Zugverkehr

Schienennetzausbau: Brandenburg wird besser angebunden

Um den Anstieg der Fahrgastzahlen zu bewältigen gibt Brandenburg in diesem Jahr 36 Millionen Euro für die Bahninfrastruktur aus.

Brandenburg baut das Schienennetz im Land aus (Archiv)

Brandenburg baut das Schienennetz im Land aus (Archiv)

Foto: imago stock&people / imago/Rüdiger Wölk

Potsdam.  Brandenburg will in diesem Jahr 36 Millionen Euro in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs investieren. Dabei geht es um den Ausbau und die Instandhaltung der Bahngleise, die Sanierung von Bahnhöfen und die Einrichtung von Bushaltestellen. 80 Projekte sollen 2018 in Angriff genommen oder fertiggestellt werden. „Davon profitieren viele Orte, besonders auch in den ländlichen Regionen“, sagte Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) am Montag.

Mit den Investitionen reagiert das Land auf die steigenden Pendler- und Touristenzahlen. Eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung ergab, dass in keiner deutschen Großstadt die Zahl der Pendler in den vergangenen 16 Jahren so stark gestiegen ist wie in Berlin. Demnach legte die Zahl der Pendler aus dem Berliner Umland in diesem Zeitraum um 53 Prozent zu. 274.000 Menschen fuhren 2017 von außerhalb in die Stadt zur Arbeit und wieder zurück.

Aber die Infrastruktur ist nicht in gleichem Maß mitgewachsen – volle Züge oder fehlende Verbindungen sind die Folge. Das soll sich jetzt ändern. So wird in diesem Jahr der Ausbau der Strecke Werneuchen–Ahrensfelde im Nordosten der Stadt in Angriff genommen, die auch besser an den Bahnhof Ostkreuz angebunden werden soll. Ziel ist es hier, die Fahrzeit aus dem Umland nach Berlin zu beschleunigen.

Neue Park-&-Ride-Plätze für Pendler nach Berlin

In Potsdam, Königs Wusterhausen und auf der Strecke Cottbus-Lübbenau werden die Voraussetzungen für den zweigleisigen Ausbau geschaffen, sodass hier die Taktzeiten für die Regionalexpress-Züge und die S-Bahn erhöht werden können. In Britz, Chorin (beide Barnim), Erkner (Oder-Spree), Oranienburg, Zehdenick, Gransee (Oberhavel), Zeuthen (Dahme-Spree), Rangsdorf (Teltow-Fläming), Geltow (Potsdam-Mittelmark) und Tantow (Uckermark) werden Park-&-Ride-Plätze neu gebaut oder erweitert.

Ein Schwerpunkt der Investitionen liegt in der Prignitz rund um die Kleinstadt Kyritz an der Knatter. Wegen des knappen Wohnungsangebotes in Berlin zieht es immer mehr Pendler auch in entlegene Regionen Brandenburgs. Kyritz erhält einen zweiten Bahnhof. „Darum haben wir jahrelang gekämpft“, sagte die Bürgermeisterin von Kyritz, Nora Görke, am Montag.

Auch Velten im Norden Berlins soll besser angebunden werden

Außerdem werden die Gleise auf der Strecke Neustadt (Dosse)-Kyritz-Pritzwalk-Meyenburg erneuert. Lange war unklar, ob der Betrieb wegen der geringen Zahl der Fahrgäste überhaupt aufrechterhalten werden kann. Mittlerweile hat die Deutsche Eisenbahn Service AG die Strecke übernommen. Die Bürgermeisterin erhofft sich durch die Investitionen eine Verdichtung der Taktzeiten, um vor allem am Wochenende Berliner Tagesausflügler in der Stadt begrüßen zu können. Derzeit fahren die Züge am Wochenende im wenig attraktiven Vier-Stunden-Takt.

Auch in Velten im Norden Berlins werden Vorbereitungen für eine verbesserte Anbindung an Berlin getroffen. Der gesamte Bahnhofsvorplatz wird erneuert, um auf die Verlängerung der S-Bahn von Hennigsdorf vorbereitet zu sein. Dass die S-Bahn kommt, ist klar. Nur der Zeitpunkt steht noch nicht fest. Für andere dringend notwendige Verkehrsprojekte bestehen noch keine konkreten Planungen. So fehlt in dem 80-Punkte-Papier die Bahnanbindung von Falkensee nach Spandau. Hier streiten sich Berlin und Brandenburg bereits seit Jahren darüber, ob Falkensee einen S-Bahn- oder einen Regionalexpressanschluss erhalten soll.

Kabinett will verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Die Zahl der Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs hat sich in Berlin und Brandenburg in den vergangenen Jahren stark erhöht. Mit fünf Prozent mehr Fahrgästen verzeichnet die Region im Bundesvergleich einen überdurchschnittlichen Zuwachs. Insgesamt transportierte der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) im vergangenen Jahr rund 1,4 Milliarden Fahrgäste, die allermeisten davon in Berlin. Im schienengebundenen Regionalverkehr, der hauptsächlich von Brandenburgern genutzt wird, waren es 81 Millionen. Das entspricht 230.000 Fahrgästen täglich. Bis zum Jahr 2022 erwarten Verkehrsexperten einen weiteren Anstieg auf 280.000.

Insgesamt plant die Brandenburger Landesregierung in den kommenden Jahren einen massiven Ausbau der Infrastruktur. Nach dem jahrelangen Streit und schließlich der Absage einer umfassenden Gebietsreform steht das Kabinett Woidke unter Druck, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. Mindestens 70 Millionen Euro sollen jetzt jährlich in den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes fließen, kündigte die Landesregierung Ende vergangenen Jahres an. Allerdings dauert die Planung und Realisierung neuer Verkehrslinien in der Regel mehrere Jahre. Im Jahr 2019 wählt Brandenburg ein neues Landesparlament.

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