Prozess

Dreifachmord: Ankläger fordert lebenslange Haft

Für den Mord an seiner Großmutter und zwei Polizisten könnte der 25-Jährige lange ins Gefängnis kommen.

Der Angeklagte neben seinem Anwalta neben seinem Anwalt Stefan Böhme

Der Angeklagte neben seinem Anwalta neben seinem Anwalt Stefan Böhme

Foto: Patrick Pleul / ZB

Der Angeklagte im Dreifachmordprozess von Ostbrandenburg soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe erhalten. Sie ging in ihrem am Freitag überraschend gehaltenen Plädoyer vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) in allen drei Fällen von Mord aus. Der 25-Jährige steht seit Oktober vor Gericht, weil er im Februar 2017 seine Großmutter in ihrem Wohnhaus in Müllrose (Oder-Spree) erstochen und danach auf der Flucht zwei Polizisten an einer Bundesstraße tot gefahren haben soll. Das Landgericht will voraussichtlich in einer Woche (2. Februar) das Urteil sprechen. Zuvor soll am Dienstag (30. Januar) die Verteidigung plädieren.

Die Staatsanwaltschaft geht von einer besonderen Schwere der Schuld aus. Das bedeutet, dass in der Regel nicht vor 15 Jahren Haft über eine Bewährung nachgedacht wird. Weiter forderte die Anklagebehörde, den Vorbehalt der Unterbringung in Sicherungsverwahrung anzuordnen. Das würde die Möglichkeit offenhalten, erst während der laufenden Haftstrafe über diese Frage zu entscheiden. Eine Sicherungsverwahrung würde heißen, dass ein Häftling auch nach 15 Jahren nicht auf freien Fuß kommt. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte auch nie mehr eine Fahrerlaubnis bekommen. Er soll am Tattag unter dem Einfluss von Drogen gestanden haben - eine Strafmilderung kommt für die Staatsanwaltschaft deshalb aber nicht infrage.

Staatsanwalt: Enkel hatte sich bewusst entschlossen zu töten

Sie nannte die Mordmerkmale Verdeckungsabsicht in allen drei Fällen und Heimtücke bei der Tötung der Polizisten. Der Angeklagte war laut Plädoyer zunächst auf seine Großmutter losgegangen, weil die Badewanne in ihrem Wohnhaus, in dem er auch lebte, vollgestellt war und er sich darüber ärgerte. Er habe seiner Oma Honig über den Kopf geschüttet. Dann habe er vermutet, dass sie ihn bei einem späteren Telefonat mit einer Bekannten verpfiff und sei deshalb ausgerastet. Mit Fäusten, einer Porzellandose und einem Küchenstuhl habe er sie traktiert und die verletzte Frau schließlich mit einem Messer erstochen.

Der Staatsanwalt betonte, dass sich der Enkel bewusst dazu entschlossen habe, zu töten. Hintergrund sei ein früherer Raubprozess von Ende 2016, in dem der junge Mann noch für schuldunfähig erklärt worden war. Das Landgericht Frankfurt (Oder) ging damals auf Grundlage eines Gutachtens von einer Schizophrenie aus und ordnete zwar die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an - allerdings setzte es die Vollstreckung auf Bewährung aus. Die Staatsanwaltschaft argumentiert nun, dass sich der Angeklagte bei der Attacke auf die Rentnerin im Klaren darüber gewesen sei, dass die Bewährung dann widerrufen werden würde, wenn der Angriff auffliege. Daraufhin habe er die verletzte Frau am Boden getötet.

Angeklagter soll „Überraschungsmoment“ genutzt haben

Auch bei den Polizisten soll er in Verdeckungsabsicht gehandelt haben. Zudem habe der Angeklagte einen „Überraschungsmoment“ genutzt, als er das Fluchtauto erst kurz vor den Beamten nach rechts von der Straße lenkte. Sie hätten dadurch keine Zeit mehr für eine Reaktion gehabt. Daher geht die Staatsanwaltschaft auch von Heimtücke aus.

Die Anklagebehörde ist sich sicher, dass der Unfall an der Bundesstraße 168 bei Beeskow vermeidbar gewesen wäre. Die Beamten sollten damals eine Kontrollstelle einrichten, um den Flüchtenden zu stoppen. Der Deutsche hatte im Prozess die Tatvorwürfe an sich zugegeben. In früheren Vernehmungen hatte er laut Ankläger allerdings angegeben, das Auto von der Straße gelenkt zu haben, um einem ausgelegten Nagelbrett auszuweichen. Die Staatsanwaltschaft ist jedoch überzeugt, dass es zu dem Zeitpunkt noch nicht auf der Straße lag. Er sei bewusst auf die Polizisten zugefahren, hieß es.

Gutachter: Angeklagter nicht schizophren und daher schuldfähig

Die Staatsanwaltschaft stützt sich auf ein Unfall-Gutachten der Prüfgesellschaft Dekra. Ebenfalls folgte sie mit ihrem Plädoyer auch der Einschätzung eines Professors für forensische Psychiatrie. Dieser hatte als Sachverständiger im Prozess gesagt, dass der 25-Jährige anders als früher von anderen Ärzten attestiert nicht schizophren und daher auch schuldfähig sei.

Die Anwälte der Mutter des Angeklagten und einer Witwe eines getöteten Polizisten, die Nebenkläger im Prozess sind, folgten der Forderung der Staatsanwaltschaft.