Golßen

Spreewälder Gurkenkönig findet keinen Nachfolger

Christoph Frehn wird vorerst der letzte Gurkenkönig bleiben. Die Bewerber bleiben aus - gefeiert wird trotzdem beim „Gurkentag“.

Gurkenkönig Christoph Frehn findet keinen Nachfolger

Gurkenkönig Christoph Frehn findet keinen Nachfolger

Foto: pa

Golßen.  Wenn Christoph Frehn an diesem Sonnabend das Fass mit den sauren Gurken „ansticht“, ist das seine letzte Tat als Spreewälder Gurkenkönig. Eigentlich hätte danach noch eine weitere Amtshandlung von Christoph I. und seiner Königin Angelique Fengler auf dem Programm des „Spreewälder Gurkentages“ gestanden – die Übergabe an das Nachfolgepaar. Doch die fällt in diesem Jahr aus. „Ausgerechnet im Jubiläumsjahr haben wir erstmals kein Königspaar gefunden, es hat sich niemand beworben“, ärgert sich Andreas Traube vom Spreewaldverein, dem Hauptausrichter des Festes. Zum 20. Mal wird das zweitägige Spektakel am Wochenende gefeiert. Diesmal ist Golßen als Gastgeberstadt an der Reihe.

Der erste Gurkentag ging 1999 über die Bühne – just in dem Jahr, in dem mithilfe des brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums und des Spreewaldvereins der Markenschutz für das grüne Gemüse durchgesetzt werden konnte. Seither ist die Spreewaldgurke – als eines der ersten ostdeutschen Regionalprodukte überhaupt – mit dem Segen der Europäischen Union eine geografisch geschützte Spezialität.

Gurken reagieren auf die Hitze mit Schnellwachstum

Eine, die in diesem Jahr besonders rasant wächst. „Sie können die Gurke fast mit bloßem Auge wachsen sehen“, sagt Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken aus Vetschau. Anders als beispielsweise die Kartoffel, die Sonnenbrand auf den Blättern bekomme, verkrafte die Gurke die aktuelle Gluthitze gut und reagiere mit Schnellwachstum. „Das bringt unseren Ernterhythmus völlig durcheinander“, sagt Ricken. Ist eine Fläche abgeerntet, kommt der „Gurkenflieger“ – die Erntemaschine, auf der 30 bis 34 Helfer zum Pflücken liegen – normalerweise auf demselben Feld nach drei Tagen wieder zum Einsatz. „Dieser Abstand ist bei der jetzigen Witterung zu groß“, erklärt Ricken. „Dann haben die Gurken schon zwei Sortierungsgrade übersprungen.“ Üblicherweise werden die Gurken auf den Ernteanlagen nach 14 verschiedenen Größen sortiert.

Was seit Beginn der Hitzewelle auf seinen Feldern heranreift, sei eher für die Verarbeitung zu Relish oder Gurkenwürfeln geeignet. „Aber da ist der Absatz begrenzt.“ Die Verarbeitungsbetriebe würden eher kleinere Gurken ordern, „weil sie nur die auch an den Einzelhandel verkaufen können“, erklärt der Spreewaldbauer. Und bringt ein Beispiel: „Nehmen Sie die ,Auslese‘, da müssen im 720-Milliliter-Glas zehn bis zwölf Gurken enthalten sein und eben nicht sechs doppelt so große Exemplare, das will der Verbraucher nicht.“

Schwerstarbeit für die Erntehelfer

Doch die gewünschte Größe zu ernten, „ist aktuell mit unseren Erntehelfern nicht zu schaffen“. Die würden bei 37 Grad in praller Sonne ohnehin Schwerstarbeit leisten. Noch gut eine Woche lang will Ricken das grüne Gemüse ernten; immerhin hat die Hitze jetzt nachgelassen. Dann ist für Ricken die Saison vorbei – drei bis vier Wochen früher als sonst. „Durch das warme Frühjahr war die erste Ernte schon Ende Mai, die Pflanzen haben enormen Wachstumsstress gehabt, sind schneller gealtert“, erläutert der Fachmann.

Wie die Gurken weiterverarbeitet werden, können sich die Besucher des Gurkentages am Sonnabend bei der Obst- und Gemüseverarbeitung Spreewaldkonserve Golßen anschauen. „Einmal im Jahr öffnen wir unseren Betrieb zu Führungen“, sagt Geschäftsführerin Karin Seidel. Die Spreewaldkonserve Golßen verarbeitet jährlich mehr als 10.000 Tonnen Gurken.

An zahlreichen Marktständen verkaufen Unternehmen und Händler am Wochenende Köstlichkeiten aus der Region. Dazu wird unter dem Motto „Jetzt gibt’s Saures“ am Sonnabend und am Sonntag jeweils ab 10 Uhr traditionelles Handwerk präsentiert, außerdem gibt es ein buntes Bühnenprogramm und Kremser-Rundfahrten.

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