Brandenburg

Auf der Krankenstation der Eichhörnchen in Teltow

Der Verein Eichhörnchen-Hilfe in Teltow umsorgt 40 Tiere. Nun braucht die Auffangstation dringend eine neue Heizung.

Eichhörnchen Timi wagt einen kurzen Blick aus seinem bunten Schlafsack, bevor es blitzschnell wieder abtaucht

Eichhörnchen Timi wagt einen kurzen Blick aus seinem bunten Schlafsack, bevor es blitzschnell wieder abtaucht

Foto: Katrin Lange / BM

Teltow.  Maya lebt auf der Krankenstation. Und daran wird sich wohl auch nicht viel ändern. Das Eichhörnchen hat keinen Schwanz. Ohne diesen wärmenden Puschel kann es in der Natur nicht überleben. Spätestens im Winter würde das Tier erfrieren. In der Eichhörnchen-Auffangstation in Teltow (Potsdam-Mittelmark) lebt Maya in einem Raum mit Fußbodenheizung, zusammen mit der blinden Hella sowie mit Mausi und Polly, die an Infekten leiden und sich in ihre Schlafsäcke verkrochen haben. Doch diesen Winter könnte es ein Pro­blem geben.

Die Heizung der Auffangstation, in der derzeit 40 Tiere aufgepäppelt und gesund gepflegt werden, ist kaputt. Wenn sie nicht repariert wird, wird es im Winter auch keine warmen Böden geben. Das Wasser ist schon seit einiger Zeit kalt. Etwa 22.000 Euro kostet der Einbau einer neuen Wärmepumpe für die Ölheizung. Zu viel für den gemeinnützigen Verein, der keinerlei öffentliche Förderung bekommt. Auf der Spendenplattform Betterplace.org haben die Akteure bereits einen Aufruf gestartet, aber noch reicht es nicht für ein warmes Zuhause für die Eichhörnchen.

Auffangstation: Glück im Unglück

Vor 13 Jahren hat Tanya Lenn den Verein Eichhörnchen-Hilfe Berlin-Brandenburg in Lankwitz gegründet. „Schuld“ daran war Bobo. Eine Freundin hatte das vier Wochen alte Eichhörnchen aus einer Tierarztpraxis mitgebracht, wo es abgegeben worden war. „Mit seinem breiten Kopf, seinem breiten Maul und den riesigen Füßen fand ich es ausgesprochen hässlich“, erzählt die Tierschützerin, eine ausgebildete Notarfachangestellte. Doch sie nahm Bobo mit, fütterte ihn, „und nach zwei Tagen fand ich ihn bildschön“. Bobo durfte in einer Kiste, eingekuschelt in ein Handtuch, sogar mit ins Büro. Bis er groß genug war für die Freiheit. „Von da an war ich dem Charme der Tiere erlegen“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Seit 2007 ist die Auffangstation in der Teltower Waldstraße. Es ist ein Refugium mit großen Volieren – Spiel-und Schlafplatz zugleich – mit gehäkelten Schlafsäcken, die von der Decke baumeln und mit Ästen zum Klettern. Die Jungtiere wachsen zusammen auf, während die Alten und Kranken ihre Ruhe haben. Maya huscht beim Rundgang mit durch die Gänge. Sie ist fix, auch ohne Schwanz, und verlässt gern ihre Krankenstation. Doch genauso schnell ist sie auch wieder in ihrem Revier zurück.

Etwa zehn Helfer gehören zu dem Team, das sich jeden Tag um die Eichhörnchen kümmert. Die Tiere sind aus dem Nest gefallen, haben ihre Mutter verloren, wurden von einem Auto erfasst oder waren einfach zu schwach. Alle hatten aber das Glück, dass sie von Menschen gefunden wurden, die sich bei der Auffangstation gemeldet haben. Dort wird alles getan, damit sie wieder zurück in die Natur können.

Nicht jeder Patient ist für das Leben da draußen gemacht

Sind die Tiere gesund, kommen sie zunächst in Auswilderungsvolieren in verschiedenen Orten im Land Brandenburg. Meist bleiben sie in der Gruppe zusammen, in der sie schon in der Auffangstation waren. Das erleichtert ihnen, sich wieder im Wald und auf den Bäumen zurechtzufinden. Nicht jeder ist wieder für das Leben draußen gemacht. Eichhörnchen Schnucki zum Beispiel, von einem Infekt genesen, sollte vor zwei Jahren ausgewildert werden. Doch es kam immer wieder in die offene Voliere in Rangsdorf zurück. Es hatte offenbar keine Lust mehr auf die große Freiheit. Heute besteht sein Leben in der Auffangstation aus Essen, Trinken, Leckerli und Schlafen. Die offene Käfigtür kann ihn nicht mehr locken.

Tanya Lenn beobachtet, dass es immer mehr geschwächte Tiere gibt und viele Jungtiere zu klein und zu schwach sind. Liegt es am Dünger? Oder daran, dass immer mehr Bäume gefällt werden? „Eichhörnchen sieht man zwar in der Werbung, aber ansonsten haben sie keine Lobby“, sagt die Vereinsvorsitzende. Das sieht sie als ihre Aufgabe, für die sie in Berlin und Brandenburg auch Anerkennung bekommt.

Keine finanzielle Unterstützung für Eichhörnchen-Helfer

Mit dem Artenschutzbeauftragten des Landes Brandenburg, so erzählt sie, arbeite sie sehr gut zusammen. Guten Kontakt hat sie auch zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Und im Flur der Auffangstation hängt eine Urkunde vom Berliner Senat. Im Jahr 2015 wurde die Eichhörnchen-Hilfe mit dem Berliner Tierschutzpreis ausgezeichnet. „Der Preis war mit einem Dussmann-Gutschein dotiert“, sagt Tanya Lenn und lacht. Finanzielle Hilfe bekommt sie trotz der Wertschätzung nicht. Etwa 6000 Euro sind mittlerweile auf der Spendenplattform Betterplace.org zusammengekommen. Wenn der Verein die Heizung von Öl auf Gas umstellen würde, bräuchte er insgesamt 13.000 Euro. Doch auch dafür reicht die Summe noch nicht.

Auch Eichhörnchen Burty muss es diesen Winter noch einmal warm haben. Der kleine Kerl wurde am Treptower Park von einem Auto angefahren und saß dann verletzt an einer Dönerbude. Die Frau, die ihn fand, brachte ihn mit dem Taxi nach Teltow. Sein Schädel-Hirn-Trauma hat er fast überstanden, es geht ihm wieder besser. Aber bis er in die Auswilderungsvoliere ins Land Brandenburg umziehen kann, wird er noch ein bisschen brauchen.

Mehr Infos, auch zu Spendenmöglichkeiten unter www.eichhoernchenhilfe-berlin.de