Waldbrände

"Der Mensch ist immer noch die Brandursache Nummer eins"

Ausnahmezustand bei der Feuerwehr: Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter erklärt, warum es im Land besonders oft brennt.

Potsdam.  In der Waldbrandzentrale in Wünsdorf (Landkreis Teltow-Fläming) schrillt in diesen Tagen wegen der anhaltenden Trockenheit fast im Sekundentakt der Waldbrandalarm. Raimund Engel ist Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftragter und leitet die Zentrale seit 25 Jahren. Im Interview erklärt er, warum Brandenburg besonders häufig von Bränden betroffen ist.

Warum brennt es in Brandenburg häufiger als anderswo?

Raimund Engel: Brandenburg ist durch die Eiszeit geprägt. Das heißt, es gibt ausgeprägte Grund- und Endmoränen sowie große Sanderflächen. Wir haben in Brandenburg also in wirklich großen Dimensionen Flächen mit Sand. Hinzu kommen die Witterungsbedingungen und das subkontinentale Klima. In diesem Jahr hatten wir außerdem höhere Temperaturen und weniger Niederschläge. Im Schnitt haben wir pro Jahr 500 bis 550 Millimeter Niederschlag. Das erreichen wir dieses Jahr nicht. In der Summe ergibt sich folgendes Bild: Der wenige Niederschlag trifft auf sandigen und durchlässigen Boden. Standort und Klima bestimmen zudem die hauptsächliche Baumart. Das sind die Kiefern. Das Problem ist, dass unter Kiefern nicht viel wächst. Bei großer Trockenheit wirken die ätherischen Öle und die Harze der Kiefer zudem wie Brandbeschleuniger.

Durch was werden die meisten Brände Ihrer Erfahrung nach ausgelöst?

Der Mensch ist immer noch die Brandursache Nummer eins. Da gibt es die fahrlässige Brandstiftung, etwa durch eine unachtsam weggeworfene Zigarettenkippe und die vorsätzliche Brandstiftung, die leider auch immer wieder vorkommt. Auch alte Munition im Boden kann Brände auslösen. An letzter Stelle der Brandursachen rangieren die natürlichen, etwa durch Blitzeinschläge ausgelöste Feuer.

Wie geht man vor, wenn große mit Munition belastete Flächen brennen? Kann man da überhaupt etwas machen?

Sie müssen die Fläche über ein Wege- und Schneisensystem sichern. Deswegen ist man auch gut beraten, in solche Maßnahmen zu investieren und sie zu pflegen, damit man bei Bränden gefahrenlos löschen kann. Dann kann man die Feuer natürlich auch aus der Luft bekämpfen und auf Regen hoffen. Ich befürchte aber, dass man die Feuer in der Fläche abbrennen lassen muss.

Was können wir tun, um Waldbrände zu verhindern?

Wie gesagt: Der Mensch ist immer noch die Brandursache Nummer eins. Das beginnt beispielsweise mit der unachtsam weggeworfenen Zigarette an der Autobahn, die einen Brand auf der Böschung auslöst und hört bei der Landwirtschaft auf. Ein Landwirt kann zwar nicht verhindern, dass Waldbrände, dass Funkenflug bei einer Maschine einen Brand auslöst. Aber er könnte eine Schneise zwischen Waldrand und Feld pflügen. Das wäre eine Vorsichtsmaßnahme, die verhindern würde, dass sich ein Brand auf einem Feld in den Wald frisst. Waldbrände werden wir nicht verhindern können, aber wir können ein bisschen mehr aufpassen, dass es gar nicht erst dazu kommt.

Bemerken Sie einen Anstieg bei den Waldbränden in Brandenburg?

Das schwankt. Anfang der 2000er-Jahre hatten wir auch viele Einsätze mit 400 bis 680 Bränden im Jahr. Dieses Jahr ist auch auffällig. Man kann sagen, dass der Klimawandel sich bemerkbar macht.

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