen. Aber: „An dem Thema sind alle dran“, sagt Luft- und Raumfahrt­experte Janßen – und Berlin und Brandenburg wollen dabei eine wichtige Rolle spielen. „Wenn wir schon so viele Unternehmen der Antriebstechnik hier haben, wären wir dumm, wenn wir das nicht nutzen.“

Das Cluster Luftfahrt ist fast aus dem Nichts entstanden

Das Zentrum bemühe sich deshalb darum, die bereits vorhandenen Unternehmen zu halten und neue dazuzugewinnen, um die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre fortzusetzen. „Die Luftfahrtbranche in der Hauptstadtregion hat sich nach der Wende von ,eigentlich nicht vorhanden‘ zu einem Wachstumstreiber und wichtigen Arbeitgeber in der Region entwickelt“, sagt Wirtschaftsstaatssekretär Fischer, der die Tagung mit eröffnen wird. „Ziel ist, die Hauptstadtregion als Kompetenzregion für emissionsarme Antriebe zu etablieren.“ Wenn das gelinge, würden Brandenburg und Berlin ein Leuchtturm der Luftfahrttechnik, der weit über Deutschland hinaus strahlt – „vielleicht sogar bis in den Weltraum“, so Fischer.

Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich die „Berlin-Brandenburg Aerospace Allianz“ gegründet, die den Tag der Luft- und Raumfahrt zusammen mit dem Luftfahrtzentrum und der Technischen Hochschule veranstaltet. „Die Allianz ist eine Hausnummer“, sagt Janßen. Sie gehört mittlerweile zu den größten Interessenverbänden der Luftfahrt Europas.

Eine zusätzliche Sogwirkung erhoffen sich die Luft- und Raumfahrtexperten von der Eröffnung des Flughafens BER in Schönefeld – wenn es denn so weit ist. „Das wird noch einmal einen ordentlichen Schub geben“, sagt Janßen. Dann könnte es auch so weit sein, dass ganze Firmen- oder Europazentralen in die Region ziehen, die bislang in Berlin und Brandenburg fehlen. „Schon jetzt ziehen Tech-Unternehmen in die Nähe des Flughafens“, sagt der Luft- und Raumfahrtexperte. Die Region habe das Potenzial, eine echte Wachstumsregion zu werden – auch jenseits von Hotels und Logistik.