Villa Schöningen

Ausstellung: Wenn „Lohengrin“ auf Preußen trifft

Die Villa Schöningen zeigt Elemente des Bayreuther Bühnenbilds von Neo Rauch und Rosa Loy .

Die Kostüme des Volkes von Brabant – die Mottenflügel leuchten im blauen Schilf

Die Kostüme des Volkes von Brabant – die Mottenflügel leuchten im blauen Schilf

Foto: Jörg Krauthöfer

Potsdam. Die Villa Schöningen, unmittelbar hinter der Glienicker Brücke, ist eingebetet in zutiefst preußischer Landschaft. Wer aus dem ersten Stock der Villa auf die Havel hinausschaut, sieht helle Segelboote auf dem in der Sonne glitzernden Wasser, den weiten Brandenburger Himmel, blickt in der Ferne zwischen viel Grün auf die schöne Sacrower Heilandskirche. Und doch, hier ist noch etwas anderes im Raum, so gar nicht preußisch klar, ein raunendes Schilf, dicht und undurchsichtig, im bläulichen Ton gehalten, die Farbe der Dämmerung und Nacht. Was ist hier los?

Die beiden Künstler schufen einen Wachtraum in Blau

Wagner ist hier los. Und nicht nur der. Im Sommer feierte „Lohengrin“ in Bayreuth Premiere. Das Bühnenbild gestaltete der Maler Neo Rauch, die Kostüme kamen von der Malerin Rosa Loy, seiner Ehefrau. Die beiden schufen zusammen einen Wachtraum in Blau um den geheimnisvollen Helden herum, der von einem Schwan gezogen im Fürstentum Brabant auftaucht und dort die schöne Fürstentochter Elsa rettet – die beiden verlieben sich ineinander und heiraten. Lohengrins einzige Bedingung an Elsa: Sie darf ihn nie nach seinem Namen fragen.

In der Villa Schöningen ist es allerdings der grasgrüne Gottfried, der verschollene Bruder Elsas, der einen am Beginn der Ausstellung als Figur begrüßt. Danach wird alles sehr, sehr blau. Die Skizzen, die Kostüme, die für Neo Rauch typischen Starkstromisolatoren, die im Bayreuther Bühnenbild eine große Rolle spielen, genauso wie die Trafostation im Zentrum des Bühnenbilds. Ritter Lohengrin als Energieschub für das ältliche Brabant.

Wer in Bayreuth auf den engen Stühlen des Festspielhauses saß, war wie berauscht von so viel Blau, dem Neo Rauch zurecht eine „narkotisierende Wirkung“ zuschreibt. Und auch hier in der Villa spürt man die Kraft – drei Wolkenbilder Rauchs hängen nebeneinander in einem Raum, kunstvolle Entwürfe für die spätere Theatergaze, die dann den Zuschauer beim zweiten Aufzug in eine unwirkliche Zwischenwelt aus Traum und Wachsein versetzten, irgendwo zwischen Schilf, Weite und Nachthimmel, in der die Figuren herumirrten.

Warum blau, wird Mathias Döpfner an diesem Sonntag die beiden Künstler Rauch und Loy direkt fragen. Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, ist Hausherr der Villa Schöningen, einem Ausstellungsort für Kunst. Und Rauch wird ihm antworten, er habe auch andere Farben probiert. Aber das Blau sei es dann gewesen. „Es kam sehr stark aus der Musik“, so Rauch.

Schon wer das Vorspiel von Wagners „Lohengrin“ hört, verspürt das Berauschende dieser Musik, die so viel Sehnsucht auslöst. Das Blau, das doch eigentlich als kühle Farbe gilt, lässt den Zuschauer tief in die Töne eintauchen. Nur einmal, im Schlafgemach des frisch verheirateten Paares, wechselt die Farbe. Doch nicht in ein romantisches Rot, sondern eher in ein alarmierendes Orange. Es geht ja auch nicht gut zwischen Elsa und Lohengrin.

Und ganz am Schluss tritt eben der grasgrüne Gottfried auf, der in der Villa Schöningen nun die Besucher zu Beginn begrüßt. Allein das Farbenspiel dieser feinen Ausstellung macht Freude. Dafür muss man noch nicht mal in Bayreuth gewesen sein.

Villa Schöningen, Berliner Straße 86 in Potsdam. Geöffnet: Do. bis So. von 12 bis 18 Uhr. Eintritt: 5 Euro (ermäßigt 3). Bis 13. Januar

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