Ausgrabung

In Seelow gräbt ein Verein nach Kriegsopfern

In Klessin sucht ein Verein seit 2005 nach unbekannten Kriegsopfern der letzten großen Schlacht am Ende des Zweiten Weltkriegs.

Seelow.  Es war eine der schwersten Schlachten kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, die den russischen Truppen schließlich den Weg nach Berlin ebnete: Zwischen dem 16. und 19. April 1945 kam es an den Seelower Höhen an der Oder zu einem letzten Aufbäumen der deutschen Armee gegen die übermächtigen Sowjettruppen. Die „Berliner Operation“ der Roten Armee hatte zum Ziel, den deutschen Widerstand endgültig zu brechen und nach Berlin vorzudringen. Wenige Wochen später war der Krieg vorbei. 12.000 deutsche und 33.000 russische Soldaten kamen bei der Schlacht ums Leben. Bis heute werden bei Grabungen immer neue Kriegsopfer entdeckt und – mittlerweile 73 Jahre nach Kriegsende – würdevoll beigesetzt.

Der Verein zur Bergung Gefallener in Osteuropa (VBGO) war auch an diesem Wochenende wieder aktiv. In Klessin suchten 25 Helfer nach den Überresten von Kriegsopfern. „In einem verschütteten ehemaligen Kohlenkeller haben wir die Überreste eines deutschen Wehrmachtssoldaten gefunden“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Albrecht Laue. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die namenlosen Toten in den Massengräbern des Krieges, die immer noch als vermisst gelten, zu finden, zu bestatten und so den Familien die Möglichkeit zu geben, endgültig mit dem Kriegsgeschehen abzuschließen. Freiwillige aus ganz Europa helfen dabei immer wieder.

Gefundene Dienstmarke als Hinweis auf Identität

Insgesamt 16 Einsätze rund um Klessin hat der Verein bislang organisiert. Dabei wurden die Überreste von 95 deutschen und 110 russischen Soldaten gefunden. Laue vermutet, dass es sich bei dem jetzt gefundenen Soldaten um einen schwer verwundeten Mann handelte, der zum Schutz in den gut geschützten Kohlenkeller des ehemaligen Gutshauses Klessin gebracht wurde. Der Soldat wurde offenbar durch die Kriegshandlungen darin verschüttet. Er trug eine Dienstmarke bei sich, die möglicherweise Hinweise auf seine Identität liefern wird.

Die Gedenkstätte Seelower Höhen erinnert an die größte Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden, an der Hunderttausende Soldaten beteiligt waren. Noch heute rätseln Historiker darüber, wie es zum erbitterten Widerstand kam, obwohl der Krieg längst verloren war.