Potsdam

Den Geheimnissen der Bäume auf der Spur

Naturpädagoge Claas Fischer führt durch Potsdams Parks und zeigt, was in den Gehölzen steckt.

„Eine magische Anziehung“ haben Bäume auf Claas Fischer

„Eine magische Anziehung“ haben Bäume auf Claas Fischer

Foto: Patrick Pleul / picture alliance/dpa

Potsdam.  „Nur wer sich von der Erde ernähren kann, ist wirklich frei.“ Mit Anfang 20 stolperte Claas Fischer erstmals über das Motto australischer Ureinwohner. Die Devise hat den heute 46-Jährigen seither nicht mehr losgelassen und seinen beruflichen Werdegang bestimmt. „Damals wurde mir bewusst, wie entfremdet ich von der Natur bin“, sagt Fischer. Davon ist heute keine Rede mehr. Fischer sieht sich als Mittler zwischen Mensch und Natur. Einer Natur, die er Interessierten bei seinen Baumführungen und Erlebnistouren durch Potsdams Parks und Gärten nahe bringt. Soeben ist sein Gehölzführer durch Potsdam erschienen.

In den von Gartenkünstlern wie Peter Joseph Lenné, Karl Foerster oder Fürst Pückler-Muskau gestalteten Landschaften kennt sich Fischer bestens aus. 1995 kam der gebürtige Sauerländer zum Studium der Geoökologie nach Potsdam. „Damals war ich gerade aus der kargen Hochwüste Neu Mexikos nach Deutschland zurückgekehrt“, erzählt der hagere Mann mit dem langen Haar und der Nickelbrille. „Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus über dieses kraftvolle leuchtende Grün der Vegetation in meiner Heimat – das war ein irrer Kontrast.“

Vor allem von den Bäumen sei für ihn „eine magische Anziehung“ ausgegangen, die ihn nicht mehr losließ. Ebenso wie die Faszination für die Stadt Potsdam – gerade wegen ihrer vielfältigen Naturkulisse. Nach seinem Studium hängte er gleich noch eine Ausbildung in Geomantie, der Weissagung aus der Erde, an. Für ihn eine logische Konsequenz: „Durch die Geoökologie bekam ich das Wissen über die Physis der Natur, durch die Geomantie das Verständnis für die Psyche – für die Wirkkräfte der Natur, ihre Wechselwirkungen auf den Menschen.“ Eine Fortbildung zum Natur- und Landschaftspfleger habe ihm schließlich das praktische Werkzeug zur Vermittlung seiner Erkenntnisse gegeben.

Mit Firma „Natürlich stimmig“ selbstständig

So ausgerüstet, machte sich Fischer 2004 mit seiner Firma „Natürlich stimmig“ selbstständig. Seither bietet er Erlebnisprogramme, Naturworkshops für Kinder und Erwachsene, Vorträge und Führungen an. Die führen vornehmlich in öffentliche Parks und Gärten wie den Park Sanssouci, den Babelsberger Park, den Neuen Garten und in den Schlosspark Klein-Glienicke oder auf die Freundschaftsinsel. Manchmal lädt er auch zu Besichtigungen in seinen eigenen Waldgarten vor den Toren Potsdams ein.

Das 1400 Quadratmeter große Grundstück hat er vor zehn Jahren gekauft. „Das war ein völlig verwahrlostes Stück Land“, erinnert er sich, „übersät mit Müll“. Gemeinsam mit seiner Frau machte er sich daran, Altlasten zu entsorgen, Wege freizulegen, Gehölze zu pflanzen. „Mittlerweile ist ein kleines Arboretum für Nutzgehölze entstanden“, sagt Fischer nicht ohne Stolz: Mehr als 160 verschiedene Gehölzarten sind in seinem kleinen Gartenreich zu Hause. Fein säuberlich hat der 46-Jährige den Bestand dokumentiert – von der pflaumenblättrigen Apfelbeere bis hin zur chinesischen Blaugurke. „Die kobaltblauen gurkenähnlichen Früchte, die im September bis Oktober heranreifen, ziehen Besucher immer wieder in ihren Bann“, freut sich der Naturkundler. „Die schmecken wie Melonen.“

Lieblingsbaum nicht im heimischen Garten

Fischers Lieblingsbaum aber wächst nicht im heimischen Garten, sondern im Volkspark Potsdam, gleich am Eingang: der amerikanische Amberbaum mit seinen sternförmigen Blättern und den Früchten, die wie kleine Igel aussehen. Bei seinen Führungen lässt er die Teilnehmer gern mal ein Blättchen zerreiben. „Dieser warme und herbe Duft ist einzigartig“, schwärmt Fischer. „Die Augen schließen und schnuppern – da denkt man, man liegt in einem Kräuterbad.“

Ins Staunen versetzen kann Fischer Naturinteressierte auch bei seinen Baumwanderungen durch den Neuen Garten: Vom Eingang am Braunen Haus aus nur einmal kurz rechts in den Weg eingebogen, schon steht man vor einigen wuchtigen Exemplaren der nordamerikanischen Jeffrey-Kiefer. Einen Umfang von fast zwei Metern hat Fischer gemessen. „Und wie groß diese Zapfen sind.“ Fischer nimmt ein Exemplar in die Hand, „der ist gute 30 Zentimeter lang.“

Diverse Pflanzen auch für die Gesundheit nützlich

Üblicherweise lässt sich der Ranger anderthalb bis zwei Stunden Zeit für seine naturkundlichen Streifzüge durch die Potsdamer Parklandschaft. Dann führt er zu Atlas-Zeder, Krim-Linde, Tulpenbaum. Nützlich seien diverse Pflanzen auch für die Gesundheit. „Die Robinie zum Beispiel“, erklärt er. Die sei nicht nur Honigspender, „Robinientee wirkt fiebersenkend und krampflösend“. Und ein Baumblättersalat sei einfach köstlich. „Da muss ich bei meinen Führungen oft erst mit Mythen aufräumen, dass Blätter ungenießbar seien.“ Die Leute wüssten oft gar nicht, was in ihrer Umgebung alles essbar ist. Eine Wissenslücke, die der Naturkundler unter anderem bei seinen Kräuterführungen schließt.

Infos zu den naturkundlichen Führungen und zum Kartenspiel „Waldgärtner“ unter www.natuerlich-stimmig.de Fischers Buch „Gehölze in Potsdam und Umgebung. Ein dendrologischer Führer durch 20 Parks und Gärten“ (Verlag terra press) kostet 14,80 Euro.

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