Kriminalität Brandenburg

Knapp 46 Prozent aller Straftaten im Berliner „Speckgürtel“

Der Speckgürtel macht nur 15 Prozent der Gesamtfläche Brandenburgs aus. Trotzdem wurde hier knapp die Hälfte aller Straftaten begangen.

Polizeiwagen in Potsdam

Polizeiwagen in Potsdam

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Potsdam.  Weniger Straftaten, mehr Gewalt, so lässt sich in Kurzform die Kriminalstatistik 2017 für Brandenburg beschreiben. Die Gesamtzahl der erfassten Straftaten sei von 185.831 Fällen im Jahr 2016 um zehn Prozent auf 175.003 Fälle im vergangenen Jahr gesunken, teilten Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke bei der Vorstellung der Statistik am Donnerstag in Potsdam mit.

Was für Brandenburg insgesamt gilt, trifft auch auf das Berliner Umland zu, seit jeher neben der Grenzregion zu Polen einer der Kriminalitätsbrennpunkte im Land. Der sogenannte Speckgürtel macht gerade mal 15 Prozent der Gesamtfläche des Landes aus, dort wurden 2017 allerdings knapp 46 Prozent aller registrierten Straftaten begangen. Rund um Berlin sank die Zahl der Delikte 2017 auf 80.054 gegenüber 82.651 im Jahr zuvor.

„Die Kriminalstatistik enthält eine ganze Reihe positiver Entwicklungen, was das Gesamtbild angeht“, sagte Schröter, es gebe allerdings auch Entwicklungen, die ihm Sorge bereiteten, fügte der Minister hinzu. Dazu gehört vor allem der Anstieg bei Gewaltdelikten, wie Kapitalverbrechen, Sexualdelikten oder Raubtaten. 2017 schlugen Gewalttäter in Brandenburg 5100 Mal zu, 400 Mal mehr als 2016 und 1000 Mal mehr als 2015.

Das ist damit die zumindest vorübergehende Umkehr einer zehn Jahre lang positiven Entwicklung. Zwischen 2005 und 2015 war die Gewaltkriminalität in Brandenburg kontinuierlich zurückgegangen. „Selbstverständlich sind dies genau die Straftaten, die das Sicherheitsgefühl der Menschen in besonderer Weise beeinträchtigen. Insofern sind wir gefordert, hier massiv dagegenzuhalten“, sagte Schröter. Dass die Polizei dies auch tue, drücke sich unter anderem in der hohen Aufklärungsquote bei Gewaltverbrechen aus, ergänzte der Minister. 2017 lag die Quote bei 84 Prozent, 4,5 Prozent höher als im Jahr zuvor.

So hat sich die Kriminalität 2017 in Berlin entwickelt
So hat sich die Kriminalität 2017 in Berlin entwickelt

Land verzeichnet Höchststand bei Drogentoten

Als drastisch bezeichnete Schröter auch die Entwicklung im Bereich der Drogenkriminalität. Die Gesamtzahl der Delikte stieg zwar nur leicht um 270 Fälle auf insgesamt 7600 Taten, deutlich größer (plus 50 Prozent) fiel der Anstieg der Drogentoten aus. 30 waren es 2017, für das Land ist dies ein neuer Höchststand.

Den Rückgang bei der Kriminalität insgesamt führen Schröter und Mörke auf die deutliche Abnahme der Eigentumsdelikte zurück. So sank die Zahl der Diebstähle um 15 Prozent auf 66.889 Fälle. Noch deutlicher fiel der Rückgang bei Wohnungseinbrüchen aus, ihre Zahl sank um 25 Prozent von knapp 4200 im Jahr 2016 auf knapp 3200 im vergangenen Jahr. Bei diesem rückläufigen Trend könnte nach Einschätzung des Innenministers eine entscheidende Rolle spielen, dass die Präventionsmaßnahmen von Polizei und Haus- und Wohnungseigentümern inzwischen deutlich stärker Wirkung zeigten als noch vor einigen Jahren.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr 62.616 Tatverdächtige ermittelt. Davon waren 16.313 nicht deutscher Herkunft, was einem Anteil von 24,5 Prozent entspricht. Die meisten nicht deutschen Straftäter und Tatverdächtigen kamen wie in den Jahren zuvor aus Polen (2583), gefolgt von Syrern (2153), russischen Staatsangehörigen (1746) und Afghanen (814).

Bei der Kriminalitätshäufigkeit liegt Brandenburg im Vergleich aller 16 Bundesländer mit 7015 Straftaten pro 100.000 Einwohner auf einem Platz im unteren Drittel. Klar führend ist hier Berlin mit 14.558 Delikten pro 100.000 Einwohner. Auch hier hat sich Brandenburg gegenüber 2016 verbessert.

2017 konnte die Brandenburger Polizei die höchste Aufklärungsquote seit zehn Jahren verzeichnen. Fast 97.000 der insgesamt etwa 175.000 Straftaten konnten aufgeklärt werden, das entspricht einer Quote von 55,3 Prozent. „Auch das ist eine erfreuliche Entwicklung, die der Arbeit unserer Polizei ein gutes Zeugnis ausstellt“, sagte Schröter und bedankte sich bei der Gelegenheit bei allen Beamtinnen und Beamten für ihren Einsatz.

Weniger Einbrüche und Diebstähle im Umland

Als auffällig bezeichneten Schröter und Mörke den Rückgang der Straftaten im Berliner Umland. Der war vor allem bei den für den Speckgürtel seit Jahren typischen Delikten wie Autodiebstahl und Wohnungseinbrüchen zu verzeichnen. Während die Autodiebstähle von 1326 auf 1270 Fälle nur geringfügig zurückgingen, fiel der Rückgang bei den Wohnungseinbrüchen deutlicher aus. Registrierte die Polizei 2016 noch 2737 Taten, waren es im vergangenen Jahr 1934. Insgesamt wurden im Speckgürtel aber 60 Prozent aller Wohnungseinbrüche im Land begangen.

Gleichzeitig stieg in den vergangenen Jahren die Aufklärungsquote im Berliner Umland stetig an, 2017 betrug sie bei Einbrüchen 20,7 Prozent, beim Autodiebstahl 19,1 Prozent, eine im Vergleich mit anderen Bundesländern durchaus beachtliche Quote. Bei den Eigentumsdelikten rund um Berlin handelt es sich in den meisten Fällen um sogenannte qualifizierte Bandendelikte. Spezielle Ermittlungs- und Fahndungsgruppen zur Bekämpfung dieser Delikte gibt es nicht nur beim Landeskriminalamt in Eberswalde, sondern auch in den örtlichen Polizeidirektionen. Dazu arbeiten Brandenburgs Polizeibehörden bei Straftaten im Speckgürtel eng mit der Berliner Polizei zusammen, eine Kooperation, die nach Überzeugung von Politikern in beiden Ländern Wirkung zeigt.

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