Neuruppin

Der Spreewald zieht die meisten Touristen an

Brandenburg ist beliebt, wie die steigenden Gästezahlen beweisen. Im Luxussegment gibt es jedoch erst einen Betrieb.

Ein Spreekahn und Paddelboote auf einem Fließ bei Lübben

Ein Spreekahn und Paddelboote auf einem Fließ bei Lübben

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / Patrick Pleul

Neuruppin. Der Tourismus in Brandenburg befindet sich weiter im Aufwind. Die brandenburgischen Gastbetriebe meldeten im ersten Halbjahr 2018 insgesamt 2,3 Millionen Gästeankünfte und sechs Millionen Übernachtungen, das entspricht einem Anstieg von 4,2 und 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das geht aus dem Tourismusbarometer hervor, den der Ostdeutsche Sparkassenverband am Freitag in Neuruppin vorstellte.

Für das gesamte Jahr 2017 lag der Zuwachs bei den Übernachtungen bei 1,6 Prozent. „Bei aller Freude über steigende Gästezahlen sollten wir vor allem darauf achten, dass unsere Gäste zufrieden sind“, sagte der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Michael Ermrich. „Erfolg im Tourismus braucht eine konsequente Qualitätsorientierung und kundennahe Ausrichtung.“

Im vergangenen Jahr lockten vor allem die südlichen Reisegebiete Brandenburgs mehr Gäste an. Hier entstehen auf den Flächen des ehemaligen Kohletagebaus zahlreiche neue Seen. Mit dem Tropical Islands bei Cottbus verfügt die Region zudem über den größten Hotel- und Freizeitbetrieb Ost-Deutschlands. Mehr als eine Million Gäste besuchten im vergangenen Jahr das Tropical Islands in der ehemaligen Luftschiffhalle, viele davon übernachteten in den bereitstehenden Ferienhäusern.

Auch das Seenland Oder-Spree ist sehr beliebt

Die meisten Gäste besuchten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres den Spreewald (347.000) und das Seenland Oder-Spree (326.000), die wenigsten reisten nach Elbe-Elster (27.000) und die Niederlausitz (36.000). Allerdings zeigten sich diejenigen, die in die entlegenen Regionen Brandenburgs reisten, am zufriedensten mit ihrem Aufenthalt. Nachholbedarf hat Brandenburg nach wie vor bei dem Anteil ausländischer Touristen. Neun von zehn Besuchern kamen aus dem Inland, nur jeder zehnte Brandenburg-Tourist stammte aus dem Ausland. Die meisten reisten aus Polen (78.000) und den Niederlanden (42.000) an, gefolgt von Dänemark und Großbritannien.

Punkten kann Brandenburg dem Barometer zufolge vor allem mit seinem Naturangebot. Mit elf Naturparks, drei Biosphärenreservaten und einem Nationalpark sowie einem Unesco-Weltnaturerbe steht ein Drittel der Fläche des Landes unter Naturschutz. Vor allem der Wassertourismus auf den zahlreichen Gewässern hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Nachholbedarf im Luxussegment

Die wachsende Bedeutung des Tourismus spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wider. So stieg der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe gegenüber allen Beschäftigten auf 3,7 Prozent an. Nach Angaben der Brandenburger Tourismusmarketing-Gesellschaft (TMB) sind 81.900 Menschen direkt im Tourismus beschäftigt, dazu kommen noch einmal 18.400 Beschäftigte in angrenzenden Branchen. Insgesamt werden durch den Tourismus in Brandenburg sechs Milliarden Euro umgesetzt. Allerdings beklagt das Brandenburger Gastgewerbe auch einen zunehmenden Fachkräftemangel. Jede vierte Ausbildungsstelle im Gastgewerbe ist nach der Auswertung des Sparkassenverbandes derzeit unbesetzt.

Zum Ende des Halbjahres waren im Land Brandenburg 1496 Beherbergungsstätten geöffnet, die über 85.000 Betten verfügen. Die durchschnittliche Auslastung in diesem Zeitraum betrug 38,9 Prozent. Dazu kommen 167 Campingplätze mit insgesamt 10.200 Stellplätzen. Zudem stellten die Autoren der Untersuchung fest, dass auch das Angebot privater Vermieter steigt. Mittlerweile werden auf Portalen wie Airbnb 1800 Privatunterkünfte angeboten.

Um auch in Zukunft mehr Gäste begrüßen zu können, rät der Sparkassenverband den Unternehmen, sich zu spezialisieren. Urlauber suchten zunehmend individuelle Unterkünfte. Beherbergungsbetriebe sollten daher eine passende Nische besetzen. „Die Gäste wünschen sich eine klare Positionierung und möchten authentische Erlebnisse“, heißt es im aktuellen Tourismusbarometer. „Anbieter brauchen ein eigenes Thema oder müssen die Angebote auf die besonderen Wünsche von Zielgruppen ausrichten, wie zum Beispiel Radler oder Familien mit Kindern.“ Nachholbedarf sieht der Sparkassenverband im Luxussegment. Erst ein Betrieb würde sich mit seinem Angebot an Luxusreisende richten, heißt es.

Branche muss die Chancen der Digitalisierung nutzen

Der Sparkassenverband fordert die Tourismusbranche zudem auf, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. „Um zu wissen, was Gäste wollen, brauchen wir ein leistungsfähiges Tourismus-Monitoring und ein flexibles Datenmanagement“, sagte Ermrich. Noch mehr als die Hälfte der Gastbetriebe (55 Prozent) verfüge über weniger als 30 Betten. Gerade für diese Betriebe komme es darauf an, ihr Angebot an den Interessen potenzieller Gäste auszurichten.

Tourismus-Experten erwarten auch im kommenden Jahr einen Besucheranstieg in Brandenburg – dann feiert das Land den 200. Geburtstag des Brandenburg-Schriftstellers Theodor Fontane. In zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen wird an den Autor der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ erinnert. Am Freitag stellte der Landkreis Oberhavel bereits einen 280 Kilometer langen Radweg vor, der Stationen der Wanderungen miteinander verbindet.

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