Wohnungsbau

Berlin will Stadtgüter in Brandenburg bebauen

Selber bauen aber will das Land nicht, das sollen die Kommunen in Brandenburg übernehmen.

Dank S-Bahnanschluss ist Berlin gut zu erreichen: Blick auf den Ortseingang von Blankenfelde im Landkreis Teltow-Fläming.

Dank S-Bahnanschluss ist Berlin gut zu erreichen: Blick auf den Ortseingang von Blankenfelde im Landkreis Teltow-Fläming.

Foto: dpa Picture-Alliance / Hans Wiedl / picture alliance / zb

Potsdam.  Auf den Flächen der Berliner Stadtgüter in Brandenburg sollen künftig Wohnungen entstehen. „Wir haben es ermöglicht, dass auf Flächen der Stadtgüter gebaut werden kann“, sagte Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) am Montag auf der Konferenz „Gutes Wohnen in Brandenburg“ in Potsdam. Die Stadtgüter verfügen insgesamt über 16.000 Hektar Land in Brandenburg. „1400 davon befinden sich im Gestaltungsraum Siedlung“, sagte Lompscher. Die Flächen können nun von den benachbarten Gemeinden und Kommunen zum Wohnungsbau genutzt werden. Selber bauen will das Land nicht, das sollen die Kommunen vor Ort übernehmen, die die Flächen in Erbbaupacht entwickeln können.

Auf der Konferenz zogen Lompscher und ihre Brandenburger Kollegin Kathrin Schneider (SPD) eine Bilanz der gemeinsamen Wohnungspolitik. Seit zwei Jahren arbeiten beide Länder enger zusammen, um gemeinsam das Siedlungsgebiet rund um Berlin zu gestalten. Beide Länder kamen überein, dass künftig vor allem der Bau von Mehrfamilienhäusern rund um Berlin gefördert werden soll. Dabei sollen die Potenziale nicht nur im Speckgürtel rund um die Hauptstadt genutzt werden, sagte die brandenburgische Infrastrukturministerin Schneider.

„Beispielsweise verfügen die Städte in der zweiten Reihe über Wohnraumangebote, die den Berliner Markt entlasten können.“ Dabei handelt es sich um jene Städte, die innerhalb einer Stunde vom Berliner Stadtzentrum aus erreicht werden können, wie zum Beispiel Eberswalde, Nauen, Luckenwalde und Bernau. „Denn nur dort lässt sich wirtschaftlich die notwendige Verkehrsanbindung und die übrige Infrastruktur schaffen“, sagte Schneider. Dabei sollen auch die Berliner Wohnungsbaugesellschaften helfen. Sie seien inzwischen in Einzelfällen auch über die Landesgrenze hinaus aktiv, sagte Lompscher.

Auch in Brandenburg wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Während Berlin derzeit um jährlich 30.000 bis 40.000 Einwohner wächst, ziehen auch 20.000 bis 30.000 Menschen mehr nach Brandenburg als wegziehen. Deswegen hat Brandenburg ein neues Förderprogramm in Höhe von 100 Millionen Euro aufgelegt, um den Neubau von bezahlbarem Wohnraum zu unterstützen. „Das Wachstum endet nicht an der Stadtgrenze“, sagte Lompscher. Gesellschaften, Genossenschaften und private Investoren können im sozialen Wohnungsbau bei Neubauten ab sofort statt bisher maximal 1800 Euro bis zu 2500 Euro pro Quadratmeter beantragen. Der Großteil dieser Förderung läuft allerdings als Darlehen.

Auch in Brandenburg steigen die Mieten

Der Zuzug bedeutet in den meisten Fällen auch einen Anstieg der Mieten. Dies führe dazu, dass die Mieten nicht nur für die unteren Einkommensschichten, sondern auch für Bezieher mittlerer Einkommen in bestimmten Regionen unerschwinglich würden, klagte der Vorsitzende des Mieterbunds in Brandenburg, Rainer Radloff. „Zehn bis zwölf Euro netto kalt ist auch für Bezieher mittlerer Einkommen wie Polizisten oder Krankenschwestern nicht mehr bezahlbar.“

Wohnungsneubau soll in der Region vor allem an den Straßen und Schienenverbindungen entlang gefördert werden – dem sogenannten Siedlungsstern. Das soll das Umland für Pendler attraktiver machen, außerdem will sich Brandenburg den naturnahen Charakter nicht durch eine flächendeckende Zersiedlung zerstören. Neue Siedlungsachsen sollen nur nach Wandlitz im Norden und Werneuchen im Nordosten entstehen.

Seit zwei Jahren sind in Brandenburg alle Beteiligten – Wohnungsbaugesellschaften, Politik, private Wohnungsunternehmen, Mieterverein und der Gemeinde- und Städtetag – in einem Wohnungsbündnis aktiv. Wohnungsunternehmen und Mieterverein lobten zwar die Bemühungen für mehr bezahlbaren Wohnraum in Brandenburg, forderten aber gleichzeitig mehr Anreize. „Es darf keinen weiteren Anstieg der Baukosten mehr geben“, sagte die Vorsitzende der Berliner und Brandenburger Wohnungsunternehmen, Maren Kern. „Wir brauchen Neubau in ziemlich hohem Tempo.“ Die Brandenburger Industrie- und Handelskammer forderte schnellere Genehmigungsverfahren, um die Planungs- und Bauzeiten zu beschleunigen.

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