Schutz vor Wölfen

Wolfsbeauftragte sollen bei Konflikten vermitteln

Die Wölfe sind in Brandenburg wieder heimisch geworden - zum Leidwesen der Landwirte. Wolfsbeauftragte geben Ratschläge.

Valeska de Pellegrini, Wolfsbeauftragte des Landes Brandenburg, inmitten von Landschafen

Valeska de Pellegrini, Wolfsbeauftragte des Landes Brandenburg, inmitten von Landschafen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Potsdam.  Valeska de Pellegrini hat bislang in ihrem Leben erst einmal zwei Wölfe in freier Natur gesehen. „Eine Fähe und ein Rüde beobachteten mich aus etwa 100 Meter Entfernung“, erzählt die Brandenburger Wolfsbeauftragte. Von dem Paar wurde sie aus sicherer Entfernung beäugt, dann zog es ab. Schäfer Olaf Kolecki hört der 40-Jährigen ruhig zu und blickt auf seine Herde. „Ich sehe die Gefahr durch die Wölfe immer näher kommen.“ Er will keines seiner Tiere verlieren und sucht deshalb den Rat der Fachfrau.

Seit gut einem Jahr gibt es in Brandenburg zwei Wolfsbeauftragte

Sie sollen bei Konflikten zwischen Mensch und Raubtier vermitteln. Hauptbetroffene sind dabei Schaf- und Weidetierhalter, die auf eine „Regulierung“ der vor Jahren wieder heimisch gewordenen und auf der Roten Liste stehenden Raubtiere drängen. Als erstes Bundesland hat Brandenburg eine Wolfsverordnung. Sie erlaubt bei einer ernsten Bedrohung oder Schäden als letzten Ausweg den Abschuss. Derzeit leben in Brandenburg 29 Rudel, ein einzelnes Tier und möglicherweise ein Paar. Der Brandenburger Bauernbund sieht als einzigen vernünftigen Herdenschutz den Abschuss. Das Tier müsse dort gejagt werden, wo Menschen und Weidetiere leben, heißt es.

252.000 Euro Entschädigung gezahlt

An betroffene Tierhalter wurden laut de Pellegrini seit 2007 bis Ende Juni dieses Jahres rund 252.000 Euro Entschädigung gezahlt. In 430 Schadensfällen mit Nutztieren wurde ein Wolf als Verursacher ermittelt oder zumindest als solcher nicht ausgeschlossen. Die Tiere von Schäfer Kolecki stehen vor allem in Westbrandenburg. Seine Border-Collie-Hündin Hanuk hält die Herde zusammen. „In meiner Herde ist Gott sei Dank noch kein Schaf gerissen worden“, sagt Kolecki, aber er kennt Berichte von Berufskollegen über tragische Verluste. „Ich weiß, man muss etwas tun.“

Ein Wolf töte das Schaf mit einem Biss in die Kehle und reiße dann den Bauchraum auf, erklärt de Pellegrini. „Das ist ein schlimmer Anblick.“ Ein Tier, das man selbst aufgezogen habe, sollte nicht so in den Tod gehen. Die Wolfsbeauftragte berät Schäfer dahingehend, was möglich und bezahlbar ist. Sie hat internationales Waldökosystem-Management studiert, außerdem Ausbildungen als Hundeerzieher und -trainer hinter sich. Einen Geldkoffer hat sie bei Treffen mit Tierhaltern nicht dabei, weiß aber, wie und wo Fördergelder zu erhalten sind.

Zäune können gefördert werden

„Ein Zaun von mindestens 90 Zentimetern sollte Standard sein“, sagt de Pellegrini. Wer die Prävention verbessern wolle, könne Zäune bis 1,20 Meter fördern lassen. Und 4000 Volt sollten anliegen. „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es zwar nicht, aber das könnte weitere Übergriffe abhalten.“ Nach ihren Angaben liegen für dieses Jahr Anträge im Umfang von 420.000 Euro vor. Etwa 70 wurden bewilligt, 40 sind noch in der Bearbeitung. Mit dem Geld können Zäune oder die Anschaffung von Herdenschutzhunden gefördert werden. Zudem gibt es einen Schadensausgleich, wenn ein Wolf Weidetiere gerissen hat – vorausgesetzt, die Herde wurde ausreichend geschützt.

Schäfer Kolecki lebt wie die meisten Kollegen vor allem von der Landschaftspflege mit seinen Tieren. „Der Verkauf des Lammfleisches lohnt nicht bei einem Kilopreis von zwei Euro. Und für Wolle gibt es kaum Interessenten.“ Wenn Tiere vom Wolf getötet werden, fehlten wichtige Einnahmen aus der Landschaftspflege. Die wenigsten Schäfer hätten eigene Flächen, über die sie Prämien beantragen könnten. „Für sie wären Weidetierprämien von 38 Euro pro gehaltenes Mutterschaf, wie in 22 europäischen Ländern üblich, wichtig“, betont Kolecki. In Problemfällen, wenn Wölfe wiederholt gute Sicherungssysteme überwinden, bleibe nur die Tötung, räumt de Pelle­grini ein. „Ich sage nicht, dem Wolf darf kein Haar gekrümmt werden.“

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