Fünf-Zentner-Bombe

Weltkriegs-Bombe erst nach mehreren Anläufen gesprengt

Technische Probleme und uneinsichtige Anwohner verzögerten die Sprengung in Potsdam. 3000 Menschen waren von der Evakuierung betroffen.

 Durch die Sprengung der Bombe entstand ein tiefer Krater

Durch die Sprengung der Bombe entstand ein tiefer Krater

Foto: dpa/Friedrich Bungert

PotsdamNach mehreren vergeblichen Anläufen und immer neuen Verzögerungen ist die in der Potsdamer Innenstadt entdeckte Fliegerbombe am Freitagnachmittag gesprengt worden. Die 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg war auf einem Baugelände an der Heinrich-Mann-Allee entdeckt worden. Da eine risikolose Entschärfung des auch nach Jahrzehnten häufig noch voll funktionstüchtigen Säurezünders nicht möglich war, hatte sich das Team um Sprengmeister Klaus Schulze zu einer kontrollierten Sprengung entschlossen.

Trotz ausführlicher und frühzeitiger Hinweise an die betroffene Bevölkerung hat die Sprengung die zuständigen Behörden vor einige Probleme gestellt. Zunächst verzögerte sich am Freitagvormittag die Räumung des Sperrgebietes von 800 Metern rund um den Fundort. Etliche Anwohner waren der Aufforderung der Polizei, das Sperrgebiet zu verlassen nur widerwillig oder gar nicht gefolgt.

Mehrfach drangen Menschen ins Sperrgebiet ein

Bei Bombenentschärfungen und ähnlich gefährlichen Einsätzen ist es üblich, dass nach Beendigung der Evakuierung nochmals geprüft wird, ob auch tatsächlich alle Anwohner das Gebiet verlassen haben. Am Freitag seien die kontrollierenden Beamten mehrfach auf Menschen gestoßen, die sich weiterhin in ihren Wohnungen und an anderen Orten innerhalb der Sperrzone aufgehalten hätten, sagte Markus Klier, Sprecher der Stadtverwaltung. Einige hätten angegeben, von der angekündigten Evakuierung nichts gewusst zu haben, erklärte der Sprecher. Eine Radfahrerin, die kurz vor der Sprengung versucht hatte, in das Sperrgebiet zu gelangen, musste von der Polizei gestoppt werden, gegen sie wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

Als die Evakuierung dann endlich zu Ende gebracht werden konnte, scheiterte am Mittag die geplante Sprengung, weil der eigens dazu angebrachte Zünder versagte. Zuvor hatte die Feuerwehr den Trichter, der um den Sprengsatz herum angelegt worden war, mit 20.000 Liter Wasser gefüllt, um die Wirkung der kontrollierten Detonation einzudämmen. Um nochmals an die Bombe zu gelangen und den defekten Zünder auszutauschen, musste das Wasser zunächst abgepumpt und anschließend wieder in die Grube gefüllt werden, ein Vorgang, der mehrere Stunden in Anspruch nahm. Nachdem am Nachmittag endlich die Vorbereitungen für einen zweiten Versuch abgeschlossen waren, gab es eine weitere Verzögerung, weil erneut Personen in den Sperrkreis eingedrungen waren.

Die kontrollierte Sprengung der Bombe war akribisch vorbereitet worden. Für die Entschärfung musste der Bahnverkehr zwischen dem Potsdamer Hauptbahnhof und dem S-Bahnhof Babelsberg eingestellt werden, Gleiches galt für etliche Straßenbahn- und Buslinien. Mitten im Sperrgebiet und damit ebenfalls betroffen waren unter anderem die brandenburgische Staatskanzlei an der Heinrich-Mann-Allee und mehrere Ministerien sowie das Präsidium der Bundespolizei.

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